Sina Imhof
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen, als der HSV kürzlich den Aufstieg in die Bundesliga feiert, versammeln sich 80.000 Menschen in der Stadt. Mitten an einem Montag, eine ganze Stadt im Aufstiegsfieber. Auch bei anderen sportlichen Großveranstaltungen, zum Beispiel dem Haspa-Marathon, dem zweitgrößten in Deutschland, Ende April nahmen dieses Jahr 38.000 Menschen teil. Man merkt, wie die Menschen in dieser Stadt für den Sport begeistert sind und dafür brennen. Und bei dem Marathon betraf es auch die Kleinsten. Der Zehntel der Kinder- und Jugendlauf, der vorher stattfindet, 12.000 Startplätze innerhalb von 71 Minuten vergeben und das Interesse war sehr, sehr viel größer.Ich bin mir sicher, jede und jeder kennt hier jemanden, der mitgelaufen, mitgejubelt oder mitgefeiert hat. Denn Hamburg ist eine Sportstadt. Ob Fußball, Basketball, Tennis, Schwimmen, Radfahren, Sport begeistert, Sport verbindet, Sport stiftet Gemeinschaft über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Über 580.000 Menschen sind in den 855 Vereinen des Hamburger Sportbundes organisiert. Der HSV zählt mehr als 110.000 Mitglieder. Einmal klatschen bitte. Und der FC St. Pauli ca. 50.000.Okay, ich sehe, wir haben hier eine ganz klare Aufteilung. Also Sport ist in Hamburg keine Nebensache, sondern Teil unserer Stadtidentität. Dass olympische und paralympische Spiele zu unserer sportbegeisterten Stadt passen könnten, lässt sich also nicht von der Hand weisen. Olympia ist ein Sportereignis, das neben dem Leistungssport auch ein Booster für den Breiten- und Vereinssport sein kann. Die Paralympischen Spiele fördern Akzeptanz und Inklusion. In Paris waren zwei Millionen Menschen bei den Paralympischen Spielen mit dabei. Aber Olympia kann viel mehr für den Auftragungsort bewirken. Es kann Motor für die Entwicklung der städtischen Infrastruktur sein. Das betrifft die Stadtentwicklung insgesamt und im Besonderen den Verkehr. München hatte die Spiele eine U-Bahn bekommen. Paris nutzte die Spiele 2024, um den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten, neue Radwege zu schaffen und die Vororte besser anzubinden. Durch olympische und paralympische Spiele können Chancen entstehen. Und diese Chancen wollen wir für unsere Stadt ausloten.Ja, beim Thema IOC und Impliarde haben manche von uns sofort auch unschöne Themen im Kopf. Ich auch. Korruption, Gigantismus, um nur zwei zu nennen. Aber das IOC hat sich auf den Weg gemacht. Mit der Agenda 2020 und 2020 plus 5 steht heute Nachhaltigkeit im Zentrum, Inklusion und der Wille, die Spiele gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten. Die Spiele passen sich dem Gastgeber an, nicht mehr der Gastgeber den Spielen, so lautet der heutige Leitspruch des IOC. Das ist eine wichtige Veränderung von zu früher und wir werden, sollten sich die HamburgerInnen für Olympia entscheiden, immer sicherstellen, dass dieser Leitspruch konkret gilt.Der Weg, Ausrichter einer Olympiade zu werden, ist ein langer. Kein Sprint, nicht mal Mittelstrecke, sondern Marathon. Aktuell prüft der Deutsche Olympische Sportbund die eingereichten Grobkonzepte von drei Städten und einer Region für eine mögliche deutsche Bewerbung. Hamburg in Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein ist eine davon. Noch geht es nur darum, ob wir grundsätzlich zu einer Ausrichtung in der Lage wären, ob wir die operativen Mindestanforderungen erfüllen, olympische und paralympische Spiele auszurichten. Diese allererste Vorentscheidung fällt im Dezember dieses Jahres, wenn der DOSB beurteilt, wer diese Voraussetzungen erfüllt. Bejaht der DOSB dies für Hamburg und Hamburg kommt in die nächste Runde, dann geht es weiter mit konkreteren Konzepten für Infrastruktur und Sportstätten. Schritt für Schritt, immer mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und das bedeutet vor allem keine kostenträchtigen Neubauten, die nach den Spielen keine Nutzung mehr haben.Diese Nachhaltigkeit zeigt sich aber auch jetzt schon bei der Hamburger Bewerbung mit dem Stichwort Olympia der kurzen Wege. Mit dem ersten Bewerbungskonzept hat der Senat bereits einen überzeugenden ersten Schritt gemacht. Planische und finanzielle Transparenz sind von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche und gute Beteiligung der Menschen in Hamburg. Denn es sind nicht wir PolitikerInnen, die im Frühsommer über Olympia in Hamburg entscheiden, sondern die Menschen in unserer Stadt. Sie haben es selbst in der Hand, darüber abzustimmen, ob Sie die Hamburger Olympia-Bewerbung wollen oder nicht. Wer aber heute und zu diesem sehr frühen Zeitpunkt schon kategorisch Nein ruft, ohne zu prüfen, ob Olympia eine Chance für unsere Stadt sein kann, vergibt all die genannten Möglichkeiten.Wir sagen, lasst uns genau hinschauen, lasst uns Chancen erkennen, lasst uns sinnvolle Wege aufzeigen für ein nachhaltiges Olympia, das allen HamburgerInnen langfristig zu Lute kommt und lasst uns dann die Menschen selbst entscheiden.
