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Christin Christ

CDU 3:34 min Sitzungen 23/7

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und Ihr Körper fühlt sich an, als hätten Sie eine schwere Grippe. Jeden Tag, jede Stunde, jede Bewegung kostet Kraft. Ein Gespräch, ein Lichtstrahl, ein Geräusch, alles wird zur Belastung. Und das nicht nur für ein paar Tage, sondern für Monate, Jahre, vielleicht sogar für immer. So leben Menschen mit ME-CFS und Post-Covid auch hier in Hamburg, auch in ihrer Nachbarschaft. Diese Erkrankungen sind unsichtbar, aber sie sind real. Sie rauben Menschen ihre Energie, ihre Selbstständigkeit, ihre Zukunft. Kinder können mitunter nicht mehr zur Schule gehen. Erwachsene verlieren ihre Arbeit, ihre Selbstständigkeit, ihre sozialen Kontakte, ihre Lebensfreude. Und das Schlimmste? Viele von ihnen werden nicht ernst genommen. Sie kämpfen nicht nur gegen ihren eigenen Körper, sondern gegen ein Gesundheitssystem, das sie im Stich lässt. ME-CFS ist keine neue Krankheit. Die WHO erkennt sie seit 1969 als neurologische Erkrankung an. Doch erst durch die Pandemie ist sie in den Fokus gerückt. Die Zahl der Betroffenen hat sich seit Covid-19 sogar verdoppelt. In Hamburg wurden seit 2008bei 42.000 Menschen MECFS und seit 2021 bei 65.000 Post-Covid neu diagnostiziert. Und trotzdem gibt es hier in einer der reichsten Städte Deutschlands keine spezialisierte Ambulanz, keine zentrale Anlaufstelle, keine Hoffnung auf Hilfe. Das ist nicht nur ein medizinisches Versäumnis, das ist auch menschliches Versagen. Andere Bundesländer haben da bereits gehandelt. Berlin, Niedersachsen, Schleswig-Holstein. Sie haben Ambulanzen eingerichtet, Forschung gefördert, Aufklärung betrieben. Und Hamburg? Hamburg schweigt weiter. Und während wir hier schweigen, leiden Menschen. Und das, meine Damen und Herren, das dürfen wir doch nicht zulassen.Daher fordern wir mit unserem Antrag ein Kompetenzzentrum für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Wir fordern Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte, für Versorgungsämter, für Schulen. Wir fordern Forschung, Aufklärung und Anerkennung. Und vor allem, wir fordern Menschlichkeit. Denn hinter jeder Zahl steht ein Schicksal. Eine Mutter, die ihr Kind nicht mehr tragen kann. Ein Jugendlicher, der sein Abitur aufgeben muss. Ein Vater, der nicht mehr weiß, wie er seine Familie ernähren soll. Und diese Menschen, meine Damen und Herren, diese Menschen brauchen uns, und zwar jetzt.Lassen Sie uns daher gemeinsam dafür sorgen, dass Hamburg nicht länger zurückbleibt, dass wir nicht länger wegsehen, dass wir sagen, ja, wir haben verstanden und ja, wir werden handeln für eine Hamburger Gesundheitsversorgung, die niemanden vergisst. Herzlichen Dank.

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