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Dr. Sabine Ritter

DIE LINKE 4:26 min Sitzungen 23/3

Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Kolleginnen, hat mal jemand einen Tampon? Ich brauche auch gerade keinen. Aber genau diese Frage wird, ich schließe mich Marian Blumenthal an, jeden Tag in jeder Schule geflüstert. Als wäre das etwas, wofür man sich schämen müsste. Und bevor mir die Nase läuft, bitte ich doch auch eher vernehmlich um ein Taschentuch, als dass das zu spät ist. Monatsblutung und alles, was dazugehört, ist immer noch, wir haben es mehrfach gehört, mit Peinlichkeit und mit Scham behaftet und tabuisiert. Hinzu kommt, dass Hygieneartikel elendteuer sind und in die Kassen von vielen, die sie brauchen, Riesenlöcher reißen. Weshalb dann auch oft an Tampons, Binden, Einlagen gespart wird, gespart werden muss. Die Scham verdoppelt sich da, wo zum kulturellen Tabu auch noch die sogenannte Periodenarmut kommt. Das ist eine Schande. Die Scham über diese Zustände dürfen nicht die Mädchen, die Frauen, die Nichtbinären und die Transpersonen empfinden. Sie muss, um die vorbildhafte Giselle Pellicot zu zitieren, die Seite wechseln. Die Scham muss die Seite wechseln.Peinlich ist eine reiche Gesellschaft, die ihre Mitglieder mit Lebensnotwendigem unversorgt lässt. Wir alle wollen in Sicherheit, selbstbewusst und frei von Scham leben. Deswegen finden wir Linken es sehr, sehr, sehr gut, dass im August 2023 das Pilotprojekt kostenlose Menstruationsprodukte an Schulen gestartet ist und SchülerInnen an 21 Hamburger Schulen nicht mehr flüstern mussten, sondern mit dem Notwendigen versorgt wurden. Ein guter Schritt, ein wichtiger, ein erfolgreicher Schritt, dem weitere folgen müssen. Bedauerlich finden wir, dass das Projekt, meine ich, an einer ganz zentralen Stelle hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Es sollte mit diesem Pilot auch eine Informationskampagne über Erkrankungen wie Endometriose verbunden sein. Auf der Website vom LI gibt es nur eine Literatur- und Linkliste, unter anderem auch zu Endometriose. Im Bericht, der uns vorliegt, steht dazu nur, diese Materialien wurden von einigen Lehrkräften der Pilotschulen gezielt im Unterricht eingesetzt, um die Bereitstellung der Spendergeräte pädagogisch einzubetten. Das ist sehr unkonkret, will sagen, im Zweifelsfall haben nur zwei Lehrkräfte im Unterricht darüber gesprochen.Und es gibt auch keine inhaltliche Einschätzung dazu. Offene Fragen sind zum Beispiel, ist es sinnvoll, die Materialien flächendeckend einzusetzen? Oder hat sich Bedarf ergeben insgesamt zu dem Thema Umgang mit Endometriose bzw. Den Bedürfnissen der Schülerinnen? Haben sich die Materialien bewährt? Was kann den betroffenen Schülerinnen helfen und was kann ihnen angeboten werden? Hier könnten und müssten wir noch viel weiter sein.Wir können ein Hamburg schaffen, in dem notwendige Ruheräume, Wärmflaschen und gegebenenfalls Schmerzmittel problem- und schwellenlos verfügbar sind. Wir können ein Hamburg schaffen, in dem sich kein Mädchen, keine Frau und keine Transperson für etwas schämen muss, das die Hälfte der Menschheit betrifft. Aber Angebote an 21 und zukünftig 22 Schulen werden dieser Aufgabe nicht gerecht. Das reicht nicht. Wir brauchen langfristig kostenfreie Hygieneartikel an allen Schulen und in allen öffentlichen Einrichtungen, im Finanzamt, in der Kfz-Zulassungsstelle und auch hier im Rathaus.

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