Isabell Huber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Lassen Sie uns zurückbeamen: Mitte August, Mittagszeit im schönen Schwarzwald, keine Wolke am Himmel, die Sonne brennt, staubtrockene Felder, braune Wiesen; der zweite oder dritte Schnitt ist teilweise komplett ausgefallen. (Abg. Anton Baron AfD: Waren Sie da im Strand- korb?) Während sich draußen die Hitze ausbreitet – – Das Thema ist gerade ernst. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD – Abg. Miguel Klauß AfD: Sie re- det von einem wunderbaren Sommertag!) – Danke schön; da sieht man wieder, wie ernst Sie die Landwirtschaft tatsächlich nehmen. – Während sich draußen die Hitze ausbreitet, stehen im Stall die Kühe. Sie brauchen Wasser, sie brauchen Futter, sie brauchen Kühlung. Der Landwirt sagt ganz klar, das Futter, das er momentan verfüttert, wäre der Vorrat für den Winter, und er weiß nicht, ob das Futter reicht. Vor allem aber weiß er: Wenn es nicht reicht, muss er es teuer zukaufen. Dann stellt sich dieser Landwirt die Frage: Habe ich das Geld, um dieses Futter zuzukaufen, oder muss ich gegebenenfalls Tiere schlachten? Das ist die Realität, vor der viele Milchvieh- und Rinderhalter in unserem Land stehen. Besonders hart ist die Situation auch für die ökologische Landwirtschaft und für Heumilchbetriebe. Ebenso von dieser Hitze betroffen sind wasserintensive Sonderkulturen, der Apfel- und Weinbau, der Gemüseanbau, Getreide- und Druschfrüchte und eigentlich fast alle Sorten, die ein bisschen später reif geworden sind. Das betrifft diese mehr als die, die früher dran gewesen sind. Dabei muss uns allen eines klar sein: Hinter jeder Prozentzahl in der Statistik steht ein Hof, und hinter jedem Ertragsverlust steht ein landwirtschaftlicher Betrieb. Hinter jedem landwirtschaftlichen Betrieb stehen dann wiederum Familien, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Investitionen und Verantwortungen. Deshalb müssen wir heute – wie es der Kollege Hahn gesagt hat – über mehr sprechen als über die Ernte 2026. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen darüber sprechen, wie wir die Land- und Forstwirtschaft in unserem Land widerstandsfähiger machen. (Beifall bei der CDU und den Grünen) Denn der Klimawandel findet in unseren Wäldern, in unseren Weinbergen, auf unseren Äckern und Wiesen statt – schon gestern, schon heute und auch morgen. Wir müssen die Betriebe dabei unterstützen, in veränderte Bedingungen bei Stallklimatisierung, Agroforst, Agri-PV und vieles mehr zu investieren. Wir müssen unsere Züchtungsforschung stärken. Das (Isabell Huber) Wissen muss schneller aus Forschung und Versuchswesen in die Praxis kommen. Wir brauchen mehr Wasserrückhalt und Speicher in der Fläche, moderne und effiziente Bewässerungssysteme und vor allem intelligente Beregnungssysteme. Wassermanagement ist keine Frage für irgendwann, es ist eine Frage der landwirtschaftlichen Existenz von heute. Deshalb bin ich auch unserem Ausschussvorsitzenden sehr dankbar, dass wir dieses Thema auch auf Anträge der CDU-Fraktion hin zum Gegenstand einer Anhörung machen werden. Das ist ein ganz, ganz wichtiges und essenzielles Zukunftsthema nicht nur für andere Bereiche, sondern vor allem auch für die Landwirtschaft. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Winfried Mack CDU: Sehr gut!) An dieser Stelle geht mein Dank an unsere Landwirtschaftsministerin Marion Gentges, die im August schnell Entscheidungen getroffen und wirklich wichtige Hilfen auf den Weg gebracht hat. Kollege Hahn hat bereits einige beispielhaft genannt. Dazu gehören bis zu 5 Millionen € für Futterhilfen, FAKT-Flächen, die für Fütterungsnutzung freigegeben werden, und für Ökobetriebe wurde der Katastrophenfall ausgesprochen. Liquiditätshilfen, Steuersenkungen und, ja, auch die steuerlichen Risikoausgleichsrücklagen möchte ich hier erwähnen. Da hätten wir uns definitiv ein anderes Abstimmungsverhalten gewünscht. Ich appelliere an die Landesregierung, dass man hier vielleicht noch etwas weiter geht und das tatsächlich auf den Weg bringt; denn die Agrarministerkonferenz hat sich ja klar dafür ausgesprochen. (Beifall bei der CDU und des Abg. Martin Hahn GRÜNE) Andere Maßnahmen werden von uns schon lange gefördert, erforscht und erprobt, beispielsweise die Förderung von Bewässerungssystemen im Weinbau, smarte Drainagen oder auch die Züchtung von klimaresilienten Sorten. Da passiert schon sehr viel. Diese Maßnahmen sind wichtig. Wie wir in diesem Sommer auch gesehen haben, sind sie existenznotwendig. Vor allem die Verfügbarkeit von Wasser – das möchte ich noch einmal ganz klar betonen – hat einen sehr großen Stellenwert. Das ist letzten Endes auch der Schlüsselfaktor für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft in unserem Land. Wir müssen diesen Weg also gemeinsam konsequent weitergehen, denn wir alle wollen auch in Zukunft eine starke Landwirtschaft und vitale ländliche Räume mit regionalen Lebensmitteln made in Baden-Württemberg. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)
