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Clara Schweizer

GRÜNE 22.07.2026 Sitzungen 18/9

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Letzte Woche hat mir meine Tante aus Grabenstetten ein Bild von einem tennisballgroßen Hagelkorn geschickt. Bei dem Unwetter wurde sie am Kopf verletzt. Auch Autos und Gebäude wurden beschädigt. So war es nicht nur in Grabenstetten; vielmehr kam es in vielen Orten in Baden-Württemberg in den letzten Wochen immer wieder zu heftigen Unwettern. Gleichzeitig haben wir alle mit der extremen Hitze und der Trockenheit gekämpft. In Waghäusel wurde sogar ein neuer Hitzerekord für Baden-Württemberg gemessen: 40,6 Grad Celsius. (Abg. Miguel Klauß AfD: Sehr schön!) eriode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 Die vergangenen Wochen haben uns erneut vor Augen geführt, wie verletzlich unser Land gegenüber den Folgen der Klimakrise ist. Wir erleben nicht mehr nur einzelne Extremwetterereignisse, sondern eine neue Realität. Diese Realität ist nicht einfach hinzunehmen. Vielmehr sind die Menschen zu schützen und ist um jedes Zehntelgrad zu kämpfen. Das ist seit vielen Jahren mein politischer Antrieb. Meine Damen und Herren, unsere Antwort auf die Klimakrise muss entschlossenes Handeln sein; (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) denn die Folgen dieser neuen Realität reichen längst in alle Bereiche unseres Lebens: Die Folgen der Klimakrise treffen die Natur und den Wasserhaushalt. Wälder leiden unter Trockenstress, Bäche trocknen aus, Flusspegel sinken, und die Waldbrandgefahr steigt. Die Folgen treffen auch die Landwirtschaft in unserem Land. Hitze, Trockenheit und Hagel gefährden Ernten und verwüsten Obstplantagen. (Zuruf des Abg. Daniel Rottmann AfD) Sie treffen unsere Infrastruktur: Straßenbeläge platzen auf, Schienen verformen sich, Autobahnen werden gesperrt. Sturzfluten führen zu Erdrutschen, Unwetter beschädigen Dächer und Stromleitungen. Die Folgen der Klimakrise treffen aber auch die Wirtschaft in unserem Land: Bauunternehmen müssen Arbeiten einstellen, Produktionsprozesse werden gedrosselt, und Niedrigwasser behindert die Binnenschifffahrt, was Transporte richtig teuer macht. Prognos hat berechnet, dass Deutschland ein einzelner Hitzetag, an dem die Temperatur bei über 30 Grad Celsius liegt, über 430 Millionen € kostet. (Abg. Miguel Klauß AfD: So ein Quatsch! Weil die Leute im Schwimmbad sind, oder was? Junge, Jun- ge, Junge!) Ganz besonders trifft es uns Menschen. Krankenhäuser berichten von zunehmenden Notfällen, und Pflegeeinrichtungen warnen vor Überlastung. Besonders ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke sind gefährdet. Bis Ende Juni sind in Deutschland rund 5 100 Menschen an den Folgen der extremen Hitze gestorben. Das sind die traurigen Folgen der menschengemachten Erderwärmung, die wir seit Jahrzehnten wissenschaftlich erfasst haben und deren Auswirkungen wir heute in Echtzeit erleben. Der Klima-Sachverständigenrat hat in seinem aktuellen Impulspapier festgestellt: Der klimatische Lebensraum Baden-Württembergs befindet sich in einem tiefgreifenden systemischen Wandel. Die Klimakrise trifft uns hier und jetzt; sie trifft unsere Natur, sie trifft unsere Wirtschaft, sie trifft uns Menschen. Deshalb ist für mich klar: Wenn wir unsere Lebensgrundlagen hier in Baden-Württemberg schützen wollen, dann müssen wir jetzt konsequent Klimaschutz und Klimaanpassung umsetzen. (Clara Schweizer) (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Miguel Klauß AfD: Kaufen Sie sich doch ei- ne Klimaanlage und genießen Sie das Wetter!) Baden-Württemberg steht aber bei der Klimaanpassung nicht am Anfang, sondern ist längst auf einem guten Weg. Mit der Klimaanpassungsstrategie hat das Land früh einen wissenschaftlich fundierten Rahmen geschaffen, der klar benennt, wo Baden-Württemberg besonders vulnerabel ist und welche Handlungsfelder wir konkret angehen müssen. Diese Maßnahmen werden bereits umgesetzt, z. B. beim Waldumbauprogramm, beim Masterplan Wasserversorgung oder ganz aktuell bei der Taskforce „Gesundheitlicher Hitzeschutz“. Um ganz konkret Verbesserungen auch vor Ort zu erreichen, gibt es KLIMOPASS. KLIMOPASS bringt mit der Neuausrichtung Klimaanpassung sichtbar in die Kommunen. Es schafft kühle Orte, (Abg. Miguel Klauß AfD: Klimaanlage!) wo heute die Hitze steht, schützt durch Schwammstadtprojekte vor Überflutungen, verwandelt versiegelte Plätze in grüne Inseln. Ich danke an dieser Stelle auch unserer Umweltministerin Thekla Walker. Denn es war ein wichtiger Schritt, (Lachen des Abg. Miguel Klauß AfD) dass wir mit der Novellierung des Klimagesetzes kommunale Klimaanpassungskonzepte verpflichtend gemacht haben. Dadurch sind bereits viele Städte, Gemeinden und Landkreise auf dem Weg, Klimaanpassung konkret vor Ort umzusetzen. Baden-Württemberg nimmt damit eine Vorreiterrolle ein. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Damit die Kommunen aber diese Maßnahmen umsetzen können, müssen wir sie unterstützen. Denn wir wissen, wie angespannt die kommunale Haushaltslage derzeit ist. Dabei gilt, was unser Ministerpräsident Cem Özdemir in seiner Regierungserklärung betont hat: (Abg. Emil Sänze AfD: Wir stellen das Klima ab!) Klimaschutz und Klimaanpassung gelingen nur als gemeinsame Kraftanstrengung mit unseren Kommunen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Der Investitionsbedarf bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort ist enorm. Deshalb wollen wir unsere Städte und Gemeinden bei Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung schnell, gezielt und unbürokratisch unterstützen. (Abg. Miguel Klauß AfD: Und was bringt das denn genau?) So erhalten sie den notwendigen finanziellen Spielraum für konkrete Maßnahmen vor Ort, beispielsweise für die energetische Sanierung von Schulen und anderen kommunalen Gebäuden. Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag auch weitere wichtige Schritte vereinbart. Zum einen wollen wir ein Finanzielperiode – 9. Sitzung – Mittwoch, 22. Juli 2026 rungsgesetz für Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung schaffen, zum anderen wollen wir die Eigenkapitalbasis unserer Stadtwerke als zentrale Akteure der Energiewende vor Ort stärken. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Sie sehen: Das Land investiert gemeinsam mit den Kommunen in Klimaschutz und Klimaanpassung, (Zuruf des Abg. Emil Sänze AfD) und das ist auch richtig und gut. Das lohnt sich nämlich auch finanziell. Die EU-Kommission sagt es deutlich: Jeder Euro für Klimaanpassung spart bis zu vier weitere Euro an zukünftigen Schäden, und jeder Euro für Klimaschutz spart noch einmal das Doppelte. Klimaanpassung und Klimaschutz sind also nicht nur ökologisch notwendig, sondern ökonomisch auch sehr rentabel. Und zusätzlich – das wird in der Diskussion häufig vergessen – gewinnen wir an Lebensqualität. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Aber, meine Damen und Herren, die beste Klimaanpassung bleibt konsequenter Klimaschutz. Denn jedes Zehntelgrad, das wir verhindern, begrenzt die Schäden und verringert den Aufwand, den wir später für die Anpassung leisten müssen. Es gibt kaum eine bessere Investition als die in Klimaschutz und Klimaanpassung. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Ansgar Mayr CDU – Abg. Miguel Klauß AfD: Wollen Sie die to- tale wirtschaftliche Zerstörung?) Doch bei all diesen Zahlen dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, worum es im Kern geht, nämlich unsere Zukunft. Ich bin 23 Jahre alt, und ich möchte die junge Perspektive mit in den Landtag einbringen. Meine Generation wird mit den Entscheidungen, die wir hier treffen, noch lange leben müssen. Deshalb sehe ich diesen Landtag auch hier in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass meine, Ihre und kommende Generationen trotz der Klimakrise noch ein gutes Leben in Baden-Württemberg führen können. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ich freue mich auf die weitere Debatte. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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