Martin Wolter
Liebe Hamburgerinnen und Hamburger, am vergangenen Wochenende haben wir erfahren, Hamburg bewirbt sich für die Ausrichtung der Olympischen Spiele und völlig unabhängig davon bekommt der HSV ein neues Stadion. Die Fans des HSV haben nun im Mai 2026 die Wahl. Stimmen Sie für Olympia und überlassen Sie dem Vertragspartner, dem Internationalen Olympischen Komitee, kurz IOC, die Gestaltung ihres neuen Zuhauses, dem neuen Olympiastadion dann. Oder stimmen die Fans des HSV gegen die Olympischen Spiele und erhalten somit das Recht auf Mitbestimmung bei Bau ihres neuen Volksparkstadions.Die Linke befürwortet eine starke, engagierte Fankultur und unterstützt natürlich die Fans und Mitglieder des HSV bei der Wahrnehmung ihrer Mitbestimmungsrechte beim Stadionneubau. Auch damit sie nicht so frustriert sind in 15 Jahren wie in London. Die Fußballfans von West Ham United mit ihrem aus Fernsicht katastrophalen Olympiastadion. Fragen Sie da mal nach. Das IOC hingegen hat eigene, rein profitorientierte Vorstellungen, wie olympische Spiele abzulaufen haben und damit auch, wie ein Olympiastadion aussehen soll. Sie haben die Interessen der Ausrichterstädte in der Vergangenheit nie interessiert und das wird auch so bleiben. Und das Melantor-Stadion als Ausrichtungsort. Circa 400 Sportlerinnen, Sportler und Fans haben parallel zur Vorstellung des Konzepts am Samstag, am vergangenen Samstag, neben dem Bunker auf St. Pauli ein Zeichen gegen Olympia gesetzt. Sie unterbrachen im Melantor ihr Fußballturnier und formierten sich auf dem Heiligen Geistfeld zum Schriftzug No Olympia.Oben im Bunker wurden sprachliche Nebelkerzen geworfen wie Nachhaltigkeit, das Wohl der Kinder, olympischer Friede oder Inklusion, während die Milliardenkosten nicht transparent dargestellt wurden. Unten auf dem Feld setzten die Sportbegeisterten ein deutliches Ausrufezeichen gegen Olympia mit realer Pyrotechnik. Und im November 2015 stimmten die Hamburgerinnen und Hamburger bereits gegen die Auskragung der Olympischen Spiele in ihrer Stadt. Und seitdem haben sich doch die Voraussetzungen nicht geändert. Wenn vom ganzen Planeten Athletinnen und Athleten Gäste an einen einzigen Austragungsort reisen, kann eine Veranstaltung in der Dimension doch gar nicht nachhaltig sein. Wenn Sie sich bewerben 2040, 2044, dachte die Stadt Hamburg, soll spätestens 2040 klimaneutral sein. Das werden Sie so nicht schaffen. Und Innen-Senator Grote sagte bei der Vorstellung des Konzepts, wir tun das für unsere Kinder im Rahmen der Präsentation. Wenn Sie wirklich was für die Kinder tun wollen, dann sorgen Sie für gute Kita-Grundbetreuung, für eine starke Kinder- und Jugendhilfe. Sorgen Sie für Bildungsgerechtigkeit und dafür, dass kein Kind in Armut aufwachsen muss in Hamburg.Und das nicht erst im Jahr 2040, sondern damit können Sie sofort anfangen. Weiterhin war bei der Präsentation zu lesen, Olympia als größte Friedensbewegung der Welt wird in Hamburg real erlebbar. Wenn Sie wirklich was für Frieden tun wollen, dann sorgen Sie für Abrüstung. Oder fangen Sie an, hier in Hamburg verbieten Sie Bundesverwerbung bei öffentlichen Sportveranstaltungen. Wie vor elf Tagen beim Fußball-Pokalfinale der Herren an der Hohe Luft beispielsweise. Das Prinzip des olympischen Friedens wurde in der Vergangenheit immer wieder ignoriert. Und die Olympischen Spiele sind stets die Bühne für nationale und nationalistische Selbstdarstellung. Und diese bewirkt das Gegenteil von Frieden.Dann wird im Konzept noch mehr Inklusion versprochen. Was wir jedoch erleben werden, ist Verdrängung und Exklusion. Repräsentativ dafür schauen wir ein Jahr zurück nach Paris. Die Kontrollen von Polizei und Behörden geben so zu wie Zwangsräumung und Vertreibung. Letztendlich versprachen Sie, Herr Senator Gote, im Rahmen der Präsentation am vergangenen Samstag, der Jugend der Welt, sie könne nach Hamburg kommen und hier ein Studium beginnen. Ich habe es mal nachgerechnet, das müssten im Jahr 2040 so eine Milliarde Menschen sein, die sie eingeladen haben. Und wenn nur ein Bruchteil dieser Menschen ihrer Einladung folgt, dann klingt das wirklich sportlich, so viele Millionen Visa auszustellen und so viele Millionen Studienplätze bereitzuhalten.Es klingt sportlich, ist aber illusorisch. Und dieses Versprechen steht damit stellvertretend für das gesamte vorliegende Konzept. Es klingt sportlich, ist aber illusorisch.
