Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, der tragische Tod von Professor Thomas Grof-Bölting hat uns, glaube ich, alle sehr schwer getroffen. Und unser Beileid der CDU-Fraktion und unseres Hauses gilt seiner Familie und allen, die ihn kannten. Auch für die Wissenschaft und für den interreligiösen Dialog und Hamburg als Wissenschaftsstandort ist sein Tod ein einsteigender Verlust. Ihn zu ehren und zugleich sein Wirken fortzuführen, das ist ein Anliegen. Diese Initiative von Ihnen unterstützt die CDU-Fraktion ausdrücklich.Professor Groß-Bölting war ein Mensch mit klarer Linie. Er stand für eine Zeitgeschichtsforschung, die eben nicht im Elfenbeinturm verharrte, sondern bewusst in den gesellschaftlichen Raum hineinwirkte. In einer Zeit, in der Polarisierung zunimmt und auch Religionszugehörigkeit, das erleben wir hier oft genug, leider wieder immer stärker zum Gegenstand politischer Auseinandersetzung wird, sind solche Stimmen rar und umso wichtiger, meine Damen und Herren. Sein Ansatz war geprägt von intellektueller Weite und auch persönlicher Haltung. Exemplarisch dafür war auch sein differenzierter Umgang mit der Geschichte der früheren DDR, die er in mehreren Werken untersuchte und sie als das bezeichnete, was sie nämlich war, eine SED-Diktatur. Gleichzeitig aber auch war er vorurteilsfrei und untersuchte die Mythen und beschäftigte sich auch über die Mythen, die über die DDR im Umlauf waren. Groß-Bölting verstand die Akademie nicht als rein akademische Einrichtung, sondern als Ort der gelehrten Verständigung, als Brücke zwischen Tradition und Moderne. Religionen sollten nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander ins Gespräch gebracht werden, mit der Wissenschaft als kritischen, aber konstruktiven Partner. Und immer und unter Einbezug der säkulären Perspektive und der Öffentlichkeit. Man kann sich das nicht wichtig genug vorstellen. So schuf er Räume, denen echtes Zuhören, und ich glaube, das haben wir schon fast alle immer wieder ein wenig verlernt,Darin sollten wir als ein Beispiel nehmen, möglich war und damit auch neue Antworten auf Fragen unserer Zeit. Unsere Zeit, wie wir wissen, ist schnelllebig, herausfordernd und vor allen Dingen geprägt durch soziale Medien. Umso wichtiger ist meiner Ansicht nach Bildung, Forschung und Wissenschaft als Quelle wirklicher Ressourcen, besonders als Gegenpart zu oberflächlichen Schlagzeilen von X und Co., meine Damen und Herren. Das Zusammenwirken von historischer Analyse, interdisziplinärem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung, all dies ist das Vermächtnis, das nicht verblassen darf. Deshalb stimmen wir Ihrem Antrag sehr gerne zu und bedanken uns für Ihre Initiative. Wichtig ist uns aber auch, und das muss hier gesagt werden, dass die organisatorische Umsetzung jetzt nicht im Ungefähren verpufft. Eine institutionelle Anbindung etwa an die Uni Hamburg oder die Landeszentrale für politische Bildung muss inhaltlich tragfähig und finanziell nachhaltig ausgestattet werden.Meine Damen und Herren, ein Abschied ist zu sagen, ich glaube, wir sind uns hier alle einig, in einer Zeit, in der demokratische Diskurse immer mehr unter Druck geraten, sind Vorbilder wie unser Professor Thomas Gölting gefragt. Menschen, die Brücken bauen und gleichzeitig Haltung zeigen, ohne zu polarisieren. Sein Andenken verdient mehr als Worte. Ich bin froh, dass Sie uns alle einig sind und hoffe, dass Sie dann auch zur Tat schreiten mögen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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