Tom Hinzmann
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Hamburger Bildungssystem hat in den vergangenen 20 Jahren eine Reihe tiefgreifender Transformationen erlebt. Mit der Einführung der selbstverwalteten Schule wurde der erste Schritt unternommen, um der fehlenden Flexibilität des alten Systems zu begegnen. Stadtteilschulen wurden eingeführt, entwickelt und gestärkt mit zusätzlichem Personal, Ressourcen und pädagogischer Freiheit, um den Herausforderungen von Integration und Inklusion gerecht zu werden. Und auch die Digitalisierung wurde eingeleitet, ein Prozess, der bis heute aktueller denn je ist. In kurzer Zeit veränderte sich unsere Schulen, unser Unterricht und damit auch der Bildungsalltag unserer Kinder. Doch diese Entwicklungen waren kein Endpunkt, sondern erst der Anfang. Es wurde ein Prozess eingeleitet oder wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Und wir müssen verstehen und darüber nachdenken, was verstehen wir heute unter moderner Bildung. Wie bereiten wir junge Menschen auf eine Welt vor, in der sich Wissen, Arbeit und Gesellschaft permanent verändern? Schon jetzt verändert künstliche Intelligenz den schulischen Alltag. Hausaufgaben, Präsentationen und Prüfungen können mithilfe intelligenter Tools erstellt werden. Schneller, automatisierter. Und vor allen Dingen auch unreflektierter. Das stellt nicht nur die Authentizität von Schülerleistungen, sondern auch unsere bisherigen Konzepte von Bewerbung.in den Hintergrund. Lernen ist heute nicht mehr nur, sich Wissen anzueignen, sondern auch zu filtern, zu reflektieren und einzuordnen. Ja, hier kommt der vorliegende Antrag ins Spiel. Denn die Idee der selbstverwaltenden Schule war nicht als Abschiebung von Verantwortung gedacht. Sie war von Beginn an gedacht als ein partnerschaftliches Modell. Ein Modell zwischen der Behörde, insbesondere der Schulaufsicht und der Schulgemeinschaft. Die Schulaufsicht unterstützt und berät die Schulen vor Ort, übt für die Behörde die Dienstrechtsfachaufsicht aus und steht im engen Austausch mit den Schulleitungen der ganzen Schulgemeinschaft. Auf Grundlage des§ des Hamburgischen Schulgesetzes 85 werden verbindliche Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Schulen getroffen. Ein Vertrag auf Augenhöhe, dessen Fortschritt regelmäßig überprüft wird. Diese Vereinbarungen greifen dabei aktuelle schulische und bildungspolitische Vorhaben auf, von neuen Bildungsplänen über sprachförderlichen Unterricht über eine digitale Didaktik. Auch die Schulinspektion liefert hier wichtige Signale. Ihre Ergebnisse ebenso wie lernschatzbezogene Kennzahlen und Prüfungsergebnisse fließen in datengestützte Qualitätsentwicklungsgespräche ein. Gespräche, in denen Zahlen zu Zukunftsplänen werden und Daten zur Grundlage von Entwicklung. Doch mit wachsenden Anträgen.Zunehmender Komplexität muss auch sich die Schulaufsicht weiterentwickeln. Sie braucht nicht nur mehr Ressourcen, sondern ein klares Konzept für die Zukunft. Wir fordern deshalb ein strukturiertes Weiterentwicklungskonzept für die Schulaufsicht, in der Qualität, Bedarfsorientierung und auch Praxisnähe in den Mittelpunkt rücken. Ein professionelles Onboarding für neue Schulaussichten, die oft ins kalte Wasser springen. Stattdessen braucht sie eine strukturierte Einarbeitung, Fortbildung und Begleitung. Und viel wichtiger, eine stärkere länderübergreifende Vernetzung. Denn Bildungsherausforderungen machen nicht an Landesgrenzen Halt. Hamburg soll sich aktiv mit anderen Bundesländern austauschen, Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam vorangehen. Wir wollen gute Beispiele nicht nur hören, sondern übertragen in unsere Realität, unsere Strukturen und unsere Praxis. Zudem gilt, wenn auf Bundesebene neue Rahmenbedingungen zu den Rollenklarheiten für die Schulaufsicht entstehen, sollte Hamburg nicht zögern, sondern handeln. Wir wollen bundesweite Entwicklungen nicht nur registrieren, sondern sie konkret umsetzen.Unser Ziel ist es, eine Schulaufsicht zu schaffen, die verlässlich, modern und zukunftsgerichtet ist. Eine Schulaufsicht, die nicht nur über Schulen wacht, sondern sie stärkt. Nicht verwaltet, sondern gestaltet. Unser Ziel ist klar. Wir denken Bildung nicht im Kleinen, sondern im Großen. Was sich auch im Erfolg in den regelmäßigen Bildungsvergleichen feststellen lässt. Wer Schule verändern will, braucht Mut. Wer Zukunft gestalten will, braucht Visionen. Und beides bringen wir heute mit. Danke.
