Deniz Çelik
Sehr geehrte Präsidentin, liebe HamburgerInnen, die Idee, unsere Stadt durch Freundschaftsbänke lebenswerter zu gestalten, trifft hier auf breite Zustimmung. Nicht nur die demokratischen Fraktionen hier, sondern auch der Landesernährungsbeirat hat sich dazu auch klar positioniert. Kurzum, der politische Konsens ist da. Bänke für alle, vor allem Freundschaftsbänke für ältere Menschen, sind eine gute Sache, die wir auch unterstützen. Dennoch wirft die Umsetzung des Projektes Fragen auf. Die Hoffnungen, die Sie zum Beispiel erwecken mit diesen Freundschaftsbänken, sind riesig. Sie sollen Einsamkeit bekämpfen, Begegnungen fördern, Mobilität stärken und Teilhabe ermöglichen. Das alles für rund 250.000 Euro klingt nach einem echten Alleskönner zu einem Schnäppchenpreis. Aber wenn wir uns dieses Projekt mal nüchtern anschauen, dann sehen wir, dass Sie von Ihrer Ursprungsidee ja auch etwas abgekommen sind. Ich war auch in meinem Wahlkreis unterwegs und habe beobachten können, dass die allermeisten aufgestellten Bänke keine Freundschaftsbänke sind, auch nicht so gekennzeichnet sind. Und es wird zu wenig über ihre soziale Funktion klar kommuniziert. Menschen werden dazu nicht ermutigt, mit den SitznachbarInnen ins Gespräch zu kommen. Was bleibt aber ist, dass sie altersgerecht gestaltet werden und mit etwas Glück sind sie auch an guten Orten, belebten Orten platziert.Trotzdem halten wir es auch positiv, dass auch diese abgespeckte Version gute Effekte haben wird. Denn öffentliche Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang sind wichtig, vor allem für Menschen, die wenig Geld in Portemonnaie haben. Und wer sich auch unterwegs ausruhen kann, ohne ständig etwas kaufen zu müssen, bleibt auch ein Teil des öffentlichen Raums. Und das ist auch gut so. Aber diese neuen Bänke sind ein winziger Beitrag im Kampf gegen die Einsamkeit, gegen die Spätfolgen der Pandemie und für mehr Teilhabe. Und genau deshalb warnen wir Sie davor, dieses Projekt auch zu überfrachten. Die Bänke sind ein schönes Angebot, aber eben ein Schönwetterangebot, was meistens zwischen März und September genutzt wird. Und sie werden jetzt behandelt als die eierlegende Wollmilchsau der Seniorenpolitik. Erstens, wir brauchen eine ehrliche Bilanz nach einem Jahr. Da sollten wir gemeinsam darüber sprechen, kommen diese Menschen wirklich bei den Menschen an? Wie ist die Kommunikation? Werden sie auch in ihrer sozialen Funktion so wahrgenommen, wie es konzeptionell gedacht ist? Wurden die richtigen Standorte gewählt oder gibt es bessere Optionen? Und darüber hinaus, liebe Kolleginnen und Kollegen, erwarten wir auch von Ihnen, von Rot-Grün,dass sie sich auch wieder an den heißen Eisen der Seniorenpolitik wagen. Das bedeutet, dass sie sich auch um Pflege kümmern müssen, um bezahlbaren Wohnraum und um Altersarmut. Das sind die großen Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Die Bänke können ein Anfang sein, aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, sie dürfen kein Feigenblatt sein. Dankeschön.
