Marco Schulz
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen, vielen Dank. Wer mit scharfen Klingen arbeitet, braucht auch eine scharfe Ausbildung. Daher wird es höchste Zeit für den Ausbildungsberuf Barbier. Das Thema mag auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken, doch dahinter steht eine Entwicklung, die uns alle betrifft, wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, jedenfalls wirtschaftlich, gesundheitlich und gesellschaftlich. Denn während Friseure eine anerkannte Ausbildung durchlaufen, Prüfungen ablegen, Hygiene, Standards vermittelt bekommen und am Ende, das sollte vor allem die Genossen interessieren, auch von einem Lohntarifvertrag für die Arbeitnehmer des Friseurgewerbes profitieren, fehlt dies bei den tausenden Barbieren in den unzähligen Barbershops unserer Stadt, weil es schlicht und ergreifend keine gesetzliche Grundlage dazu gibt. Obwohl ich also mittlerweile an jeder Ecke einen solchen Barbier finde, gibt es diesen Beruf formal überhaupt nicht. Und das führt zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung, gefährdet die Gesundheit der Kunden und nimmt jungen Menschen in der Masse mit Migrationshintergrund grundsätzliche berufliche Aufstiegschancen.Derweil leidet das Handwerk und die duale Ausbildung verliert an Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig gibt es Risiken. Eine aktuelle Studie... Meine Damen und Herren, ich weiß, Sie haben alle noch ganz viel Redezeit in den Fraktionen, aber wenn Sie die jetzt alle gleichzeitig nutzen, ist es echt zu laut hier. Ich wäre Ihnen total dankbar, wenn wir jetzt die paar Minuten noch die Sitzung gemeinsam beenden könnten. Fahren Sie fort. Vielen lieben Dank. Eine aktuelle Studie der Universität Leipzig zeigt einen deutlichen Anstieg von Hautinfektionen, direkt zurückzuführen auf unzureichende Hygienestandards im Barbershops. Auch wenn wir als AfD fest zu unserem Selbstverständnis als Antibürokratie-Partei stehen, müssen wir mit Blick auf die Realität hier klar benennen, im Barbierhandwerk herrscht ein derzeit unhaltbarer Zustand. Es braucht endlich eine klare gesetzliche Grundlage, um Wildwuchs, Qualitätseinbußen und Wettbewerbsverzerrungen für das Friseurhandwerk wirksam zu begegnen. Herr Schulz, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Kolze? Ich wusste gar nicht, dass das hier möglich ist. Von daher liebend gern. Immer. Möglich. Also ich möchte einfach vielleicht das in eine Frage packen. Ist Ihnen eigentlich bekannt, dass die Entwicklung von Berufsbildern überhaupt nichts mit uns als Hamburger Bürgerschaft zu tun hat?von der Handelskammer, von den Partnern der Eindringung, das Berufsbildungsgesetz regelt das. Und da gibt es ganz klare Möglichkeiten. Und wenn Sie wollen, können Sie selber loslegen und sich als Papier beschäftigen und dann sagen, das ist ein Berufsbild und beantragen das. Theoretisch, wenn Sie da Partner finden. Es ist interessant, solche Dispute mal zu führen und auch zu wissen, welche Erkrankungen das alles so gibt. Aber ich würde doch wirklich appellieren, dass wir uns auf die Sachen beschäftigen, die wir auch bewegen können selber. Die Sache ist, werter Kollege Kolze, es ist ja auch, sage ich jetzt mal, aus Ihrer Partei häufig der Ton etwas anzustoßen. Und die Realität ist ja nun mal, das werden Sie ja wahrscheinlich nicht leugnen, dass halt dieser Zustand seit Jahrzehnten so ist und weiterhin zunimmt. Insofern, wir sprechen ja auch regelmäßig über, ich sage jetzt mal, nicht immer von Ihnen initialisiert, das sage ich gar nicht, aber ich sage jetzt mal Einmischungen in die Tarifautonomie. Und insofern dachten wir, bringen wir hier etwas mal ein, was ungewöhnlich ist, den parlamentarischen Weg zu bestreiten. Aber da ist die Lobby, nenne ich es jetzt mal, das Friseurhandwerk, es anscheinend bislang selbst nicht geregelt bekommt, wollten wir jetzt nicht länger warten.Vor allem, da wir als Politik ja sowieso immer handeln müssen oder sollten moralisch, wenn es diesbezüglich gesellschaftliche Entwicklungen gibt. Und es war ja erst kürzlich, wo auch hier in Hamburg leider viele Razzien vorgenommen werden mussten in Barbershops mit teils erschreckenden Ergebnissen. Und in unserer Position ist es zumindest nicht einfach wegzuschauen und zu sagen, ja gut, dann machen wir es halb platt, sondern wir wollen, wie ja auch die Thematik schon mit der Cannabis-Legalisierung heute war, dieses Gewerbe ins Legale überführen.Herr Schulz, es gäbe eine weitere Zwischenfrage der Kollegin Müller-Möller. Bitte schön. Auch Sie, gern. Sie sprachen eben die Lobby des Friseurhandwerks an. Haben Sie denn mit der Handelskammer, mit der Handelskammer, entschuldigen Sie bitte, sind Sie dann in Kontakt getreten, bevor Sie diese Initiative unternommen haben? Wir wissen, dass es dort unterschiedliche Positionen gibt, um es mal höflich zu formulieren. Aber vor allem kann ich Ihnen sagen, dass die mehr oder weniger professionell strukturierte Barbierlobby tatsächlich dieser Forderung offen gegenübersteht, um die besagten schwarzen Schafe aus ihren Reihen auch wegzubekommen.Insofern, werte Kollegen, packen wir das an. Für Qualität statt Zufall, für Gesundheit statt Risiko und für junge Menschen mit Perspektive statt in die ungelernten Niedrigungsbeschäftigung. Vielen Dank.
