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Deniz Çelik

DIE LINKE 5:00 min Sitzungen 23/5

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe HamburgerInnen, ich pflege wieder, weil ich mich auf meinen Dienstplan verlassen kann, weil meine Schicht mit genügend Kolleginnen besetzt ist, weil meine Vorgesetzte mich wertschätzen und weil wir im Team respektvoll miteinander umgehen. Diese Sätze können laut einer Studie zufolge bis zu 660.000 ausgestiegene Pflegekräfte in Deutschland sagen, sie würden zurückkehren, wenn die Bedingungen endlich stimmen würden. Unter dem Titel »Ich pflege wieder, wenn« haben die Arbeitnehmerkammern Bremen und Saarland gemeinsam mit dem Institut für Arbeit und Technik über 12.000 Pflegekräfte befragt. Unter welchen Bedingungen würdet ihr zurück zu dem Beruf kommen? Wann würdet ihr eure Teilzeitstelle wieder aufstocken? Die Ergebnisse sind eindeutig und sie decken sich mit dem, was wir seit Jahren aus unzähligen Gesprächen mit Pflegekräften hören. Pflege ist für viele ein Herzensberuf, aber unter derzeitigen Bedingungen schlicht für viele nicht mehr machbar. Kostendruck im Gesundheitssystem führt zum Pflegenotstand, weil er Personal einspart, Arbeitsbedingungen verschlechtert und so immer mehr Pflegekräfte aus dem Beruf drängt. Dabei ist das Fachkräftepotenzial, das in dem Rückkehrwilligen steckt, enorm. Selbst bei einer konservativen Schätzung wären das für Hamburg zwischen 2.600 und 14.500 potenzielle Pflegekräfte.und etwa die Hälfte davon kommt aus dem Bereich der stationären Langzeitpflege, die sowieso gerade sehr prekär aufgestellt ist. Die Frage lautet also nicht, ob wir Pflegekräfte gewinnen können, sondern ob wir endlich die richtigen Bedingungen schaffen, damit sie wieder in den Beruf zurückkommen. Wie es besser geht, zeigt uns Bremen. Dort wurde im vergangenen Jahr das Modellprojekt Ich pflege wieder Weil gestartet. In einer Geburtsstation werden gemeinsam mit den Beschäftigten konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, um die Arbeitsbedingungen dauerhaft, verlässlich und nachhaltig zu verbessern. Dazu gehören verbindliche Vereinbarungen zur Personalbemessung, ein funktionierendes Ausfallmanagement, regelmäßige kollegiale Beratung und ein strukturiertes Onboarding, das verhindert, dass die Rückkehr in den Beruf ein Sprung ins kalte Wasser wird. Das Projekt hat in der Geburtshilfe begonnen und jetzt ist es an der Zeit, es weiterzuentwickeln, und zwar dort, wo es am meisten gebraucht wird, in der stationären Langzeitpflege. Und deshalb beantragen wir ein Modellprojekt nach dem Bremer Vorbild hier in Hamburg. Mit dem Rückkauf von Pflege und Wohnen hat der Senat jetzt die Möglichkeit, hier in der Langzeitpflegedie Versorgung nach den Bedarfen der Beschäftigten und Pflegebedürftigen zu gestalten und nicht nach Profitkriterien. Was Bremen besonders richtig macht, die Beschäftigten gestalten mit. Sie bestimmen mit. Sie sind an der Entwicklung beteiligt. Es wird nichts über ihre Köpfe entschieden. Und genau das ist der richtige Weg, um den Pflegenotstand wirksam zu bekämpfen.Pflegekräfte brauchen keine weiteren Imagekampagnen, sie brauchen auch keine Warmworte oder Zuschüsse für den Besuch eines Fitnessstudios. Was sie brauchen, sind verlässliche, gemeinsam entwickelte Regelungen, die ihren Arbeitsalltag tatsächlich und spürbar verbessern. Und zwar genau dort, wo es für sie am meisten zählt, bei der Personalbesetzung, bei der Dienstplansicherheit, bei der kollegialen Unterstützung und beim Respekt vor ihrer fachlichen Kompetenz.Wir als Linke sagen deshalb klar, wer heute ernster Pflege stärken will, darf nicht über die Köpfe der Beschäftigten im Pflegebereich entschieden, sondern es muss wieder angefangen werden, auf sie zu hören und sie zu partizipieren. Ihr Wissen, Ihre Erfahrungen und Ihre Forderungen gehören ins Zentrum jeder Reform. Deshalb stellen wir diesen Antrag, um endlich einen ersten Schritt in Hamburg zu machen, damit das endlich hier umgesetzt wird. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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