Clarissa Herbst
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns über das Thema Menstruation sprechen. Das Thema Menstruation ist für viele immer noch ein Thema voller Tabus. Die Tatsache, dass wir auch im 21. Jahrhundert in Deutschland weit davon entfernt sind, eine vorurteilsfreie und menstruationsfreundliche Gesellschaft zu sein, und die Tatsache, dass die Menstruation und die damit verbundenen Bedürfnisse und Krankheiten immer noch als Tabuthemen empfunden werden, diese Tatsachen haben uns dazu bewegt, vor zwei Jahren hier den Antrag zu initiieren, dass ein Pilotprojekt zur Bereitstellung kostenfreier Menstruationsprodukte an weiterführenden Schulen durchgeführt wird. Grundlage dieses Antrags war neben der Enttabuisierung die Themen Aufklärung und Periodenarmut. Auch in Deutschland sind nach Umfrage vom Plan International fast ein Viertel der Mädchen und Frauen von sogenannter Periodenarmut betroffen. Das bedeutet, dass die Anschaffung von Periodenartikeln für sie eine finanzielle Belastung darstellt. Das heißt, dass Menstruationsartikel weniger häufig gewechselt werden und ein Risiko für Infektionen steigt. Und ich glaube, wir sind uns alle einig hier, dass das Thema Menstruation für Mädchen und Frauen nicht zu einer sozialen oder gesundheitlichen Benachteiligung führen darf, liebe Kolleginnen und Kollegen.Und auch, wenn es sich hierbei um ein gesamtgesellschaftliches Thema handelt, so ist es doch besonders wichtig, dass wir gerade Schulen hier in den Blick nehmen, als Orte, an denen Mädchen und junge Frauen sich gut aufgehoben fühlen, an denen sie entsprechende Produkte vorfinden, wenn sie von ihrer Menstruation überrascht werden. Was wir nicht wollen, sind Mädchen, die aus den genannten Gründen den Unterricht fernbleiben, sodass sich das Thema Menstruation negativ auf ihre schulischen Leistungen auswirken könnte. Die Menstruation darf keine negativen Auswirkungen auf die Bildungsgerechtigkeit haben. Und daher ist es ein wichtiger Schritt, dass wir hier in Hamburg das Pilotprojekt zur Bereitstellung kostenfreier Menstruationsprodukte an den weiterführenden Schulen ins Leben gerufen haben. Und ich freue mich darüber, dass wir mittlerweile durchaus positive Ergebnisse dieses Projekts vorliegen haben. Die Zielsetzung des Pilotprojekts bestand darin, neben den praktischen Aspekten der Finanzierung des Prozesses und der individuellen Ausgestaltung an Schulen die Nachfrage und Akzeptanz innerhalb der Schülerinnenschaft und des Lehrerpersonals einzuschätzen. Und entsprechend wurden auch die Beteiligungen von SchülerInnenvertretung und begleitenden Aufklärungsformaten zur späteren Auswirkung hinzugefügt. Und zu den Ergebnissen können wir festhalten, dass die Rückmeldungen aus den beteiligten Schulgemeinschaften fast durchweg positiv waren, liebe Kolleginnen und Kollegen. Insbesondere die Beteiligung von Schülerinnenvertretungen hat zur Akzeptanz und zur Annahme der Angebote beigetragen. Neben der Bereitstellung von Aufklärungsmaterial, dieim Unterricht Verwendung finden sollten, wurden eigenständige Initiativen von SchülerInnen in Form von Plakaten und anderen schulischen Aktionen durchgeführt. Ein Bedarf an den Produkten hat sich teilweise über die ursprünglich vorgeschlagene Menge hinaus bestätigt. Positiv wurde von den NutzerInnen hervorgehoben, wenn die Spendenautomaten direkt in den Vorräumen der Toiletten angebracht und entsprechend anonym zugänglich gemacht wurden. Und die Sorge vor Vandalismus und missbräuchlichen Gebrauch der Artikel hat sich mit Blick auf das Gesamtprojekt nicht bestätigt. Ich freue mich sehr darüber, dass aus dem Projekt, dass sich es nun ergibt, dass für weitere 22 Schulen entsprechende Automaten bereitgestellt und einmalig befüllt werden können. Ich freue mich, dass hier Schulen insbesondere mit einem niedrigen Sozialindex in den Blick genommen werden und dass 18 der 20 am Pilotprojekt beteiligten Schulen die etablierten Systeme beibehalten wollen und es allen weiteren Schulen freisteht, entsprechende Angebote auf eigene Kosten auf den Weg zu bringen. Und ich freue mich auch, dass die Strahlkraft dieses Projekts auch über die beteiligten Schulen hinausging und sich weitere Schulen zum Beispiel auch in Kooperation mit Drogerieunternehmen Konzepte zur Bereitstellung von Menstruationsartikeln überlegt haben. Und ich danke dem Senat hier für seinen Einsatz und seine Unterstützung bei der Umsetzung.Im Hinblick auf die Enttabuisierung der Menstruation, insbesondere für Heranwachsende, mit Blick auf die finanzielle Entlastung von Familien und mit Blick auf die gesundheitliche Prävention können wir ein positives Ergebnis festhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen, das hoffentlich auch über Hamburg hinaus neue Standards für bessere und gerechtige Ausbildungsbedingungen setzt. Vielen Dank.
