Arne Platzbecker
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich versuch Sie mal wieder von "Don Carlos" vielleicht zur "Zauberflöte" etwas runterzuholen, um im Opernsprech zu bleiben. Als bekennender Opernfan habe ich neulich in der "HafenCity Zeitung" ein Interview gelesen. Da ging es im Prinzip um die Frage der Anwohnenden in der HafenCity, wie soll die HafenCity-Oper, also wie soll die Oper, die Hamburgische Staatsoper gestaltet werden? Und da war drinnen die Überschrift: "Es geht nicht um das Super-Wow!" Und ich gebe zu, ich musste tatsächlich am Anfang etwas schmunzeln, denn in der Debatte zur neuen Oper begegnet einem wirklich gerade ganz, ganz viel: Euphorie, Skepsis, Misstrauen und manchmal auch schon eine protestantische Angst vor allen Dingen hier von der linken Seite davor, dass etwas Neues schön, groß und wirklich auch gut werden könnte. Und ich kann Ihnen nur sagen: Wir sind dran, dass es eben gut und schön wird. Was ich an dem Satz aber tatsächlich mag: Er stellt nämlich die richtigen Fragen. Muss ein Haus der Hochkultur heute noch glänzen, glitzern und Superlative bedienen? Oder reicht es, wenn es offen, einladend und einfach gut ist? Und die Antwort: Es muss gar nichts sein, es muss gut für unsere Stadt sein. Und ich will jetzt nicht die fünfte Rede heute, die Rechtfertigungsrede über das "Ob" der Oper halten. Ich möchte ein paar Punkte zum "Wie" der Oper sagen. Ich will über das "Wie" sprechen und vor allem über die Kritik, die von Ihrer Seite der Oper entgegenschlägt. Denn wenn ein Projekt solche Wellen schlägt, und das erlebe ich in der HafenCity ja auch, ich bin ja da sehr häufig, dann lohnt es sich genauer hinzuhören und auch ganz klar auf die Fragen und Probleme zu antworten. Erstens, was Sie immer sagen: Das ist eine Elitenoper für Elitenbedürfnisse. Aber verzeihen Sie, das halte ich wirklich für ein ganz, ganz schweres Vorurteil, das dem Projekt und seiner Intention überhaupt nicht gerecht wird. Die Ausschreibung, wenn Sie es gelesen haben, spricht von einem Ort für alle. Da haben wir ja heute schon Diskussionen gehabt mit einigen hier, was ein Haus für alle ist, aber ich denke, das hat der Kultursenator gut beantwortet: schwellenlos, offen, beschwingt. Und das ist ein Versprechen, und das, glaube ich, können wir auch so geben. Aber auch ein Auftrag an uns alle in der Bürgerschaft und auch ein Auftrag der Bürgerschaft an die Planer und an den Kulturbetrieb selber. Und wer wirklich will, dass Kultur eben allen offensteht, der muss sie dahin holen, wo die Menschen eben sich aufhalten, in die Parks, auf die Plätze, und eben ein neues Opernhaus schaffen, das nicht abschreckt, sondern eben einlädt. Und ich glaube, wer Offenheit fordert, der darf eben nicht bei Vorurteilen stehenbleiben. Zweitens: Das Verfahren war nicht transparent genug. Ich war ja bei einer Veranstaltung auf dem Baakenhöft auch mit der Architektenkammer und hab da diskutiert. Ja, ich glaube auch, Vertraulichkeit war hier nötig, um zu verhandeln, aber seit Abschluss der Verträge liegt eben alles offen. Und der Vertrag ist veröffentlicht, die Auslobung transparent, die Jury divers und mehrheitlich öffentlich besetzt, übrigens mit Parlamentsbeteiligung. Und ich verstehe das Misstrauen, gerade wenn es um Großprojekte auch in dieser Stadt geht. In der Vergangenheit wurde dort häufig das Vertrauen erschüttert. Aber hier wurde vieles tatsächlich richtig gemacht, und das wurde ja auch von den meisten Rednern gelobt. Jetzt ist der Moment... Ja, das machen Sie. Aber jetzt ist der Moment mitzugestalten, statt eben zurückzuschauen. Natürlich hätten sich manche und ja auch die Architektenkammer, die hat das mit mir auch schon diskutiert, eine andere Beteiligung gewünscht, aber das kann man nachvollziehen. Aber wir müssen uns jetzt klarmachen: Das hier ist kein klassisches Verfahren, sondern ein besonderer Fall. Jemand ist bereit, privates Geld in ein öffentliches Kulturgut zu investieren. Und das bedeutet eben zwangsläufig, dass nicht jeder Schritt so abläuft, wie Sie sich das vielleicht wünschen. Aber jetzt ist eben der Zeitpunkt, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, und das sollten wir machen. Drittens, und jetzt komme ich vielleicht zu der Frage, die Herrn Hosemann eben gerade auch so emotional beschäftigt hat: Nein zu einem Vertrag mit Kühne, mit der Kühne-Stiftung. Ja, und wirklich, es gibt hier eben immer auch in diesem ganzen Verfahren einen Elefanten im Raum, über den wir wahrscheinlich sprechen müssen. Und es gibt ja auch Kritik am Stifter selbst, an seiner Familiengeschichte, an der Art und Weise, wie sich das Vermögen entwickelt hat, an seiner Steuerpflicht oder eben auch, wie wir Hamburger sagen würden, dann Nicht-Pflicht in Hamburg. Das sind keine belanglosen Hinweise, und da gebe ich Ihnen recht, das sind Fragen, die ausgesprochen werden dürfen und müssen. Aber genau deshalb ist es auch richtig, dass dieses Projekt eben nicht als privates Denkmal entsteht, sondern unter öffentlicher Verantwortung als die Hamburgische Staatsoper entsteht. Ja, jetzt... Heike, ich erlaube dir sonst immer, aber ich hab noch 20 Sekunden, - da muss ich jetzt ein Gedanken - <i>...hättest du mehr Zeit.</i> Und mal ganz ehrlich... Nein. Und mal ganz ehrlich: Wer heute sagt, dieses Geld dürfe man nicht annehmen, der muss auch fordern, dass die Elbphilharmonie zum Teil zurückgebaut wird, dass der HSV wahrscheinlich rückabgewickelt wird zum Teil. Da wären einige sicherlich dankbar. Aber auch die Uniklinik neu zu finanzieren. Denn all diese Institutionen wären ohne die Kühne-Stiftung nicht möglich. Und ich finde es wirklich schon ein bisschen falsch, die Sachen immer so miteinander zu verknüpfen. Und viertens: Der Stadtteil wird übergangen. Aber das schaffe ich jetzt nicht mehr. Wir übergehen die HafenCity nicht, wir wollen mit der HafenCity gemeinsam gestalten.
