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Clara Resch

GRÜNE 22.07.2026 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich möchte die Vertreter des Handwerks auf der Besuchertribüne begrüßen. Ich fange heute mit der guten Nachricht an: Die Ausbildungszahlen im Handwerk steigen. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Der Trend setzt sich bundesweit fort. Wir steuern auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Ausbildungszahlen zu: fast 5 % mehr neue Ausbildungsverträge im ersten Halbjahr und so viele Neuverträge in einem Juni wie zuletzt im Jahr 2018. Diese Zahlen heißen ganz konkret: Mehr Betriebe finden Nachwuchs, mehr junge Menschen qualifizieren sich zu den Fachkräften sowie Meisterinnen und Meistern von morgen. Unternehmensnachfolgen werden wahrscheinlicher, und die Menschen, die morgen Wärmepumpen einbauen, Brücken sanieren, Maschinen warten, Bäder modernisieren und Dächer decken, werden heute ausgebildet. (Clara Resch) Dieser Erfolg schafft Verantwortung. Das ist unser Auftrag für die nächsten fünf Jahre. Junge Menschen trauen dem Handwerk Zukunft zu – zu Recht! Denn die Generation, die sich heute für einen Beruf entscheidet, sieht jeden Tag, wie das Handwerk die großen Aufgaben unserer Zeit löst: wenn der Elektriker die Ladesäule anschließt, wenn die Zimmerin den Dachstuhl saniert oder wenn die alte Ölheizung gegen eine Wärmepumpe ausgetauscht wird. Das Handwerk ist breit aufgestellt – von der Grundversorgung bis zum Kunsthandwerk, vom Zimmerer, der einen Balken repariert, bis zum Kunstschreiner, der einen intarsiengeschmückten Sekretär restauriert. Wäre das Handwerk eine Fischhandlung, fände sich dort alles – vom guten Backfisch bis zur Languste. Gerade in einer Zeit, in der vieles virtuell entsteht, schafft das Handwerk etwas Bleibendes. Es verbindet Wissen, Können und Ideen mit ihrer Umsetzung. Dafür verdienen die Auszubildenden in unserem Land eine moderne Ausbildungsinfrastruktur. Dieser Erfolg im Handwerk verpflichtet uns, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für eine gute Ausbildung zu schaffen. Gute Ausbildung braucht mehr als moderne Werkstätten. Sie braucht auch Betriebe, die Zeit haben, auszubilden. Deshalb gehört für mich auch Bürokratieabbau zu einer guten Handwerkspolitik. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Jede Stunde, die Handwerkerinnen und Handwerker mit unnötigen Berichts- oder Dokumentationspflichten verbringen, (Zuruf von der AfD) fehlt im Betrieb, auf der Baustelle oder bei der Ausbildung. Mit unserem Effizienzgesetz bauen wir genau solche überflüssigen Vorgaben ab. Berichts- und Dokumentationspflichten laufen bis Ende 2027 aus. Das entlastet die Betriebe ganz konkret. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Genauso wichtig ist eine moderne Ausbildungsinfrastruktur. Mit einem Anteil von 30 Millionen € aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur, den wir für die überbetrieblichen Ausbildungsstätten eingeplant haben, haben wir ein wichtiges Signal gesetzt. Aber dieser Weg muss jetzt weitergehen. Leistungsfähige überbetriebliche Bildungsstätten mit einer soliden Finanzierung sind die Voraussetzung dafür, dass aus den Auszubildenden von heute die Fachkräfte und Meisterinnen von morgen werden. Die Initiative „Horizont Handwerk“ ist dabei ein Grundpfeiler unserer Handwerkspolitik. Für mich ist klar, woran wir unsere Handwerkspolitik in den kommenden fünf Jahren messen lassen müssen. Mehr junge Menschen sollen sich für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden, mehr Gesellinnen und Gesellen sollen den Meisterbrief machen, mehr Betriebe sollen eine Nachfolge finden. Dann sichern wir die Fachkräfte von morgen, dann sorgen wir dafür, dass Baden-Württemberg auch in Zukunft das Land bleibt, in dem das Handwerk stark ist, Betriebe eine Perspektive haben und junge Menschen beste Chancen auf Ausbildung, beruflichen Aufstieg und den Schritt in die Selbstständigkeit finden. eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Für diesen Weg braucht die nächste Generation von Handwerkerinnen und Handwerkern attraktive Entwicklungsperspektiven – bis hin zum Meisterbrief. Der Titel „Meister“ steht für Qualität, Verantwortung und Unternehmergeist – typischer für Baden-Württemberg geht es gar nicht. Das ist unsere Stärke; das sind wir. Meisterinnen und Meister bilden aus, übernehmen Betriebe und schaffen Arbeitsplätze. Die Meisterprämie ist ein klares Signal der Wertschätzung für alle, die diesen Weg gehen. Denn wir brauchen sowohl Master als auch Meister – und beides ist gleich viel wert; der Kollege Carl Christian Hirsch hat das auch schon gesagt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir, die grüne Fraktion, und unser Fraktionsvorsitzender unterstützen eine Erhöhung der Meisterprämie zur Stärkung des Handwerks. Gerade die Unternehmensnachfolge wird in den kommenden Jahren für viele Betriebe zur entscheidenden Frage. Ob die Dorfbäckerei weiter öffnet, der Metallbauer einen Nachfolger findet oder der Sanitärbetrieb vor Ort erhalten bleibt, entscheidet sich oft daran, ob jemand da ist, der Verantwortung übernimmt. Meisterprämie, „Horizont Handwerk“ und überbetriebliche Bildungsstätten stehen auf der Agenda der grünen Fraktion. Wir investieren gezielt in die Zukunft des Handwerks. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Das Handwerk schafft Neues, das Handwerk erhält aber auch Bestehendes. Es repariert, modernisiert und verlängert die Lebensdauer von Gebäuden, Maschinen und Produkten. Darin steckt eine besondere Stärke des Handwerks. Es erkennt den Wert dessen, was bereits vorhanden ist. Nicht alles muss ersetzt werden. Oft reicht das Können einer Handwerkerin oder eines Handwerkers, damit etwas viele Jahre länger genutzt werden kann. Für das Handwerk ist Reparieren nichts Neues. Neu ist, dass dieser Gedanke jetzt auch rechtlich stärker verankert wird. Das europäische Recht auf Reparatur ist ein Schritt in diese Richtung. Es stärkt das, was Handwerkerinnen und Handwerker seit Generationen tun: erhalten statt ersetzen. Damit das Handwerk auch künftig erhalten, reparieren und modernisieren kann, braucht es gut ausgebildete Fachkräfte, engagierte Meisterinnen und Meister sowie Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb sind die steigenden Zahlen bei den Ausbildungsverträgen wirklich eine gute Nachricht. Sie sind noch mehr als das. Dieser Erfolg ist ein Vertrauensbeweis, ein Beweis des Vertrauens junger Menschen ins Handwerk, in seine Zukunft und in die Chancen, die dieses Berufsfeld eröffnet. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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