Deniz Çelik
Ja, wir werden ja im Ausschuss noch einmal vertiefter über den Antrag debattieren, aber ich möchte trotzdem noch auf ein paar Punkte eingehen. Zum einen, das ist die zentrale Erkenntnis der Studie, die von der Arbeitnehmerkammer Bremen und Saarland und mit Partnern durchgeführt worden ist, dass es darum geht, die Arbeitsbedingungen so attraktiv zu gestalten, dass die Pflegekräfte endlich entlastet werden, dass sie sich zum Beispiel auch darauf verlassen können, dass die Dienstpläne eingehalten werden und dass es ein Ausfallmanagement gibt. Das sind ganz konkrete Maßnahmen. Ich weiß nicht, welchen Antrag mein Vorredner gelesen hat, aber hier in unserem Antrag schlagen wir ganz konkrete Maßnahmen vor. Ich finde, diese Studie hat ja sehr großen Widerhall in der Bundesrepublik bekommen. Ich finde, ein Modellprojekt muss ja auch gerade offene Fragen klären. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn man jetzt alle Antworten wüsste, warum macht man überhaupt ein Modellprojekt, dann kann man es gleich ins Regelsystem überführen. Deshalb finde ich dieses Argument nicht überzeugend.Herr Görg, ich habe nicht gesagt, dass es keine Maßnahmen geben würde. Sie haben zum Beispiel eine Maßnahme genannt, dass die Ausbildungskapazitäten erweitert werden müssen. Da sind wir auch Ihrer Meinung. Wir brauchen mehr Auszubildende in der Pflege. Aber was bringt denn das, wenn wir so nur die Berufsaussteiger von morgen produzieren? Wir müssen doch dafür sorgen, dass die Ausgebildeten auch dauerhaft bleiben. Und das geht nur mit verlässlichen und guten Arbeitsbedingungen von Anfang an. Und dafür müssen wir sorgen. Als ein Beispiel dafür Praxisanleitungen. Ich höre von so vielen Pflegekräften, dass die Praxisanleitung in der Pflege nicht funktioniert, weil es einfach nicht das Personal vorgehalten wird, damit es auch eine gute, engmaschige Betreuung der Auszubildenden gibt und dass es eine durchgehende Praxisanleitung gibt. Dafür müssen wir sorgen, weil sonst entsteht Frust bei den Auszubildenden. Dann dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass es so eine hohe Abbrecherquote gibt in der Pflegeausbildung. Da muss gegengesteuert werden.Und Frau Loss, Sie haben noch einmal von der Allianz für die Pflege gesprochen. Und Sie haben gesagt, alle relevanten Akteure wären ja da. Also ich frage mich, wo bleibt denn innerhalb der Allianz die Stimme der Beschäftigten? Wo sind die Gewerkschaften? Wo ist Verdi? Wo sind die Personalräte? Wo sind die Betriebsräte? Ich sehe nur eine Allianz, wo nur Arbeitgeber und ihre Trägeverbände sitzen. Und das führt dann dazu, dass dann auch ungare Lösungen kommen, wie zum Beispiel die Absenkung der Fachkraftquote. Hätten Sie mit den Gewerkschaften, mit der Vertretung der Beschäftigten geredet, hätten wir vielleicht eine bessere Lösung im Sinne der Beschäftigten und Patienten bekommen und nicht Absenken von Standards, die wir echt falsch finden.Und wenn man sich auch noch einmal die Homepage von der Allianz für Pflege anguckt, dann wirkt das wie ein digitales Museum. Der letzte Eintrag ist von 2022, wo zu einem Aktionstag aufgerufen wird. Das letzte Foto, das ich gefunden habe, ist von der Senatorin, Frau Senatorin Prüfer-Storcks, die hat 2009 aufgehört. Ich meine, Sie schaffen es nicht mal, Ihre Seite zu aktualisieren. Und wie soll dann eine gelebte Beteiligung zustande kommen? Das ist mir echt ein Rätsel.Deshalb möchte ich, das habe ich in meiner Rede betont, wenn wir wirklich den Pflegenotstand überwinden wollen, wenn wir wirklich dafür sorgen wollen, dass es dauerhaft gute Arbeitsbedingungen gibt, damit auch die Pflegebeschäftigten auch lebenslang diesen Beruf bis zur Rente, bis zum Ruhestand ausüben können, dann dürfen wir nicht einfach Konzepte top-down aufsetzen. Wir müssen endlich die Beschäftigten partizipieren und mit ihnen zusammen Lösungen entwickeln und nicht über ihre Köpfe hinweg. Das ist der Ansinnen unseres Antrags. Vielen Dank.
