Kay Rittweg
Vielen Dank für das Wort. – Herr Minister, meine Frage: Welche methodischen Grenzen der PISA-Studie hält die Landesregierung für besonders relevant, wenn aus internationalen Vergleichsdaten konkrete bildungspolitische Maßnahmen für Baden-Württemberg abgeleitet werden? Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob PISA-Ergebnisse hierfür eine hinreichend belastbare empirische Grundlage darstellen? Minister für Kultus Andreas Jung: Um es klar zu sagen: Aus den PISA-Ergebnissen können konkret für Baden-Württemberg nicht 1 : 1 Befunde hergeleitet werden, schon deshalb, weil Baden-Württemberg gar nicht für sich als Bundesland genau betrachtet wird, sondern weil Staaten miteinander verglichen werden. Wir nehmen wahr, dass nicht nur aufgrund der PISA-Studien, sondern auch aufgrund der IQB-Erhebungen, die ja die Buniode – 12. Sitzung – Mittwoch, 7. Oktober 2026 desländer in den Blick nehmen, sich Befunde verdichten. Dazu gehört leider – wie vorhin gesagt – der Befund, dass die soziale Schere eher auseinandergeht als geschlossen wird. Über einzelne Maßnahmen muss in der Praxis, in der Wissenschaft und dann in der Politik diskutiert werden. Da nehme ich einfach wahr, dass sich – nie völlig im Konsens, sondern es gibt ja zum Glück politisch und wissenschaftlich immer Debatten – aber doch ein breiter Konsens abzeichnet. Demnach ist es jedenfalls richtig und notwendig, mehr in frühkindliche Bildung zu investieren, weil hier so wichtige Weichen gestellt werden. Es ist jedenfalls richtig und notwendig, Grundkompetenzen – Lesen, Schreiben, Rechnen – zu stärken. Es ist jedenfalls richtig, Qualitätssicherung voranzutreiben. Das kann man nicht 1 : 1 aus PISA herauslesen, aber es ist aus meiner Sicht ein Gegenstand der Debatte – ich sage einmal: in Abgrenzung zu anderen Vorschlägen. Sie verfolgen ja eher den Vorschlag, dass man die Schulpflicht aufhebt und Homeschooling stärkt. Da kann ich nicht wahrnehmen, dass dies in der Wissenschaft oder in der Praxis als ein vielversprechender Weg gesehen würde. Deshalb führen wir ja politische Debatten. Da haben wir einen grundsätzlich ganz anderen Weg. Aber das jedenfalls sind die Überlegungen, auf die wir uns dabei stützen und die es zunächst wissenschaftlich und dann politisch zu werten und zu diskutieren gilt, um daraus entsprechende Konzepte zu entwickeln. (Beifall bei den Grünen und der CDU)
