Maryam Blumenthal
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren, wenn ich mal eben meine Beobachtung schildern darf, dann würde ich sagen, man ein näher mag meinen, dass dieses Thema nicht wichtig genug sei, um es in diesem Hohen Haus zu debattieren. Aber was die Hälfte der Gesellschaft betrifft, das ist wichtig, meine Damen und Herren. Und gerade das Thema Menstruation ist ja eins, das einfach sehr, sehr gerne tabuisiert wird. Wir Frauen sollen ja fruchtbar sein, Kinder kriegen, aber bloß nicht über Menstruation sprechen. Und wenn wir menstruieren und bluten, sollen wir es uns am besten gar nicht anmerken lassen. Und ich spreche vermutlich für sehr, sehr viele Frauen, wenn ich sage, das ist gar nicht so einfach, sich das nicht anmerken zu lassen. Denn da kommt ganz schön viel zusammen. Stimmungsschwankungen, Unterleibsschmerzen, Einziehen und Stechen, Kopfschmerzen und, und, und. Und abgesehen davon, dass man einfach blutet und zum Teil so, als hätte man vielleicht auch schon mal einfach nur einen Wasserhahn aufgedreht. Und warum sage ich das so offen und auch so anschaulich? Nicht etwa, weil manch einer sich ja eigentlich schon beschwert, wenn die Nase ein bisschen trieft. Sondern weil wir eben Monat für Monat eine Woche lang aushalten, aushalten,schweigen und immer weiter funktionieren. Und darum, weil es hier eben darum geht, es geht in dieser Diskussion nicht wirklich nur darum, kostenlose Menstruationsartikel an Schulen auszustellen. Es geht um Enttabuisierung eines Themas, das natürlicher überhaupt gar nicht sein könnte. Es geht um die Enttabuisierung eines Themas, das durch diese unlogische Tabuisierung, sie ist für mich wirklich überhaupt nicht nachvollziehbar, zu sehr, sehr viel Scham führt, zu sehr viel Unsicherheit statt zu Verständnis und Rücksicht. Und das muss sich ändern.Und gerade junge Frauen sind ja besonders verunsichert. Dann wird vielleicht zu Hause nicht mal so wirklich darüber gesprochen. Von vor anderen Gleichaltrigen mag man irgendwie nicht erzählen, dass man schon seine Tage hat und man weiß auch nicht, wie weit denn schon die Freundin ist oder nicht. Und man hat vielleicht auch lange, lange eigentlich gar keine Ahnung, was da eigentlich jeden Monat mit dem eigenen Körper passiert. Und ich will überhaupt nicht mal von der Sorge sprechen, dass irgendwas mal durch die Hose durchtropft und die Hose blutig ist und das irgendjemand sieht und man dann irgendwie nicht weiß, wie man mit dieser Situation umgehen soll und die Blutung plötzlich ohne Vorwarnung einsetzt. Zufällig dann, wenn man eigentlich gerade nicht zu Hause ist und irgendwie nichts zur Hand hat. Und sicher wird das jede Frau in diesem Saal irgendwie nachvollziehen können und die eine oder andere Situation gehabt haben, wo es genau so abgelaufen ist.Yeah. Und in der Situation denkt man sich, Mist, was mache ich jetzt? Und gerade in der Schule, wo man in einem Alter ist, was auch noch so an sich schon in der Natur der Sache verbunden ist mit sehr viel Scham und Unsicherheit und man bis zum Schulschluss irgendwie durchhalten will und muss, weil man ja sonst schwänzt, ist es wirklich ein ganz großer Problem und hindert auch an der Persönlichkeitsentwicklung. Und deshalb haben wir im vorletzten Jahr mit unserem Antrag in der Bürgerschaft dieses Pilotprojekt beschlossen. Wir haben kostenlose Menstruationsprodukte an weiterführenden und berufsbehindernden Schulen eingeführt. Dieses Projekt war erfolgreich, das haben wir eben von meiner Kollegin ja auch eingängig gehört. Und das Projekt ist abgeschlossen und konnte dann ausgewertet werden. Und ich bin sehr, sehr dankbar und freue mich sehr darüber, dass wir an dieser Stelle aber nicht aufhören und sagen, haken dran, wie schön, dass das gut geklappt hat, sondern dass wir weitermachen und das Projekt ausweiten. Und das ist ein wirklich guter Weg zur Enttabuisierung der Menstruation, ein guter Weg, um Themen von Frauen sichtbarer zu machen und damit einen wertvollen Beitrag zu mehr Gendergerechtigkeit zu leisten.Und ich betone diesen Begriff auch mit Absicht so, Gendergerechtigkeit, denn es geht um nichts Geringeres als darum, eine Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, indem man eben nicht nur über die Themen der Männer spricht, sondern auch über die Themen der Frauen und Menschen. Das Wort zu gehört dazu. Vielen Dank.
