Katrin Steinhülb-Joos
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir stehen für ein zukunftsfestes Bildungssystem, ... So steht es im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU. Ein großer Anspruch und ein notwendiger Anspruch. Doch entscheidend ist, was am Ende des Tages dabei rauskommt. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, wie dringend wir handeln müssen. Dass unser Bildungssystem grundlegende Probleme hat, das wissen wir nicht erst seit der jüngsten Studie. Als ehemalige Schulleiterin frage ich mich deshalb: Wo ist der Gestaltungswille der Landesregierung? Wo ist der Wille, die Probleme endlich an der Wurzel anzupacken? (Beifall bei der SPD) Zehn Jahre Grün-Schwarz – zu oft war es Verwaltung statt Gestaltung. Und wenn Sie etwas verändert haben, ging es häufig in die falsche Richtung, so wie bei der verbindlichen Grundschulempfehlung. iode – 12. Sitzung – Mittwoch, 7. Oktober 2026 Über Schulstrukturen wollen Sie kaum sprechen. Doch wer ein zukunftsfestes Bildungssystem verspricht, der muss doch auch bereit sein, die bestehenden Strukturen zu hinterfragen. Meine Damen und Herren, als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse müssen jetzt endlich konkrete Maßnahmen erfolgen, (Beifall bei der SPD) Maßnahmen, die im Klassenzimmer ankommen und vor allem die Kinder erreichen, die besondere Unterstützung benötigen. Herr Minister Jung, Sie haben die Bildungsungerechtigkeit als Problem erkannt. Jetzt kommt es darauf an, diese wirksam abzubauen. Der Bildungserfolg eines Kindes darf nicht davon abhängen, wie viel seine Eltern verdienen, welchen Abschluss sie haben, wie viel Unterstützung sie zu Hause leisten können. Nicht alle Kinder haben zu Hause die gleichen Bedingungen. Manche wachsen ohne Bücher im Elternhaus auf. Andere haben Eltern, die jeden Tag hart arbeiten müssen. So habe ich es auch als Schulleiterin erlebt. Manche Eltern meiner Schüler hatten drei verschiedene Jobs. Da blieb abends keine Zeit und keine Kraft mehr, die Kinder zu begleiten, mit ihnen zu üben oder mit ihnen zu lernen. Auch diese Kinder haben Talente, und sie wollen wachsen; auch diese Kinder haben Träume, und sie haben das gleiche Recht auf Bildung. Wenn junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen, dann hat das weitreichende Folgen, und zwar weit über den letzten Schultag hinaus: für ihre beruflichen Chancen, für die gesellschaftliche Teilhabe und auch für unsere Wirtschaft. Wenn immer mehr Kinder Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen haben, dann dürfen wir das doch nicht nur Jahr für Jahr feststellen und dann einfach so weitermachen und anschließend einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen gezielt dort fördern, wo Lernstandserhebungen einen Förderbedarf aufzeigen. Ein Test allein hilft keinem Kind; die Unterstützung danach macht den Unterschied aus. (Beifall bei der SPD) Genau dafür brauchen die Schulen die nötigen Spielräume. Ein ganz konkreter Schritt wäre, in der Grundschule pro Zug zwei Poolstunden bereitzustellen, flexible Stunden, in denen dann auch mal der Klassenverband aufgelöst werden kann, in denen gezielt gefördert werden kann, indem die Klasse zeitweise auch mal geteilt wird. Gerade an den Grundschulen, wo die Grundlagen für den gesamten weiteren Bildungsweg gelegt werden, wäre das eine sehr schnell umsetzbare und wirksame Maßnahme. Ganz große Chancen für mehr Bildungsgerechtigkeit bietet auch der rhythmisierte Ganztag. Er schafft mehr Zeit zum Lernen, eröffnet Räume im Sport, in der Kunst, in der Kultur, in der Musik. Herr Minister Jung, offenbar sehen inzwischen auch Sie die Vorteile. Ich wünsche Ihnen ausdrücklich viel Erfolg, dieses Vorhaben auch gegen die Widerstände in Ihrer Partei voranzubringen. (Katrin Steinhülb-Joos) Liebe Anwesende, ein zukunftsfestes Bildungssystem entsteht durch Entscheidungen, die im Schulalltag auch ankommen, durch frühe Förderung, starke Grundschulen, einen guten Ganztag und vor allem Lehrkräfte und Schulleitungen, die unterstützt werden. Herr Minister Jung, liebe Kolleginnen und Kollegen von Grünen und CDU, haben Sie den Mut, diese notwendigen Veränderungen anzupacken! Denken Sie die Bildungspolitik konsequent von den Schülerinnen und Schülern und den Jugendlichen aus! Sorgen Sie dafür, dass aus Ihrem Versprechen im Koalitionsvertrag echte Chancen im Klassenzimmer werden! Denn die Kinder und Jugendlichen in unserem Land ...
