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Marco Hosemann

DIE LINKE 6:03 min Sitzungen 23/11

Ja, sehr geehrter Präsident, liebe Hamburger:innen und liebe Freund:innen der Demokratie und guten Opernmusik! Ja, wir haben jetzt schon vieles zu den Plänen des Senates letztlich gehört, und man muss vielleicht noch mal dazu sagen, es sind ja nicht die Pläne des Senates, sondern es ist ja eigentlich der Wunsch von Herrn Kühne. Und das, was soeben gesagt wurde, es wäre auch ein Wunsch aus dem Hause, war, soweit ich weiß, auch nur der Wunsch eines Dirigenten. Und ich habe auch schon mit ein paar anderen Leuten aus der Staatsoper gesprochen, und die sehen das ganz und gar nicht so, denn sie wurden nicht gefragt, so wie alle Hamburger:innen nicht gefragt wurden, ob sie eine neue Oper haben wollen, und so kann es auch überhaupt kein Haus für alle werden. Ja, so wie auch die Elbphilharmonie kein Haus für alle ist. Herr Brosda, bloß weil da mal jemand zwischendurch klatscht, ne, an einer Stelle, wo es sich eigentlich nicht gehört, beweist das auch noch nicht, dass das ein Haus für alle ist. Also, ganz ehrlich, ich kenne auch viele Menschen, die noch nie einmal, sag ich mal, in dieser Elbphilharmonie waren. Das ist auch gar nicht schlimm. Ne, da gibt es verschiedene Geschmäcker, was Musik angeht, und da soll jede und jeder irgendwie die Musik hören, die sie gerne hört, aber es ist eben kein Haus für alle. <i>Jeder kann hin!</i> Ja, ja, aber letztlich ist es nicht das, was Sie als solches beschwören. Es ist kein Haus für alle! Und jetzt möchte ich einmal kurz was zu den Plänen sagen. Also letztlich lehnen wir jetzt nicht die komplette Drucksache ab. Da sind auch Teile, sage ich mal, die wir befürworten. Also die Maßnahmen, die, sage ich mal, die alte Oper betreffen. Was wir grundsätzlich ablehnen, ne, damit da auch kein falscher Eindruck entsteht, bezüglich unseres Zusatzantrages... Ne, da könnte man ja vielleicht meinen, wenn wir, also wenn Sie sich dazu überwinden, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich Ihre gesellschaftliche Verantwortung der Erinnerung und Aufarbeitung letztlich der NS-Vergangenheit, dann, ja... Dann... habe ich jetzt den Faden verloren, aber ich... Herr Hosemann, wenn Sie jetzt eh den Faden verloren haben, unterbreche ich Sie mal und frage Sie, ob Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung - des Kollegen Platzbecker gestatten. - Ja. Das ist ein guter Zeitpunkt. Dann würde mich interessieren Ihre Definition von "ein Haus für alle". Ich würde sagen, das gibt es einfach nicht, ne, weil es gibt... Es gibt kein Haus für alle, und dann sollten Sie es auch nicht eben als solches beschwören. Genau, also letztlich... Ja, vielleicht ein Haus für viele, das würde ich durchgehen lassen. Also, erst mal möchte ich unsere grundsätzliche Ablehnung dieses Neubaus zum Ausdruck bringen, weil letztlich gibt es viele Gründe, die dafür sprechen, die haben an anderen Stellen ja auch schon zum Ausdruck gebracht, und die haben auch nicht nur wir zum Ausdruck gebracht, sondern es gibt viel öffentliche Kritik letztlich an diesen Plänen, und das kann man an vielen offenen Briefen, an Statements, an Petitionen ablesen, wirklich aus sehr verschiedenen Ecken unserer Stadt – vom Denkmalverein, von der Architektenkammer, vom Arbeitskreis Hamburg Postkolonial, von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Bund Deutscher Antifaschisten, des Netzwerks HafenCity, dem AStA der HafenCity Universität. Also, es gibt ganz, ganz große Kritik an diesen Plänen, und das war dem Senat auch von Anfang an bewusst, weil nur aus diesem Grund hat er mit Kühne, sage ich mal, diesen Vertrag schon vorher beschlossen, ohne es vorher, sage ich mal, öffentlich und auch ergebnisoffen zu debattieren. Und für die öffentliche Debatte ist es aber noch nicht zu spät. Also, ich möchte Ihnen ja auch gerne die Hand reichen und an dieser Stelle mal an die geplante Bebauung des Domplatzes erinnern, ne, wo es ja auch lange Zeit so aussah, dass der CDU-regierte Senat das, sage ich mal, gegen allen Widerstand letztlich durchsetzt. Der CDU-regierte Senat hat sich, sage ich mal, überzeugen lassen, noch mal darüber zu sprechen. Es gab eine breite Beteiligung, eine offene Debatte, wie dieser Domplatz gestaltet werden soll. Und so etwas wünsche ich mir auch für die, ja, Pläne bezüglich der Oper. Und jetzt möchte ich auch noch mal ein paar Worte dazu sagen, ja, wie hier versucht wird, diese Opernpläne schönzureden von Frau Vértes-Schütter oder, ja, eigentlich hat es Herr Brosda ja, sage ich mal, die ganze Zeit gebetsmühlenartig vorgemacht bezüglich der Kosten und auch der Risiken. Ja, und wir haben es ja eben auch von Frau Frieling gehört: Diese Risiken gibt es letztlich auch bezüglich des Neubaus. Also, was Ihre Worte und was auch Ihre Verträge wert sind, das haben wir an vielen anderen Stellen schon in unserer Stadt gesehen – angefangen bei der Elbphilharmonie oder auch an anderen Stellen, Stadthaus oder jetzt dieser Erinnerungsort, das Dokumentationszentrum am Hannoverschen Bahnhof. Da werden wir auch uns bestimmt bald hier im Hause noch mit beschäftigen, ja, was da wieder los ist. Also nur so viel zu den guten Verträgen. Es gibt keine wasserdichten Verträge, und das Interessante ist nicht, was da drinnen steht, sondern eben, was da nicht drinnen steht. Und Herr Brosda gibt sich, wie gesagt, große Mühe, Äpfel mit Birnen zu vergleichen und mögliche... irgendwelche Angstgespenster von Kostenexplosionen an die Wand zu malen. Hat es ja anfangs versucht, mit der Oper in Stuttgart, sage ich mal, zu vergleichen, wo wir ja auch in einer Drucksache, ja, drauf aufmerksam gemacht haben, dass es überhaupt nicht vergleichbar ist. Dann hat er, sag ich mal, dieses Beispiel sich jetzt ja auch gespart, versucht es jetzt mit der Oper in Berlin. Auch die ist nicht vergleichbar. Wenn Sie sich mal anschauen, was dort für Maßnahmen letztlich durchgeführt wurden, dann wüssten Sie auch, das ist nicht vergleichbar mit Hamburg. Und die Oper kann letztlich saniert werden. Sie ist fast 200 Jahre dort an diesem Standort. Ich frage mich, was der Senat sich erlaubt, diesen Standort dort jetzt infrage zu stellen. Es müsste höchstens der Orchestergraben etwas erweitert werden. Das ist technisch möglich, fällt halt eine Sitzreihe weg, kein Problem. Und, ja, wir sprechen uns gegen einen Opernneubau auf dem Baakenhöft aus und für eine Sanierung der alten Staatsoper an der Dammtorstraße.

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