Dr. Sabine Ritter
Sehr geehrtes Präsidium und liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir begrüßen es ganz ausdrücklich, dass das Thema Azubi-Wohnen auf die Tagesordnung kommt. Aber dieser Antrag geht, meine ich, nicht mal als Symbolpolitik durch. Deswegen werden wir uns, so dringend wir Azubi-Wohnheimplätze brauchen, enthalten. Wir reden schließlich über eine Stadt, in der ein WG-Zimmer mittlerweile 600, 700 Euro kostet. Hamburg ist für viele junge Menschen unbezahlbar. Wer keine reichen Eltern hat und nur eine geringe Ausbildungsvergütung, der steht oft am Monatsende vor der Wahl: Miete oder Mittagessen. Oder man verzichtet gleich ganz auf die Ausbildung in Hamburg. Das ist nicht nur sozial ungerecht, sondern führt auch dazu, dass in dieser Stadt dringend benötigte Nachwuchskräfte fehlen und sich der Fachkräftemangel weiter verschärft. Und was ist die Antwort dieses Antrags darauf? Prüfaufträge, Potenzialanalysen, vielleicht irgendwann ein Onboarding-Haus. Lieber Senat, ihr seid dafür gewählt, zu handeln und nicht zu prüfen, zu prüfen und wieder zu prüfen. Die angekündigten 3.000 Wohnplätze für Azubis bis 2030 klingen ganz nett. Angesichts der Bedarfe sind sie jedoch allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Und nach Jahren des Versagens im sozialen Wohnungsbau müssen wir leider auch bezweifeln, dass selbst diese Zahl erreicht wird. Wir brauchen eine Politik, die den Wohnraum nicht dem Markt überlässt, sondern öffentlich, sozial und gemeinwohlorientiert schafft. Solange sich der Senat jedoch hinter Prüfaufträgen versteckt, werden die Auszubildenden weiter in die Röhre schauen. Vielen Dank.
