Lisa Kern
Liebe Präsidium, werte Kolleginnen und Kollegen, Hamburg hat eine einzigartige Kita-Landschaft. Die verschiedenen Träger bieten in Hamburg Einrichtungen ganz verschiedener Schwerpunkte und Größen, die die Vielfalt der Wünsche der Kinder und ihrer Eltern abbilden. Die Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kitas leisten tagtäglich großartige Arbeit und stellen sich dabei immer wieder neu ein auf die sich verändernden Bedürfnisse in ihren Einrichtungen. Dass es uns hier in Hamburg gut geht als Kita-Eltern und auch den Kita-Kindern, das kann man immer dann für sich selber überprüfen, wenn man mal mit Eltern aus Schleswig-Holstein oder auch aus Niedersachsen ins Gespräch geht, zum Beispiel über solche Fragen wie wann dort ein Kita-Jahr startet und wie gut das eigentlich so mit den geplanten Geburten zu Schuljahresbeginn aussieht in unserer Gesellschaft. Die Entwicklung hier in Hamburg verdanken wir dem Gutscheinsystem, auch dem Gutscheinsystem, das sich seit nunmehr 22 Jahren bewährt hat. Es ist unter Schwarz-Gelb-Schill eingeführt worden als ein Modell, das berufstätige Eltern bevorzugte und nicht in erster Linie das Kind in den Mittelpunkt gestellt hat. Indem es aber den Rechtsanspruch auf eine fünfstündige Betreuung gibt, unabhängig von den Beschäftigungsverhältnissen der Eltern, ist es ein System geworden, das allen Kindern den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung ermöglicht. Und das lassen wir uns hier in Hamburg auch etwas kosten.Die monatlichen Ausgaben für einen fünfstündigen Kita-Gutschein sind verhältnismäßig hoch. Frühkindliche Bildung legt aber den Grundstein für die weitere Bildungslaufbahn eines Kindes. Als Gesellschaft können wir es uns nicht leisten, an der Bildung der Kleinsten zu sparen. Hier muss investieren unsere Devise bleiben. Wir tragen Verantwortung für alle Kinder in unserer Stadt. Deshalb haben wir für Kinder, die in öffentlich-rechtlichen Unterbringungen leben, das Verfahren zur Beantragung eines Acht-Stunden-Gutscheins zwischen Oktober 2023 und Ende letzten Jahres deutlich vereinfacht. Nur so können wir diejenigen, die in besonders herausfordernden Lebenssituationen aufwachsen, eine gute frühkindliche Bildung zuteilwerden lassen. Der seit 1. Januar geltende Kita-Gutschein XL ist eine weitere Anpassung des Systems, die insbesondere für Eltern eine große Entlastung darstellt. Verändern sich die Voraussetzungen für die Bewilligung eines Gutscheins nicht, so muss dieser nicht mehr jährlich neu beantragt werden.Da klatschen insbesondere die Eltern, glaube ich. Das Kita-Gutschein-System passt sich also bereits jetzt an die verändernden Bedingungen an. Wir haben heute zum Beispiel viel flexiblere Betreuungszeiten als vor 20 Jahren. Auch die Bedürfnisse der Trägerlandschaft sind heute andere. Wir sind mit Kostensteigerungen und einem Mangel an Fachkräften konfrontiert. Wir können heute schon berechnen, dass in den nächsten Jahren die Anmeldezahlen in den Kitas zurückgehen werden. Andere Dinge, auf die das System in den nächsten Jahren zu reagieren haben wird, lassen sich jetzt noch nicht erahnen. Um weiterhin flexibel und schnell reagieren zu können, evaluieren wir schon heute. Wir werten im laufenden Betrieb ständig aus. Rückmeldungen und Bedarfe aller Beteiligten werden aufgenommen. Diese Praxis ist notwendig und soll selbstverständlich auch in Zukunft fortgesetzt werden. Eine große, allumfassende, jahredauernde, ganzheitliche Evaluierung, wie vorgeschlagen von der CDU, ist ein sehr starres Instrument, das zwar eine hervorragende Analyse der Ist-Situation im Erhebungszeitraum ergibt, aber nach einer solchen großen Analyse, bis sie dann mal zur Auswertung und für Maßnahmenentwicklung vorliegt, meist schon alt ist. Wir brauchen stattdessen ein System von kleinschrittigen, laufenden Evaluierungen, das sich flexibel anpasst und auf alle Eventualitäten reagieren kann. Diesen Weg haben wir in der Vergangenheit beschritten und möchten auch in dieser Art und Weise weitergehen. Bleiben wir im Bild von Frau Seid.Also, wir machen das nicht mehr so wie in den 90er Jahren, dass wir ein großes neues Betriebssystem aufspielen, sondern wir machen das so, wie das heute im Übrigen auch in der App-Entwicklung übrig ist. Wir arbeiten mit Versionen. Also wir wollen jetzt nicht die große Vierer-Version raushauen, sondern wir machen mal 3.6 bis 3.11 und werden sukzessive die Fehler im System weiterentwickeln und weitermachen, ohne dass bei der Neuinstallation dann zu viele Dinge gar nicht mehr funktionieren. Wir sind uns also einig. Wir brauchen neue Dinge. Wir müssen unser System fit für die Zukunft machen. Worüber wir uns nicht einig sind, ist, wie wir den Weg dahin gehen. Aber darüber können wir, denke ich, sehr gut in den kommenden Monaten gemeinsam im Familienausschuss reden. Vielen Dank.
