Linus Görg
Vielen Dank, Herr Präsident. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn ein Krankenhaus an einem Standort schließt, ist das ein einschneidender und verständlicherweise auch emotional sehr bewegender Vorgang. Für die Mitarbeitenden, für die Patientinnen und Patienten und natürlich auch für all die Menschen im Stadtteil, die auf eine wohnortnahe medizinische Versorgung angewiesen sind. Denn es werden ja in Kern existenzielle Fragen aufgeworfen. Fragen nach Sicherheit, nach real existierender Sicherheit, aber natürlich auch nach gefühlter Sicherheit. Umso wichtiger ist es, dass wir die Hintergründe hier sachlich und faktenorientiert beleuchten und den Blick auf eine tragfähige und zukunftsfähige Lösung richten. Die schrittweise Schließung des Krankenhauses Groß Sand ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über Jahre abgezeichnet hat. Es gab trotz bereitgestellter und zurückgehaltener Mittel der Stadt einen massiven Investitionsstau, eine zu geringe Auslastung und, was besonders schwer wiegt, kein tragfähiges Konzept seitens des Erzbistums, das bisher Träger dieser Einrichtung gewesen ist. Und damit, Frau Christa, wollte ich auch noch einmal auf Ihre Äußerung hier eingehen. Denn es ist ja dadurch auch sehr gut aufgezeigt, was der Senat und was Rot-Grün in den letzten Jahren getan hat. Die Hand ist immer ausschreckend gewesen. Wir haben diese Investitionsgelder über Jahre, die für Grossant vorgesehen war, zurückgehalten, bereit gehalten für den bestehenden Träger, für einen möglicherweise zukünftigen Träger.der mit einem schlüssigen Konzept kommt. Und genau das ist über die Jahre nicht geschehen. Von daher finde ich es ein bisschen schwierig, hier irgendwie die Schuld an der Stelle beim Senat zu suchen. Aber auch jenseits dieser Entscheidung, vor die wir gestellt sind, hätte man sich sicherlich mit Blick auf die anstehende Krankenhausreform Gedanken über eine konzeptionelle Umgestaltung des Standortes gemacht. Ein nahtloser Übergang in ein neues Konzept wäre wünschenswert gewesen, aber mit dem bisherigen Träger war eine solche Lösung leider nicht umsetzbar. Die Folge ist nun leider eine Übergangsphase, besonders spürbar für die Menschen auf der Elbinsel. Das ist eine schwierige Situation und ich verstehe Ärger und Sorgen der Willimsburgerinnen und Willimsburger zu gut. Umso wichtiger ist es, dass jetzt das neue Konzept gut durchdacht ist, lokal verankert und eben langfristig tragfähig. Die Bedarfe haben wir ja selber auch mit einer schriftlichen kleinen Anfrage nochmal abgefragt und nachvollziehbar gemacht. Und trotzdem gibt es Befürchtungen, es wurde ja sogar eine Petition gestartet, die den Erhalt des Krankenhauses fordert, insbesondere mit dem Hinweis auf die Notfallversorgung. Und diesen Punkt, gerade diesen Punkt, nehmen wir sehr ernst. Auch wir sagen ganz klar, eine funktionäre Notfallversorgung auf der Elbinsel muss gewährleistet bleiben.Dies wird allerdings bereits jetzt und insbesondere eben bei komplexen Fällen, meine Kollegin hat das gesagt, auch schon durch die umliegenden Kliniken, die eine höhere Stufe der Notfallversorgung haben, beispielsweise für Herzinfarkte, für Schlaganfälle, abgedeckt. Und wenn wir uns jetzt einmal angucken, wie die Notaufnahme in Groß Sand in Anspruch genommen worden ist, dann sehen wir ja, dass viele Menschen diese Notaufnahme aufgesucht haben, dass es dort einen Anspruch, einen Bedarf gibt. Aber die Menschen, die dort hingegangen sind, sind überwiegend quasi als Selbstanweiser zu Fuß oder eben in Selbstanreise dort vorstellig geworden. Und nur ein kleiner Bruchteil der Menschen wurde dann tatsächlich auch stationär aufgenommen. Das zeigt uns, dass ein Modell einer Stadtteilklinik, die ja auch diesen sektorübergreifenden Gedanken betont, der ja vor allem auch eine ambulante Versorgung sicherstellen war, genau eine richtige Antwort ist auf die Fragen, die sich für die Behandlungsbedarfe der Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger stellen. Wir setzen uns daher eben für dieses Konzept einer Stadtteilklinik ein, mit einer umfassenden Notfallsprechstunde. Und wenn dieses Konzept gut geplant ist, die Akteure vor Ort einbezieht und langfristig abgesichert ist, dann kann es den medizinischen Bedarfen der Willensburgerinnen und Willensburger tatsächlich gerecht werden. Vielleicht anders, als es bisher der Fall ist, aber nicht schlechter.Genau das fordern wir mit unserem vorliegenden Antrag. Eine moderne, bedarfsgerechte medizinische Versorgung, die den Gesundheitsstandort Wilhelmsburg erhält und weiterentwickelt im Sinne der Menschen vor Ort. Und damit möchte ich noch ganz kurz auf die uns jetzt vorliegenden Zusatzanträge eingehen. Den Zusatzantrag der Linken, da ist die Sprache von Beteiligung, die wollen wir mit unserem Antrag ja auch sicherstellen, von Übernahmeangeboten, die jetzt auf einmal seitens der Stadt ausgesprochen werden müssen, was ehrlicherweise ja den bisherigen Betreiber so ein bisschen aus seiner Pflicht herauslädt, aber auch ausblendet, dass diese Angebote ja auch bereits ausgesprochen werden, beispielsweise durch das Marienkrankenhaus oder auch andere Krankenhausträger. Und der Zusatzantrag der CDU, ehrlicherweise, greift auch ein wenig kurz. Wirtschaftlichkeit ist bereits jetzt Grundvoraussetzung für eine Aufnahme in den Krankenhausplan. Und auch Qualifizierungswährung wird mitgedacht. Wir sind trotzdem bereit, auch mit Ihnen natürlich in den Dialog zu gehen, genauso wie wir es auch in den kommenden Monaten mit den Menschen in Wilhelmsburg tun werden. Vielen Dank.
