Andreas Stoch
Sehr geehrte Frau Ministerin, ich denke, wir alle sind uns einig, dass in den World Games in Karlsruhe eine riesengroße Chance steckt. Ich möchte auch noch mal in Erinnerung rufen, dass es kein Selbstläufer war, dass sie an Karlsruhe vergeben wurden. Es gab starke internationale Konkurrenz, es gab starke nationale Konkurrenz. Die Region Hannover wollte die World Games. Ich denke, es ist gemeinsam gelungen – ich nenne z. B. Oliver Stegemann; er ist der Vertreter der Nicht-Olympischen Verbände –, das nach Baden-Württemberg zu holen. Darin steckt eine Chance, und ich denke, wir sollten gerade dann, wenn so etwas wie das Schwarzbuch kommt, einmal über die Chancen reden. Trotzdem noch eine Frage vorneweg. Das betrifft natürlich zunächst einmal die Stadt Karlsruhe. Ich möchte deutlich sagen: Die World Games legen großen Wert darauf, dass die Wettkampfstätten nicht neu entstehen müssen, sondern dass die Wettkämpfe in bestehenden Wettkampfstätten stattfinden. Das Thema Nachhaltigkeit ist hier sehr, sehr wichtig und wird großgeschrieben. Für mich ist wichtig, dass wir dort dann nicht nur die Sportstättenkapazitäten in Karlsruhe-Stadt, sondern auch in der Region nutzen, um auch in der Vermarktung bestmöglich zu werden. Ich spreche da über die mediale Vermarktung. Ich meine, es ist ganz wichtig, dass wir auch erreichen, dass das nicht in irgendwelchen Nischensendern verschwindet, sondern dass wir alle versuchen, unsere Möglichkeiten mit einzubringen, dass die World Games wirklich ein mediales Ereignis werden. Ich denke da an das öffentlich-rechtliche Fernsehen und den Rundfunk. Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir Sportstätten haben, die auch den möglichen Zuschauerzahlen sowie der Tatsache, dass es sich dabei um ein weltweites Ereignis handelt, gerecht werden. Die Spiele in Chengdu haben gezeigt, wie groß die Besucherresonanz ist. Das ist also einmal die Frage nach den Sportstätten – wie bewertet die Landesregierung die Auswahl der Sportstätten, gerade unter dem Aspekt der bestmöglichen Vermarktung? – und zum anderen – das sage ich gerade im Hinblick auf das Schwarzbuch – die Frage, wie wir es schaffen, dass Karlsruhe, die Region Baden-Württemberg, Deutschland insgesamt davon wirtschaftlich profitieren. Herr Kollege Hailfinger hat das Thema „Vorbildwirkung von Veranstaltungen“ angesprochen. Ich finde, auch für eine Olympiabewerbung hat die Frage, ob die World Games ein Erfolg werden, eine ganz große Bedeutung mit Blick auf die Akzeptanz. Es ist also auch die Frage der wirtschaftlichen Effekte. Es sind über 5 000 Sportlerinnen und Sportler, aber es werden sechsstellige Besucherzahlen sein. Diese bringen Geld in die Region, in die Gastronomie, in die Hotellerie. Mich würde interessieren, ob es Auswertungen, Zahlen der Landesregierung darüber gibt, was die ökonomischen Effekeriode – 12. Sitzung – Mittwoch, 7. Oktober 2026 te der World Games für unsere Region angeht. Denn das wird aus meiner Sicht in dem, was im Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds steht, völlig ausgeblendet. Ich würde die Chancen in den Mittelpunkt stellen und nicht allein den Betrag. Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen Theresa Schopper: Herr Stoch, ich kann Ihnen nur recht geben bei dem, was wir an Chancen bei Sportveranstaltungen haben. Das gilt selbst für kleine Sportarten, die jetzt keine große Öffentlichkeitsresonanz haben. Ich nenne z. B. die UCI Hallenrad-Weltmeisterschaft in Ludwigsburg. Das ist einfach ein Riesensportereignis, bei dem Ludwigsburg eingesprungen ist, weil eine andere Stadt es nicht machen konnte. Sofort ist man dort eingesprungen und hat es mit allem gemacht, was wir an Talenten haben, wie wir Sportereignisse ausrichten. Deutschland ist eine wahnsinnig engagierte Sportnation, indem wir immer unglaublich volle Stadien haben, faire Zuschauerinnen und Zuschauer. Egal, wo man hinkommt, die Athletinnen und Athleten der anderen Länder werden mit unterstützt. Aber natürlich ist man bei denjenigen, die für das eigene Land starten, oftmals noch massiver am engagierten Unterstützen. Aber nichtsdestotrotz, das ist genau das, was uns ausmacht. Der Effekt, dass es weit über das Vorfeld von Olympischen Spielen – ob jetzt im internationalen Ansehen; die IWGA ist in Lausanne ansässig – oder den Auswahlprozess für Olympische Spiele hinausgeht, ist mit ein Kriterium. Wir wissen: Die anderen Bewerber um die Olympischen Spiele, die sich hier jetzt schon auf den Weg machen – ich nenne z. B. Budapest –, bewerben sich massiv um internationale Sportereignisse, weil das natürlich schon ein Auswahlkriterium ist. Wir können das, und wir wollen das, und wir machen das und stehen auch voll dahinter. Ich sage: Gott sei Dank stehen wir voll dahinter – im Bund, im Land und in den Kommunen, die das dann auch ausrichten. Die Sportstätten – Sie haben es erwähnt – sind nachhaltig, weil da nichts neu gebaut wird. Aber natürlich wird doch sicherlich das eine oder andere temporär noch an Zuschauertribünen etc. gemacht werden. Klettern ist ja auch mit im Portfolio. Das heißt, da werden dann auch temporär die Kletterwände entsprechend neu angebracht werden. Aber ich sage es jetzt einmal so: Beim Tauziehen – tug of war, wie es sich im Englischen nennt – brauchen wir nichts Neues zu bauen. Das können wir in Karlsruhe auf jeden Fall bewerkstelligen. In anderen Sportarten – es sind 36 Sportarten und 62 Disziplinen – wird das sicherlich ebenfalls der Fall sein. Zum wirtschaftlichen Mehrwert: Wir wissen, was allein Marathonveranstaltungen – Berlin-Marathon oder Hamburg-Marathon –, an denen, meine ich, 18 000 bis 20 000 Starterinnen und Starter teilnehmen, zusätzlich für die Gastronomie erbringen. Ich habe keine Schätzzahlen, was das bei den World Games ausmacht. Aber das ist nicht nur ein Geschäft, bei dem ein richtig großer Umsatz erzielt wird. Ich gebe Ihnen an der Stelle recht, dass wir noch mal sehr intensiv dafür werben müssen, dass das Ganze nicht nur im Red-Bull-Fernsehen vermarktet wird, sondern auch in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kommt. (Ministerin Theresa Schopper) Ich nenne ein Beispiel von den Special Olympics, die in Berlin stattfanden. Das war ein wunderbares Sportfest, das gerade den Special Olympics einen Riesenpush gegeben hat. Es ist gerade auch für die Special-Olympics-Bewegung ein absolut wichtiges Zeichen: „Wir gehören dazu, wir sind mit dabei.“ Gleichzeitig müssen wir sehen: Es handelt sich um Sportarten, die nicht in unserem öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen. Insgesamt werden in vielen Bereichen Sportarten wenig rezipiert, auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das läuft dann in 60 Sekunden unter „Sport aus aller Welt“. Wir wollen darüber mit den Sportredaktionen noch mal sprechen, denn das sind spannende Wettbewerbe. Es ist für Karlsruhe, aber auch für Baden-Württemberg insgesamt eine große Chance, dass wir uns nicht nur ins Schaufenster stellen, sondern sich auch ein Erfolg für unser Sportland einstellt, ebenso wie bei den anderen Sportveranstaltungen, die 2027 stattfinden und die ich vorhin genannt habe.
