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Muhterem Aras

07.10.2026 Sitzungen 18/12

Vielen Dank, Frau Abg. Knorr. – Für die Landesregierung erteile ich das Wort Herrn Minister Jung. Minister für Kultus Andreas Jung: Frau Präsidentin, Frau Abgeordnete, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Vorneweg: Die Befunde der PISA-Studie treffen uns ins Mark. Sie treffen uns ins Mark, weil sie zeigen, dass in Deutschland – das ist ja ein Befund, der nicht auf Bundesländer heruntergebrochen wird, sondern Deutschland insgesamt ist hier untersucht worden – Grundkompetenzen, die abgefragt wurden – Lesen, Schreiben, Naturwissenschaften, Problemlösung –, so schlecht sind wie nie, seit die PISA-Studien gemacht werden. Es ist allerdings so – diese Debatte haben wir in Baden-Württemberg zu führen –, dass dieser Befund nicht nur bei uns, europaweit, sondern weltweit gilt. Die Fertigkeiten, Kompetenzen sind international leider schlechter geworden. Das enthebt uns nicht davon, die Debatte zu führen; ich will es nur zur Einordnung sagen. Deutschland liegt überwiegend im bzw. etwas über dem OECD-Schnitt. Das kann uns überhaupt nicht zufriedenstellen. Zweite Bemerkung: Was insbesondere ein Tiefschlag ist – das will ich so klar benennen –, ist, dass wir bei dem Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland nicht im Mittelfeld sind, sondern im hinteren Feld liegen. Das kann uns nicht ruhen lassen, weil es hier um einen Kernpunkt geht – und damit zu Baden-Württemberg –, der gerade auch uns, die Landesregierung, antreibt: gleiche Chancen für jedes Kind, egal, welche Herkunft die Eltern haben, Aufstieg durch Bildung. Es geht um einen Kernbereich der sozialen Marktwirtschaft. Deshalb kann uns das nicht ruhen lassen. Deshalb können wir auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Auch wenn der Befund für Deutschland insgesamt gilt, sehen wir hier Herausforderungen für Baden-Württemberg. Wir dürfen feststellen, dass wir auf Dinge aufbauen können, die in den letzten Jahren im Bereich der frühkindlichen Bildung, im Bereich der Stärkung der Grundkompetenzen Schreiben, Lesen, Rechnen und bei der Verbesserung der Qualität des Bildungssystems angestoßen worden sind. Darauf können wir aufbauen. (Minister Andreas Jung) Trotzdem haben wir noch einmal neu Fragen zu stellen. Die Frage war, was wir anstoßen. Ja, wir stoßen noch einmal einen neuen Prozess an, indem wir fragen, was wir zusätzlich tun können neben dem, was gemacht wurde und was wir im Koalitionsvertrag haben – letztes Kindergartenjahr –, um Defizite früher zu erkennen und um kindgerecht so zu fördern, dass die Kinder zu Beginn der Grundschule gut Deutsch sprechen können und gut entwickelt sind. Wir fragen, was wir zusätzlich tun können, um – aufbauend auf bestehenden Initiativen – etwa mit Lesebändern, Schreibbändern und Rechenbändern die Grundkompetenzen zu fördern, damit am Ende ihrer Grundschulzeit nicht mehr wie bisher 20 % der Kinder hier Defizite aufweisen. Ganz generell: Was können wir tun, um in allen Schularten Qualität zu stärken? Hier sind in Baden-Württemberg früher als in anderen Bundesländern Prozesse aufgelegt worden – datengestützte Schulentwicklung. Aber auch da werden wir fragen, was wir zusätzlich machen können, um unbedingt Qualität zu erreichen, weil wir natürlich nicht nur, aber auch aus einem Wettbewerbsgedanken heraus bei diesem Test lieber vorn als im Mittelfeld oder gar im hinteren Bereich stehen wollen. Vor allem treibt uns die Frage an, was wir für die Kinder, für die Jugendlichen, für die Schülerinnen und Schüler tun können, um die besten Voraussetzungen in unserem Land zu schaffen. Deshalb lohnt sich die Anstrengung, zu fragen, was wir tun können, um Qualität in all unseren Schularten zu sichern. Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg. Was können wir hier tun, um die Schere zu schließen? Sie ist in den letzten Jahren leider weiter auseinandergegangen. Da gibt es nicht die eine Antwort. Aber ich will und wir wollen die Frage stellen, wie wir diese Kinder durch noch bessere Angebote in der Nachmittagsbildung unterstützen können. Die Frage ist, was wir tun können, damit Kinder und auch Jugendliche, bei denen die Eltern nicht zu Hause bei den Hausaufgaben helfen, bei denen es diese Unterstützung nicht gibt, einen Raum haben, einen Lernort, einen Lebensort mit Angeboten, wo am Vormittag, aber auch am Nachmittag durch die Verbesserung von Ganztagsangeboten Lernen, Betreuung, Pausen und Bewegung so ineinandergreifen, dass wir diese Schüler bestmöglich unterstützen. Dazu haben wir noch keine Antworten, aber wir sind bereit, eine gesellschaftliche Debatte darüber zu führen. Wir müssen die Eltern erreichen und die Verantwortlichen in den Kommunen mitnehmen. Klar ist: Wir können diese Befunde nicht einfach zu den Akten nehmen und zur Tagesordnung übergehen, sondern es muss uns umtreiben. Deshalb werbe ich dafür, dass wir nicht so vorgehen, wie so oft bei solchen Befunden vorgegangen wird, indem sich durch solche Ergebnisse alle darin bestätigt fühlen, was sie schon immer für richtig gehalten haben. Das gehört zum politischen Prozess dazu, aber es sollten alle überlegen, wo wir weiterdenken müssen, wo wir Dinge anders machen müssen, wo wir Dinge besser tun können. Das haben wir uns in der Koalition gemeinsam mit den Fraktionen vorgenommen, und genau so wollen wir es angehen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) iode – 12. Sitzung – Mittwoch, 7. Oktober 2026

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