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Nadyne Saint-Cast

GRÜNE 07.10.2026 Sitzungen 18/12

Vielen Dank. – Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich muss schon sagen, ich war – nachdem ich Sie in den letzten Jahren im Bildungsausschuss erlebt habe – etwas erstaunt über den Antrag. Denn das, was darin steht, ist ganz schön konträr zu dem, was Sie sonst immer propagiert haben. Sie haben gesagt, man solle unser Bildungssystem nicht „ökonomisieren“, man solle Bildungsziele sozusagen nicht am Arbeitsmarkt, am Berufsalltag ausrichten, sondern das müsse irgendwie umfassender sein. Das ist wirklich interessant, wenn man sich anschaut, wie Sie beim Thema „Lernförderliche Leistungsrückmeldungen“ und bei neuen pädagogischen Konzepten immer dagegen geschossen haben. Deswegen – das muss ich ehrlich sagen – musste ich mir ein bisschen die Augen reiben, als ich diesen Antrag gelesen habe, weil das ziemlich im Widerspruch zu dem steht, was Sie sonst immer propagiert haben. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Wenn wir über Zukunftsfähigkeit reden: Natürlich gehört dazu, dass Kids, die die Schule verlassen, lesen, schreiben und rechnen können, also Basiskompetenzen haben. Da ist sich die Politik absolut einig mit der Bildungswissenschaft; die entsprechenden Fragen hat das Ministerium auch gut beantwortet. Aber natürlich gehört immer auch Persönlichkeitsentwicklung dazu, wenn wir über ein zukunftsfähiges Bildungssystem sprechen. Ja, die Herausforderungen sind groß; die werden wir jetzt auch nicht kleinreden. Es ist vollkommen klar, dass die Realität in den Schulen herausfordernd ist: durch Digitalisierung, durch künstliche Intelligenz, aber eben auch durch Kinder, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen und unterschiedliche Herkunftssprachen haben. Unser Ziel ist ganz klar, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern genau diese Realität zu erkennen und auf diese Realität die bestmöglichen Antworten zu finden. Für uns ist klar: Wir werden nicht akzeptieren, dass die Basiskompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen gesunken sind und dass jedes fünfte Kind damit tatsächlich Probleme hat. Deswegen haben wir die wichtigen Weichen gestellt. Mit „SprachFit“ haben wir das größte Sprachbildungsprogramm in Baden-Württemberg in den letzten Jahren auf den Weg gebracht. Wir bringen mehr Fachkräfte an die Schulen – Sprachförderkräfte, multiprofessionelle Teams –, damit das Thema Sprache vorangebracht wird; denn klar ist: Sprache ist der Schlüssel für Teilhabe und für Bildung. Auch bei den Basiskompetenzen – Mathe, Leseförderband – haben wir etwas vorgelegt. Klar ist auch – Sie haben absolut recht –: Wir brauchen Lehrkräfte und Personen in den Klassen, damit die Kinder tatsächlich gut gefördert werden. Deswegen haben wir die multiprofessionellen Teams mit Schulsozialarbeit, mit Sprachförderung, mit Schulpsychologie gestartet: damit die Kinder ganzheitlich gefördert werden können. Aber wir brauchen auch Lernstandserhebungen und die (Nadyne Saint-Cast) datengestützte Schulentwicklung, um zu prüfen, wo die Kinder stehen, wo sie schon gut sind und wo sie noch Unterstützung brauchen. Das ist evidenzbasierte Bildungspolitik. Klar ist aber auch: Bildungspolitik braucht einen langen Atem. Und die Weichen, die wir in der letzten Legislatur gestellt haben, müssen wir jetzt mit voller Kraft weiter in die Fläche tragen: mit „SprachFit“, mit dem Startchancen-Programm. Darüber werden in den nächsten Jahren 540 Schulen mit 2,6 Milliarden € gezielt gefördert – nicht mit der Gießkanne, sondern dort, wo der Bedarf besonders groß ist. An dieser sozialindexbasierten Herangehensweise – also dort mehr zu investieren, wo der Bedarf groß ist – werden wir festhalten. Klar ist aber auch: Ein zukunftsfestes Bildungssystem muss sich auch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Gedanken machen. Deswegen werden wir den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter nutzen, um den qualitativ hochwertigen, rhythmisierten Ganztag voranzubringen, wo Lernen, Sport, Musik, aber auch Spiel sinnvoll über den Tag hinweg miteinander verzahnt sind. Herr Minister Jung, wir freuen uns wirklich, dass Sie hierzu Ihre Unterstützung zugesagt haben. Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems bedeutet aber auch, dass die Kinder und Jugendlichen lernen, verantwortungsvoll mit Digitalisierung und KI umzugehen. Da sprechen wir nicht davon, dass der Lehrer durch digitale Endgeräte ersetzt werden soll. Vielmehr sind Digitalisierung und KI Teil unserer Lebensrealität und haben schon jetzt unseren Alltag und die Arbeitswelt verändert. Deswegen ist es natürlich wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen in der Schule Kompetenzen erwerben, um damit verantwortungsvoll umzugehen. Letzter Satz: Demokratiepolitische Bildung ist für uns ganz essenziell, wenn wir über ein zukunftsfestes Bildungssystem sprechen, damit die Kinder, wie wir es in einer der vorherigen Debatten gehört haben, lernen, mit verschiedenen Sichtweisen und Perspektiven umzugehen, Themen kritisch zu hinterfragen sowie die Neugierde haben, sich immer wieder neues Wissen anzueignen. Das ist für uns ein zukunftsfestes Bildungssystem. Wir wissen uns hier in guter Gesellschaft mit der Bildungswissenschaft. Das Kultusministerium hat das aus unserer Sicht hier sehr konkret ausgeführt. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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