Philine Sturzenbecher
Sehr geehrter Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Frieden und Sicherheit sind keine Selbstverständlichkeit, schrieb Professor Doktor Ursula Schröder in ihrem Vorwort der Jubiläumsbroschüre anlässlich des 50. Geburtstages des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Dieser Satz gilt heute vermutlich mehr denn je. Er erinnert uns daran, dass Frieden aktiv gestaltet werden muss, politisch, gesellschaftlich und auch durch Wissenschaft. Und genau hier setzt das IFSH an. Das IFSH wurde 1971 gegründet mit der Idee, Konflikte zu versachlichen, zu humanisieren und mit möglichst wenig Gewalt auszutragen. Diese Haltung ist bis heute die DNA des Instituts. Heute ist das IFSH eine der renommiertesten Einrichtungen der zivilen Sicherheitsforschung. Es verbindet Grundlagenforschung mit praxisnahen Empfehlungen und berät Institutionen wie das Auswärtige Amt und internationale Organisationen. Und gleichzeitig sucht es den direkten Austausch mit den Bürger:innen dieser Stadt. Und es stellt diese Forschung auch immer in den Dienst von Politik und Gesellschaft. Was das IFSH besonders macht, ist der interdisziplinäre Ansatz: Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften arbeiten hier Hand in Hand. Frieden und Sicherheit werden nicht isoliert, sondern zusammen gedacht. Unter der Leitung von Ursula Schröder hat das IFSH das Profil noch einmal geschärft. Mit einem klaren Fokus auf internationale Vernetzung, Resilienzforschung und den Transfer in Politik und Gesellschaft. Diese Verbindung macht das Institut zu einem unverzichtbaren Partner weit über Hamburg hinaus. Und das IFSH forscht nicht im Elfenbeinturm. Ein Beispiel hierfür ist der horizontale Forschungsfokus "doing peace!". Forscherinnen und Forscher untersuchen mit Bürgerinnen und Bürgern, was Sicherheit im Alltag bedeutet, wie Konflikte entstehen und wie konstruktive Konfliktbearbeitung gelingt. Ziel ist es, Frieden nicht von oben abstrakt zu diskutieren, sondern im Dialog zu gestalten in Schulen, Vereinen, Museen und Stadtteilen. Ein gutes Beispiel dazu ist das Forschungsprojekt "Multiple Krisen verstehen und bewältigen", bei dem Bürger:innen aus Wilhelmsburg und den Elbvororten genau diesen Fragen in Werkstätten auf den Grund gegangen sind und ihre Wissensbestände mit den Forscher:innen ausgetauscht haben. Das zeigt, wie Wissenschaft nah an und mit den Menschen unserer Stadt wirken kann. Diese Stärken machen das IFSH zu einem idealen Kandidaten für die Leibniz-Gemeinschaft. Der Beitritt wäre ein Qualitätssiegel, verbunden mit stabiler Finanzierung und internationaler Sichtbarkeit. Hamburg hat bereits drei Leibniz-Institute: das GIGA, das Hans-Bredow-Institut und die ZBW. Mit dem IFSH würden wir das Profil sinnvoll und um ein entscheidendes Thema erweitern: der Friedens- und Sicherheitsforschung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Hamburg investiert seit Jahren viel in den Technologietransfer. Wir haben leistungsfähige Strukturen aufgebaut, um naturwissenschaftliche und technologische Forschung in die Anwendung zu bringen, von der Grundlagenforschung bis in die Wirtschaft. Doch bei sozialwissenschaftlicher Forschung ist der direkte Output oft schwerer zu greifen. Das IFSH zeigt jedoch, dass genau hier ein Mehrwert entsteht. Es übersetzt komplexe Fragen von Krieg, Frieden und Sicherheit in greifbare Analysen, berät Politik und internationale Organisationen und geht gleichzeitig in den Dialog mit den Bürger:innen in unserer Stadt. Damit reiht sich das IFSH in Hamburgs Forschungslandschaft ein, aber mit einem unverwechselbaren Profil. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Friedens- und Konfliktforschung ist in Deutschland zwar etabliert, aber die Sicherheitsforschung mit strategischem geopolitischen und interdisziplinären Ansatz bleibt eine Lücke. Hier sind andere Länder mit ihren Thinktanks und großen Instituten bereits weiter. So hat der Wissenschaftsrat jüngst betont, dass unser Wissenschaftssystem besser auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen vorbereitet werden muss. Diese Lücke schließt das IFSH und sichert Deutschlands Anschlussfähigkeit im internationalen Diskurs. Damit die Bewerbung um die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft 2026 erfolgreich sein kann, braucht das Institut jetzt gezielte Unterstützung. Mit zusätzlichen Mitteln kann es Strukturen, Personal und Forschungsprogramme so ausbauen, dass es den hohen Anforderungen der Leibniz-Gemeinschaft gerecht wird. Hamburg ist und bleibt ein Spitzenstandort exzellenter Wissenschaft. Mit dem IFSH haben wir ein Institut, das wissenschaftlich Herausragendes leistet und dessen Arbeit unmittelbare Bedeutung für Politik, Gesellschaft und internationale Sicherheit hat. Unsere Unterstützung ist deshalb mehr als Wissenschaftspolitik. Es ist ein Beitrag zu aktiver Friedenspolitik, die Orientierung gibt und Brücken baut sowie Lösungen aufzeigt. Ich bitte daher um Ihre Zustimmung. Vielen Dank.
