Emely Knorr
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, liebe Gäste! Stellen Sie sich eine junge Lehrerin vor. Sie hat jahrelang studiert, sie hat Prüfungen bestanden, Unterricht vorbereitet, Elterngespräche geführt und Verantwortung für Kinder übernommen. Und was erwartet sie nach ihrer letzten erfolgreich bestandenen Prüfung? Nicht etwa der nahtlose Berufseinstieg, den sie verdient hätte, sondern erst einmal der Gang zur Arbeitsagentur. Genau das geschieht jedes Jahr zahlreichen angehenden Lehrkräften hier in Baden-Württemberg, und das, obwohl Lehrermangel und Unterrichtsausfall auch im kommenden Schuljahr ein großes Problem bleiben werden. Das zeigt nicht nur den bildungspolitischen Widerspruch, nein, wir sprechen hier auch über soziale Verantwortung. (Beifall bei der AfD) Denn die Mieten, die Stromkosten und der Einkauf im Supermarkt bleiben ja auch in den Sommerferien nicht aus, und gerade junge Lehrkräfte, junge Berufseinsteiger verfügen oft nicht über die nötigen finanziellen Rücklagen. Diese Wochen ohne Einkommen führen bei vielen unter ihnen zu erheblichen Belastungen. (Beifall bei der AfD – Abg. Sandro Scheer AfD: So ist es! – Abg. Miguel Klauß AfD: Sehr gut!) Bereits im letzten Jahr beendeten über 3 600 angehende Lehrkräfte ihren Vorbereitungsdienst, und auch in diesem Sommer gehen wieder zahlreiche Absolventen zunächst leer aus. Gleichzeitig aber suchen unsere Schulen doch händeringend nach Verstärkung. Unterricht fällt aus, Klassen werden zusammengelegt, und die Kollegien arbeiten vielerorts an ihrer Belastungsgrenze. Wir sprechen doch ständig von Lehrkräftemangel, gleichzeitig aber schicken wir gut ausgebildetes Fachpersonal erst einmal in die Arbeitslosigkeit. Meine Damen und Herren, das ist eine widersprüchliche Politik und sendet das falsche Signal. (Beifall bei der AfD) Doch die Sommerarbeitslosigkeit ist nur ein Teil des Problems. Denn wer den Lehrkräftemangel wirklich bekämpfen will, braucht natürlich ein Gesamtkonzept. Dazu gehört auch, erfahrene Lehrkräfte nach dem Erreichen der Altersgrenze auf freiwilliger Basis, auch in Teilzeit, weiter im Schuldienst zu halten und dafür attraktive Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehören bessere Arbeitsbedingungen wie kleinere Klassen durch niedrigere Klassenteiler, mehr Zeit für jedes einzelne Kind und eine spürbare Entlastung für Lehrkräfte, für Schüler und die Eltern. (Beifall bei der AfD) Lehrkräfte müssen außerdem von Verwaltungsaufgaben befreit werden. Lehrer sollen doch unterrichten und sich um ihre Schüler kümmern können und nicht immer mehr Bürokratie bewältigen müssen. Dafür brauchen unsere Schulen mehr Verwaltungsfachkräfte. Die Landesregierung verweist selbstverständlich auf die zusätzlichen Kosten. Allein für die Schließung der Sommerlücke bei den Referendaren nennt sie Mehrkosten in Höhe von rund 11,5 Millionen €. Ja, das ist viel Geld. Doch die eigenteriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 liche Frage lautet doch: Was kostet es uns, nichts zu tun? Auch Unterrichtsausfall, Vertretungsunterricht und Arbeitslosigkeit verursachen bekanntlich Kosten; vor allem aber kosten sie die Kinder Bildungschancen, Lernerfolg und Zukunftsperspektiven. (Beifall bei der AfD – Abg. Sandro Scheer AfD: So ist es!) Meine Damen und Herren, Lehrer vermitteln nicht nur Wissen. Sie erziehen, sie begleiten, schlichten Konflikte und sorgen Tag für Tag dafür, dass Schule funktioniert. Umso mehr steht die Landesregierung in der Verantwortung, dafür das richtige Fundament zu schaffen. Wir brauchen einen verlässlichen und bezahlten Übergang zwischen Vorbereitungsdienst und Schuldienst. Vor allem aber braucht es endlich eine langfristige Strategie auf der Basis einer aussagekräftigen Erfassung von Ausbildungsabbrüchen und Abwanderung, ein besseres Arbeitsumfeld, weniger Bürokratie und spürbare Anreize für erfahrene Lehrkräfte. Herr Minister Jung, Sie haben angekündigt, die Sommerlücke schließen zu wollen. Lassen Sie dieser Ankündigung Taten folgen, und sorgen Sie für ein tragfähiges Gesamtkonzept gegen den Lehrkräftemangel hier bei uns in Baden-Württemberg. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
