Mechthild Weber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, in den vergangenen Jahren hat sich Hamburg entschlossen auf den Weg gemacht, eine altersfreundliche Stadt zu werden. Mit dem Aktionsplan Age-friendly City und seinen 105 Maßnahmen verbessern wir Schritt für Schritt die Lebensbedingungen älterer Menschen. Wir stellen Bänke und Wasserspender auf, entwickeln eine Fußverkehrsstrategie, errichten mehr öffentliche Toiletten und fördern altersgerechte Wohnungen. In Hamburg gibt es 79 Seniorentreffs, dazu viele, viele Gruppenangebote. Diese Strukturen bieten älteren Menschen verschiedenste Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, und sie beugen der Einsamkeit vor, und das überwiegend ehrenamtlich organisiert. Doch, das ist klar: Das nützt nur, wenn die Wege dorthin machbar sind. Was nützt die schönste Parkbank, wenn ich sie nicht erreichen kann? Was nützt ein vielfältiges Kulturangebot, wenn der Weg dorthin eine unüberwindbare Hürde ist? Wie will ich einkaufen gehen, wenn ich den Weg zum Supermarkt nicht mehr schaffe? Mobilität ist der Schlüssel, um am Leben teilnehmen zu können. Ohne sie bleiben soziale Kontakte unerreichbar, kulturelle Angebote verschlossen und die Selbstständigkeit eingeschränkt. Darum befürworten wir das Seniorenticket ausdrücklich. Aber klar ist auch, es braucht ein tragfähiges Finanzierungskonzept. Und daran arbeiten wir. Wir sehen ja, die durchschnittliche Altersrente zum Beispiel für Frauen liegt in Hamburg bei rund 900 Euro im Monat und oft sogar darunter. Viele ältere Hamburgerinnen, die ihr Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben, müssen heute jeden Euro dreimal umdrehen. Für sie ist das Deutschlandticket zum regulären Preis schlicht nicht bezahlbar. Da sind wir uns alle einig. Aber Mobilität darf doch kein Luxus sein. Sie ist Teil der Daseinsvorsorge, und sie ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wir alle wissen, die Umsetzung hängt auch von den Weichenstellungen ab in Berlin. Lieber Herr Thering, lieber Herr Heißner, es wäre wünschenswert, wenn sich die Berliner CDU in Land und Bund klar und deutlich zum Deutschlandticket positioniert. Dann fiele es auch Hamburg leichter, seinen Anteil zu übernehmen. Im nächsten Schritt könnten wir das Ticket gezielt für Senior:innen subventionieren und die Abläufe so gestalten, dass dieses Angebot für alle Seniorinnen und Senioren einfach, unbürokratisch und verlässlich nutzbar ist. Ein Seniorenticket ist weit mehr als ein Fahrschein. Es ist ein Bekenntnis zu Teilhabe, zu mehr Selbstbestimmung im Alter und ein wichtiger Schritt zu einer altersfreundlichen Stadt. Vielen Dank.
