Marco Hosemann
Danke schön. Genau, ich muss ja noch einen Antrag hier kurz vorstellen. Das habe ich ja gerade nur so nebenbei gelassen. Und das wollte ich ja auch nicht nur bei der Überschrift jetzt von der AfD, wo die dann aufgehört hat zu lesen, belassen. Aber erst vielleicht noch mal paar Entgegnungen auf Herrn Brosda. Ja, also wir sagen ja auch nicht oder sprechen Ihnen nicht ab, sage ich mal, nicht auch einen Neubau als Option, sage ich mal, zur Diskussion zu stellen. Aber in Ihrer Art und Weise, wie Sie das machen, also das ist wirklich auch entfernt von Demokratie, sondern für mich ist das eher Oligarchie, wenn man mit so einem Milliardär, Multimilliardär... Wir haben vorhin auch schon eben über leistungsloses Vermögen und so etwas gesprochen. Herr Kühne gehört ganz sicher dazu. Ich frage mich auch, wie viele Opern wir in Hamburg gebaut hätten können, wenn er mal hier seine Steuern bezahlt hätte. Und, Herr Brosda, damit alle Optionen auch gleichberechtigt auf dem Tisch liegen, brauchen wir auch eben Varianten oder eben die Alternativen, ja. Sie haben jetzt, sage ich mal, sehr klar durchdekliniert, wie Sie irgendwie sich einen Neubau vorstellen, aber wir sollten uns vielleicht auch mal genauer anschauen, wie denn jetzt eine Sanierung aussehen kann, weil da fehlt, sag ich mal, eine gründliche Prüfung. Ich glaub nicht, dass Sie Baugutachter sind und, ne, das sagen Sie irgendwie so daher irgendwie, als wenn Sie da irgendwie voll den Plan haben von der Vergrößerung irgendwie dieses Orchestergrabens. Also ich hab da auch schon mit Leuten gesprochen. Und dass es ja möglich ist, das haben Sie ja selbst auch in Ihrer Drucksache hineingeschrieben. Da haben Sie ja geschrieben: Ja, das ist schon technisch möglich, gar kein Problem, nur würde das halt zulasten einer Sitzreihe gehen und auch eines Gastro... Bitte? Ja, das steht da nicht, aber es steht drinne, es wird halt zulasten eben einer Stuhlreihe gehen. Und dann fürchtet man um die Wirtschaftlichkeit des Hauses. Und es würde auch unten irgendwie eine Gastronomiefläche verloren gehen. Also bitte mal wirklich hier bei den Fakten bleiben. Und ich frag mich auch... Und Sie gefährden auch, ja, auch diese kulturelle Nachnutzung der Oper. Was soll das denn bitte sein? Was für ein großes Sprechtheater will denn eben diese Ränge füllen? Also das Einzige, was da infrage kommt, ist ein Musical. Ja. Hätte ich auch kein Problem mit. Wie gesagt, jeder soll irgendwie das gucken und hören, was er möchte. Die Frage ist nur, Herr Kienscherf, ob ein Musical diese Mieten von über 20 Euro den Quadratmeter auch bereit ist zu zahlen oder zahlen kann, und am Ende zahlt die Stadt wieder drauf. Also lasst die Oper doch am besten in der Stadt! Und jetzt vielleicht noch kurz zum Antrag. - Bitte? - <i>Das ist die Innenstadt.</i> Ja, ist auch in der Stadt, aber nicht in der Innenstadt. Genau. Und jetzt zu dem Antrag. Genau. Also ich merk ja schon, ne, ich kann Sie irgendwie nicht so wirklich überzeugen, auch vielleicht mal Alternativen zu prüfen und ergebnisoffen zu prüfen, und möchte dann jetzt mal, ja, Ihnen noch mal vor Augen führen, mit was für einem Typen Sie hier zusammenarbeiten, nämlich Herrn Kühne. Und ich würde mal behaupten, das ist Ihnen... oder diese Dimension dieses Menschen und seiner NS-Vergangenheit, ja, so wie Sie schauen, ist Ihnen nicht bewusst. Weil Sie sind geschichtsvergessener Typ, das sehe ich schon an Ihrem Blick. Ich erzähl Ihnen das mal kurz. Herr Kühnes Vermögen basiert auf Verbrechen in der NS-Zeit. 1942 transportierte dieses Unternehmen im Rahmen der sogenannten M-Aktion – "M" steht für Möbel – geraubte Möbel, Kunst, Hausrat und Kleidung von geflohenen und deportierten Jüdinnen und Juden aus den von Nazis besetzten Ländern wie Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich in das Deutsche Reich. Ein Teil dieses Raubgutes, ja, wurde im Schuppen 25, also nur ein paar Meter vom Baakenhöft, da, wo Sie jetzt diese schöne neue Oper bauen wollen, entfernt gelagert, ja. Und auch ganz in der Nähe liegt der Hannoversche Bahnhof, von wo letztlich, ja, über 8.000 Menschen, Jüdinnen und Juden und auch andere, deportiert wurden, darunter Adolf Maass, ehemals Teilhaber von Kühne + Nagel, ja, bis 1933 er von Alfred und Werner Kühne, dem Vater und dem Onkel von Klaus Michael Kühne, letztlich aus dem Unternehmen verdrängt wurde. Und auch was ist das denn für ein erinnerungspolitisches Zeichen so? An solche, an diese Verbrechen, auch an die koloniale Vergangenheit erinnert dort nichts an diesem Ort, ja. Und jetzt baut man da mal die Oper hin, und dann kann es da auch noch irgendwie so ein Erinnerungseck geben, ne. Das kennen wir ja vom Stadthaus, Ihre Politik. Und das ist ein fatales Signal in die Gesellschaft. Also appelliere ich an Ihr Gewissen. Wenn wir Sie nicht von diesen Plänen abbringen können, ja, so eine neue Oper zu planen, dann machen Sie bitte die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von dem Unternehmen Kühne + Nagel, ne, also die Öffnung der Firmenarchive, und dann auch, dass diese Ergebnisse öffentlich gemacht haben zur Bedingung der weiteren Zusammenarbeit. Also wenn Ihnen, sag ich mal, ja, dass nicht scheißegal ist, was Herr Kühne... Und wenn Sie da keinen Schlussstrich auf dem Baakenhöft bauen wollen.
