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Philine Sturzenbecher

SPD 3:43 min Sitzungen 23/5

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir hier über Wissenschaft sprechen, geht es oft um große Summen, Exzellenzcluster oder Bauvorhaben. Und das ist wichtig. Aber Wissenschaft lebt auch von Persönlichkeiten, von Menschen, die mit Neugier und großem Engagement daran arbeiten, unsere Welt verstehbarer und ja, auch ein Stück weit besser zu machen. Und Prof. Dr. Thomas Trus-Bölting war so eine Persönlichkeit. Sein tragischer Tod im Februar dieses Jahres hat daher viele Menschen in Hamburg tief erschüttert, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in den Religionsgemeinschaften und in der Stadtgesellschaft. Denn sein Weggang reißt eine Lücke, eine Lücke, die auch deshalb so spürbar ist, weil Thomas Groß-Bölting viel mehr war als nur ein hervorragender Historiker. Er war ein Brückenbauer zwischen Disziplinen, zwischen Weltanschauungen, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit unserem heutigen Antrag wollen wir daher nicht nur das wissenschaftliche Werk von Thomas Groß-Bölting würdigen, sondern auch seinen akademischen Geist weitertragen. Nämlich die Idee, dass historische Forschung Orientierung geben kann und geben muss, gerade in gesellschaftlich bewegten Zeiten wie der heutigen. Und dass religiöse Vielfalt keine Zumutung ist, sondern ein fester Bestandteil unserer freiheitlichen und weltoffenen hanseatischen Identität, die wir noch mehr verstehen, weitergestalten und miteinander leben wollen.Thomas Gross-Bölting hat die Forschungsstelle für Zeitgeschichte mit analytischer Präzision und thematischer Weitsicht weiterentwickelt. Unter seiner Leitung wurde die Perspektive auf die Stadtgeschichte Hamburgs seit den 1970er Jahren geschärft, mit einem klaren Fokus auf gesellschaftlichen Wandel, auf kollektive Deutungsmuster und auf gelebte Erinnerung. Zugleich hat er als Direktor der Akademie der Weltreligion neue Räume für den interreligiösen Dialog geschaffen, auf Augenhöhe mit wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit, aber stets den Menschen zugewandt. Dabei hat er auf vielfältige Art und Weise Fragen in den Mittelpunkt gerückt, die uns alle angehen. Wie kann religiöse Vielfalt in einer säkulären Gesellschaft gelebt werden? Wie schaffen wir gemeinsame Verständigung in einer Stadt mit so vielen Geschichten und so vielen Glaubensformen? Und welche Rolle kann und muss Wissenschaft dabei spielen? Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist klar, dass diese Fragen wahrscheinlich niemals abschließend beantwortet werden können. Und gerade aus diesem Grund müssen wir die Räume schaffen, in denen sie weiter gedacht, beforscht und diskutiert werden können. Und deshalb regen wir an, zu prüfen, ob ein Andenken an Thomas Groß-Bötting benanntes Stipendium oder ein Preis eingerichtet werden kann, der wissenschaftliche Arbeiten auszeichnet, die sich mit interreligiöser Forschung beschäftigen, insbesondere dort, wo ein Bezug zu unserer Stadtgesellschaft oder zur Hamburger Zeitgeschichte aufweisen.Zudem wollen wir eine organisatorische Anbindung an bestehende Institutionen wie die Universität Hamburg oder die Landeszentrale für politische Bildung herstellen, um das Vorhaben dauerhaft und fachlich tragfähig zu verankern. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir heute eine wissenschaftliche Auszeichnung im Namen Professor Großbölzings anstoßen, dann tun wir dies, um seine Themen lebendig zu halten. Wir tun dies auch, weil unsere Stadt Orte der Auseinandersetzung braucht, über Geschichte, über Religion, über das, was uns alle zusammenhält. Und es ist eine Würdigung und Erinnerung an einen Forscher der demokratischen Haltung mit Tiefeverband und Wissenschaft mit gesellschaftlicher Verantwortung. Ich bitte daher um Ihre Zustimmung. Vielen Dank.

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