Benjamin Mennerich
Verehrtes Präsidium, meine Damen und Herren, wir brauchen Spitzenforschung. Mit diesen Worten habe ich vor etwa einem Monat hier schon einmal eine Rede begonnen, und das stimmt auch immer noch. Gemeint ist damit aber selbstverständlich die Forschung im MINT-Bereich. Denn hier haben wir seit vielen Jahren in ganz Deutschland und auch in Hamburg immer noch das größte Defizit. Die Leistung in diesem Forschungsbetrieb ist insbesondere für unsere Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Jede Lücke, die sich dort auftut, wird für uns als Gesellschaft zu einer besonderen Belastung. Im Bereich der Geisteswissenschaften, insbesondere im Bereich der Geschichts- und Religionswissenschaften, stellt die Lage allerdings etwas anders dar. Ein solides Grundverständnis für die Geschichte und Glaubenswelt ist ein essentieller Baustein für eine funktionierende Gesellschaft. Ohne dieses Grundverständnis kommt es nur allzu oft zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung. Die Menschen werden anfällig für manipulative Indoktrinationen. Dieses Grundverständnis muss insbesondere im Schulunterricht aufgebaut werden und thematisch an wesentlichen philosophischen Grundfragen ausgerichtet sein. Wo kommen wir her? Welche Werte sollen uns leiten? Was können wir hoffen? Das Gerüst für dieses Grundverständnis wurde in unserer westlichen Gesellschaft bereits vor Jahrtausenden im antiken Griechenland von Denkern wie Sokrates, Platon und Aristoteles.und seitdem von vielen weiteren, auch insbesondere hier in Deutschland, weiterentwickelt. Personen wie Luther, Nietzsche und Kant haben gerade für uns Deutsche eine ungeheuer wichtige Kulturleistung gebracht, die für das Selbstverständnis unseres deutschen Wesens unabdingbar sind. Leider geht dieses Verständnis für die Bedeutung von Reformation, kategorischem Imperativ oder der Moralkritik in immer weiteren Gesellschaftsschichten verloren. Man könnte also analog die Frage stellen, wohin ist die klassische Bildung? Und die Antwort auf diese Frage wäre selbstverständlich, wir alle haben sie getötet. Nun müssen wir sie wiederbeleben, das Grundgerüst wieder aufbauen und unsere Gesellschaft dieses dringend benötigte Fundament wiedergeben. Nur so kann verhindert werden, dass deutsche Regierungsvertreter keine Kultur mehr abseits der deutschen Sprache erkennen können. Nur so können wir konstruktive Entscheidungen für die Entwicklung Deutschlands treffen, anstatt es zerstören zu wollen. Nur so können wir die Gesellschaft sein, in die sich Menschen auch integrieren wollen. Professor Großbölting hat sich um dieEr hat Forschung der deutschen Zeitgeschichte verdient gemacht. Damit seine Forschung angemessen gewürdigt werden kann, würde auch er fordern, dass die geschichtlichen Grundlagen im Schulunterricht entsprechend gefördert werden müssen. Der von der SPD hier vorgelegte Antrag wird diesem Anspruch leider nicht gerecht.
