Rosa Domm
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ungewöhnlich, aber ich beginne heute mal mit einem Bericht aus dem Urlaub. In diesem Sommer durfte ich unsere Nachbarn in der Schweiz besuchen. Genauer gesagt war ich in Kandersteg, ein malerisches Dorf unterhalb des Oeschinensees. Das Schweizer Dorf Kandersteg droht derzeit unter Felssturz verschüttet zu werden. Vielen Schweizern droht damit, ihr Zuhause und ihre Dorfgemeinschaft zu verlieren. Wie es diesen Mai schon passiert ist im Dorf Platten in Wallis in der Schweiz, dessen Bilder Ihnen sicherlich noch im Kopf sind. Wir sehen, wie der Alpenraum immer instabiler wird durch den tauenden Permafrost, der die Alpen über Jahrtausende zusammengehalten hat. Der Alpenraum zeigt sehr beeindruckend, aber auch sehr drastisch und existenziell, welche unwiderruflichen Folgen die Klimaerwärmung haben kann. Hier zeigt sich, dass die Natur keine Rücksicht nimmt und die Natur am Ende auch immer gewinnen wird. Wir haben nur noch begrenzte Möglichkeiten, uns auf die Klimaveränderungen einzustellen. In Hamburg glücklicherweise nicht so existenziell wie in Kandersteg. Hier sind für uns die zentralen Aufgaben der Schutz vor Extremwettern und die Anpassungen an Hitzeperioden. Und auch da dürfen wir die Augen vor der Realität nicht verschließen. Es ist gut und richtig, dass wir so schnell wie möglich klimaneutral werden und alle CO2-Emissionen auf null bringen. Aber neben der Senkung der Emissionen müssen wir auch auf die Klimaanpassung schauen. Und deswegen ist die Klimaanpassungsstrategie der Stadt, der BUKEA, der Behörden, ein wichtiger Schritt, um die Anpassungen an Extremwetter und den Schutz der Bevölkerung zu verbessern. Die... Die Strategie bündelt zahlreiche Maßnahmen, die ineinandergreifen und ich gar nicht alle einzeln aufzählen kann. Aber einige möchte ich hier noch einmal herausgreifen. Denn in einigen Bereichen hat die Stadt schon richtig gute Fortschritte gemacht. Unter anderem, dass wir 10 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz gestellt haben. Denn hier sehen wir, dass die Natur eine ganz zentrale Rolle bei Versickerung von Regen und Abkühlung bei Hitze spielt. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Hitzeaktionsplan. Er bündelt Empfehlungen sowie kurze und langfristige Maßnahmen zum Hitzeschutz, darunter Hitzewarnungen, Hitzeinformationsservice, die "Kühle-Orte Karte", die Ihnen sicherlich bekannt ist, und der Hitzeschutz in Innenräumen. Ein weiterer Punkt, und der wird ganz häufig sehr plastisch, ist die blau-grüne Infrastruktur. Wer einmal über die Louise-Schroeder-Straße gefahren oder gegangen ist, der sieht, dass über 3.000 Quadratmeter entsiegelte Fläche und über 70 neue Straßenbäume entstanden sind. Das sind richtig tolle Projekte, die wir auch mit der ReStra verbindlich in die Straßenplanung integriert haben. Mit dem Klimaschutzgesetz haben wir auch bereits in der letzten Legislatur die Solargründächer vorangebracht und eine Pflicht ab 2027 auf neuen und sanierten Flachdächern implementiert und – zuvor noch gestellt – ein neues großes oder ein damals neues großes Förderprogramm auf den Weg gebracht, um Hausbesitzer:innen an dieser Stelle zu unterstützen. Aber es gibt auch Punkte, die sind noch viel größer, wie beispielsweise der Deichbau und der effektive Hochwasserschutz, denn ohne die Hauptdeichlinie würden weite Teile der Stadt regelmäßig überflutet werden und mit dem steigenden Meeresspiegel, der mit dem Klimawandel einhergeht, würden auch mehr Sturmfluten und Hochwasserstände sich häufen. Deswegen überprüfen wir beziehungsweise die Stadt die Qualität der Deiche mit unserem Erhaltungsmanagement und erhöhen die Anlagen weiter und weiter. Hier zeigt sich ganz klar, was teurer ist als Klimaschutz, nämlich kein Klimaschutz. Dazu gehört die Klimaanpassung mit den Klimadeichen, der Schwammstadt, den Grünanlagen, der Begrünung von Städten, Plätzen und Starkregenauffangbecken. Unser Ziel mit dem Klimaschutz und der Klimaanpassung ist, dass Hamburg so lebenswert bleibt, wie es ist und dass wir Vorsorge und Sicherheitspolitik an dieser Stelle betreiben.
