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Marco Hosemann

DIE LINKE 4:11 min Sitzungen 23/6

Sehr geehrter Herr Genosse Präsident, liebe Hamburgerinnen und Hamburger, liebe Abgeordnete und Senatorinnen der demokratischen Fraktionen, Das ist mein Genosse und den kann ich doch so nennen, oder? Ja, regen Sie sich mal ab. Alles gut, ich spreche jetzt zum Thema. Sie hören auch auf zu blubbern. Die Zahlen der Gäste und Übernachtungen in unserer Stadt sind wieder auf dem Niveau von 2019 angekommen, als sie wegen Corona eingebrochen waren. Hamburg ist ein beliebtes Reiseziel in Deutschland, wurde die letzten Jahrzehnte touristisch ausgebaut und die Zahlen werden in den nächsten Jahren weiter steigen. Die angeblich sichtbaren Schwächen der Tourismusbranche Wie sie von der CDU in den Antrag geschrieben wurden, sehen wir nicht. Sie beklagen, dass der Anteil internationaler Gäste unterdurchschnittlich ist und deutlich hinter den vergleichbaren europäischen Städten wie Kopenhagen liegt. Ich finde nicht, dass Kopenhagen und Hamburg vergleichbar sind. Kopenhagen ist die Hauptstadt von Dänemark und allein schon deshalb attraktiver als Reiseziel für internationale Gäste. Zudem ist Kopenhagen auch ohne Werbung bekannt für Hügel, seine herausragenden historische und moderne Architektur, dänisches Design, fahrradfreundliche Infrastruktur, liebe Grünen, Christiania und Hot Dogs. Da kann Hamburg nicht mithalten und das können auch nicht mehr Events, Werbung oder Interkontinentalflüge.was für ein Wort ändern. Und das ist auch nicht schlimm. Man muss nicht immer besser sein oder mehr haben als andere. Der Tourismus in Hamburg muss nachhaltig entwickelt werden und statt nur auf die Wertschöpfung zu schielen, auch die Interessen der Bevölkerung und Auswirkungen von immer mehr Gästen in unserer Stadt in den Blick genommen werden. Deshalb hatten wir im letzten Jahr als Linksfraktion ja auch hier beantragt, eine Akzeptanzstudie zum Tourismus durchzuführen, was sie leider abgelehnt haben. Denn so können, oder immer mehr und zu viele Touristen können auch negative Folgen haben, die wir zeitweise in einigen Stadtteilen bereits beobachten können. Besonders in den Stadtteilen St. Pauli und in der Schanze tritt der Barcelona-Effekt zunehmend zutage. Durch Tourist-Go-Home-Graffitis an Wänden und verbalen Äußerungen gegenüber vermeintlichen Touristen, das habe ich auch schon selbst als Stadtführer öfter erlebt. Es ist natürlich nicht so schlimm wie in Barcelona, die Stadt, nach der dieses Phänomen benannt wurde. Auslöser für den Übertourismus dort waren übrigens Olympia, was Ihnen auch für die Bewerbung unserer Stadt für die Spiele zu denken geben sollte. Denn auch ohne Olympia sind die Hamburgerinnen bereits zunehmend genervt von verstopften U-Bahnen während Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag oder dem Schlagermove und Touristenmassen in ihren Wohnvierteln. Auch ohne Olympia.sind die Mieten in den bei Touristen beliebten Stadtteilen bereits gestiegen und immer mehr Wohnraum zu Ferienwohnungen zweckentfremdet worden. Und wenn dann in Ihren Vierteln auch noch mit Hotels oder neuen Attraktionen wie den Feldbunker, Herr Platzbecker, zugepflastert werden, statt mal für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, trägt das nicht zur Akzeptanz des Tourismus bei. Lassen wir es gar nicht erst so weit kommen wie in Barcelona und anderen Städten. Amsterdam investiert auch schon lange nicht mehr gezielt in internationale Sichtbarkeit, wie die CDU es in ihrem Antrag behauptet. Im Gegenteil, Sie, so wie andere von Übertourismus betroffene Städte, versuchen Sie den Geist zurück in die Flasche zu drücken. 2021 hat Amsterdam eine Obergrenze für Touristen beschlossen und bewirbt Windmühlen und andere Sehenswürdigkeiten im Umland, um die Innenstadt zu entlasten. Lassen wir uns aus diesen Fehlern lernen und den Tourismus nachhaltig und verträglich entwickeln. Wir lehnen Ihren Antrag ab, aber stimmen einer Überweisung in den Ausschuss zu, um weiter dieses Thema zu diskutieren. Vielen Dank.

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