Dr. Isabella Vértes-Schütter
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit der vorliegenden Drucksache diskutieren wir heute und in den kommenden Wochen über eine der wichtigsten Weichenstellungen für die Kulturstadt Hamburg. Bis heute prägt die Hamburgische Staatsoper mit ihrer architektonischen Entwicklung das kulturelle Stadtbild Hamburgs. Und mit Blick auf das so wunderbar gestaltete Vorderhaus mit seiner Offenheit in den Stadtraum fragen sich Hamburgerinnen und Hamburger natürlich: "Brauchen wir eine neue Oper?" Unsere Antwort ist ganz klar: Wir brauchen sie. Weil wir am alten Standort mit den Anforderungen an einen modernen Opernbetrieb, wie sie heute und zukünftig formuliert werden, nicht hinkommen. Ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass der erste Impuls für einen Neubau aus der Staatsoper selbst kam. Und ich denke, wir tun gut daran, hier auch den Blick auf die Situation der Beschäftigten zu richten: Sie haben bessere Bedingungen verdient! Und die Annahme des mäzenatischen Geschenks für einen Neubau am Baakenhöft ist nach Lage der Dinge auch die bessere Lösung für die Hamburger Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Um das zu verstehen, ist es wichtig nachzuvollziehen, dass die Kosten für eine an den Bedarfen des Opernbetriebs vorzunehmende Generalsanierung im Betrieb ganz andere sind als die Kosten, die für eine andere kulturelle Nachnutzung an der Dammtorstraße entstehen. Und ein Interimsstandort ist nicht in Sicht. Die ersten Schätzungen werden in der Drucksache eingeordnet. Es sind Schätzungen nach einer ersten Draufsicht, keine Planungen. Die Risiken für den Hamburger Haushalt wären enorm. Am neuen Standort Baakenhöft belaufen sich die Kosten für die Stadt auf 147,5 Millionen Euro für den Hochwasserschutz sowie rund 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Stadt und Hafen für Erschließungsmaßnahmen. Diese Kosten fallen auch für jedes andere Vorhaben am Standort an. Die Kosten von mindestens 330 Millionen Euro für die Errichtung der neuen Hamburgischen Staatsoper und alle Risiken für etwaige Mehrkosten liegen bei der Kühne-Stiftung respektive Holding. Wichtig ist hervorzuheben: Am Ende des Prozesses steht auf städtischem Grund, in öffentlich zugänglichem Raum eine Hamburgische Staatsoper im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg. So und nicht anders ist es vereinbart, und dafür sind wir sehr dankbar! Grundlage des Baus ist ein mit der Staatsoper abgestimmtes Anforderungsprofil an das neue Opernhaus. Ein von der Gesellschaft berufener Beirat aus hochkarätigen und erfahrenen Fachleuten wird darauf achten, dass die speziellen theatertechnischen und betrieblichen Anforderungen nach internationalen Maßstäben erfüllt werden. Es wird ein Haus für alle Hamburgerinnen und Hamburger sein, das Strahlkraft über die Stadt hinaus entwickelt. Es wird ein Ort, an dem Oper neu gedacht werden kann, und ein Ort der kulturellen Teilhabe, der helfen kann, Zugangshürden zu überwinden. Das ist ein erklärtes Ziel. Und, meine Damen und Herren, das kann gelingen. Bei der Elbphilharmonie ist es uns ja auch gelungen. Und... Und um einer Befürchtung entgegenzutreten: Ein Opernneubau auf dem Baakenhöft steht den Bemühungen um die Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes nicht entgegen und schließt auch einen Erinnerungsort am Baakenhafen nicht aus. Lassen Sie mich abschließend feststellen: Wir werden in den kommenden Wochen in den Fachausschüssen wie im Haushaltsausschuss Gelegenheit haben, uns sehr eingehend mit dem Thema zu befassen. Und ich habe die Hoffnung, dass es über den Prozess gelingen wird, die eine oder andere verkantete Diskussion neu aufzunehmen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
