Nadyne Saint-Cast
Vielen Dank. – Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren – wie ich sehe, sind auch viele junge Menschen hier; das freut mich bei diesem Thema besonders –, liebe Kolleginnen und Kollegen! Baden-Württemberg – das wissen wir hier im Landtag nur zu gut – ist das Land der Tüftlerinnen und Tüftler, der Denkerinnen und Denker. Viele Erfindungen, die unsere Welt verändert haben, stammen aus Baden-Württemberg: das Fahrrad, das Auto, der Zeppelin und, ja, auch das Spaghetti-Eis, was sicher vielen lieb ist. Aber diese Innovationsgeschichte ist nicht zu Ende; auch heute werden in Baden-Württemberg tagtäglich viele Innovationen generiert: Operationsroboter, moderne Solarzellen oder die bildgebende künstliche Intelligenz. Entwickelt werden sie vielfach in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in unserem Land, aber auch in den Start-ups, und zwar in ganz enger Kooperation und Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft. Das zeichnet das Erfolgsmodell Baden-Württemberg aus. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Klar ist aber auch – das wissen wir, wenn wir die Zeitung aufschlagen oder die Nachrichten hören –: Wir stehen in einem harten internationalen Wettbewerb. Deswegen müssen wir gerade jetzt in Wissenschaft, Forschung und Innovation investieren, wenn wir tatsächlich auch morgen bei Zukunftstechnologien vorn mitspielen wollen. Und wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben genau das zum Ziel. Dank seines starken Hochschul- und Forschungssystems gehört Baden-Württemberg heute zu den innovativsten Regionen dieser Welt. Das sehen wir an Leuchtturmprojekten wie dem Cyber Valley, der Health + Life Science Alliance, aber auch an den vielen Hochschulausgründungen in unserem Land. Mit einem starken und auch exzellenten Hochschulsystem stehen wir bundesweit an der Spitze, was die Vielfalt der Hochschulen angeht, was die Vielfalt der Hochschulstandorte an- (Nadyne Saint-Cast) geht und auch, was die Exzellenz-Universitäten angeht. Da blicken wir natürlich gerade gespannt auf die Entscheidung im Herbst – vor allem ich als Freiburger Abgeordnete –, wie es hier weitergeht, auch für neue Universitäten. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Fundament, damit die Unternehmen und Mittelständler tatsächlich in allen Teilen unseres Landes erfolgreich wirtschaften können. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Wer Hochschulausgründungen besucht, der spürt eine unglaubliche Begeisterung, eine Leidenschaft der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Themen, für ihre Produkte, für ihre Lösungen, die sie für viele Probleme von heute entwickeln – in der Medizin, in der Umwelt-, der Energietechnik und eben auch bei der künstlichen Intelligenz oder im Quantencomputing. Ein Beispiel aus meinem Wahlkreis Freiburg hat mich kürzlich besonders beeindruckt. Dort wurde ein weltweit einzigartiger Schnelltest für Hautkrankheiten entwickelt. Diagnosen, die früher mehrere Wochen gedauert haben, können heute über ein Minilab innerhalb weniger Minuten vorgenommen werden. Das, verehrte Kolleginnen und Kollegen, verbessert ganz konkret das Leben von Millionen Menschen auf dieser Welt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Für diese Innovationen, die tatsächlich unser Leben, unsere Zukunft verbessern, braucht es nicht nur Menschen, die Mut haben, die bereit sind, neue Wege zu gehen, die gute Ideen haben, sondern es braucht auch die richtigen Rahmenbedingungen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir zusammen mit unserer Wissenschaftsministerin Petra Olschowski eine verlässliche Finanzierung unserer vielfältigen und exzellenten Hochschullandschaft und der Forschungseinrichtungen in unserem Land sichergestellt haben. Mit der Hochschulfinanzierungsvereinbarung sind wir bundesweit an der Spitze, was Planungssicherheit, was Verlässlichkeit in der Finanzierung für unseren Hochschulstandort angeht. Das ist enorm wichtig, damit wir die Ideen dann tatsächlich auch auf die Straße bringen können. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Denn die Gründerinnen und Gründer von morgen sitzen in Hörsälen, sie sitzen in Laboren, sie sitzen in Werkstätten, sie sitzen aber auch in Berufsschulen. Dort wird tatsächlich an den Schlüsseltechnologien von morgen gearbeitet. Ich habe es gesagt: Es geht um KI, Quantentechnologie, aber auch um Cybersicherheit – wir Abgeordneten spüren ja immer wieder, wie relevant dieses Thema ist –, um Medizintechnik und nachhaltige Energielösungen. Diese Investitionspolitik über die Hochschulfinanzierung, die ich genannt habe, ist erfolgreich. Baden-Württemberg investiert rund 5,6 % seines Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung. Damit, liebe Kolleginnen und Kollegen, liegen wir europaweit an der Spitze. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) periode – 6. Sitzung – Mittwoch, 10. Juni 2026 Aber genauso wichtig ist, dass wir die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung und Unternehmertum stärken. Dabei sind Gründungsökosysteme enorm wichtig, wie z. B. Start-up BW. Diese Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung und Unternehmen ist extrem gewinnbringend für die mittelständische Wirtschaft in unserem Land. Das konnte ich erst in dieser Woche wieder beim Jobmotor Südbaden erleben. Dort hat sich bei mir in der Region nochmals gezeigt: Verbunden hat alle dort ausgezeichneten mittelständischen Unternehmen – die sich dadurch auszeichnen, dass sie besonders viele Mitarbeitende einstellen, dass sie eine gute Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben, ob in der Medizintechnik oder in der Elektro- und Energietechnik –, dass sie eine enge Kooperation mit Hochschulen und mit Forschungseinrichtungen praktizieren. Genau an einer solchen Zusammenarbeit zeigt sich, wie mittelständische Unternehmen auch morgen noch die Hidden Champions sein können: dadurch, dass sie durch die enge Kooperation mit unseren Hochschulen, mit den Forschungseinrichtungen in unserem Land einen entscheidenden Schritt voraus sind. Das sind super Beispiele, die wir weiter in die Fläche tragen wollen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Unser Koalitionsvertrag spricht hier eine ganz klare Sprache: Wir wollen die Innovationscampusmodelle, INSPIRE BW und die NXTGN Startup Factory, die wirklich tolle Vernetzungsplattformen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind, weiter ausbauen, weiter stärken. Denn wir wissen leider auch – wir können uns deswegen hier auf den Ergebnissen nicht ausruhen –, dass zwar die Ideen, die Forschungsergebnisse, die Patente hier in Baden-Württemberg generiert werden, aber die Wertschöpfung zu häufig woanders hinfließt. Genau diese Lücke wollen wir schließen. Deshalb setzen wir in dieser Legislaturperiode einen ganz klaren Fokus auf Wissenschaft, Forschung, aber auch auf die Translation, den Transfer in den Wohlstand von morgen. Denn das ist unsere zentrale Herausforderung, vor allem in einer sich transformierenden Industrie. Deswegen verbessern wir die Voraussetzungen für Hochschulausgründungen z. B. durch ein Gründungsfreisemester, damit Studierende bereits im Studium den Mut und den Freiraum finden, sich selbstständig zu machen. Wir wollen Unternehmensgründungen schneller und unbürokratischer machen, sodass diese tatsächlich innerhalb von 48 Stunden – ein ambitioniertes Ziel – möglich sind. Wenn man Vertreter von Start-ups und Ausgründungen anhört, ist ein immer wiederkehrendes Thema – Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen, werden das sicher bestätigen – das fehlende Risikokapital. Das ist eine ganz zentrale Wachstumsbremse. Deshalb wollen wir gezielt – auch das haben wir in unserer Agenda verankert – Wagniskapital mobilisieren, damit junge Unternehmen ihre Ideen nicht nur in der Start-up-Phase in Form von Prototypen realisieren können, sondern tatsächlich erfolgreich auf dem Markt agieren können, um zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen. Denn unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen nicht nur ein starker Wissenschafts- und Forschungsstandort sein, sondern wir wollen auch erfolgrei- (Nadyne Saint-Cast) che Unternehmen; wir wollen Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier in Baden-Württemberg generieren. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Verehrte Kolleginnen und Kollegen, Sie sehen – davon sind wir wirklich überzeugt, und unser Koalitionsvertrag atmet genau diesen Spirit –: Wissenschaft, Forschung und Innovation sind keine Randthemen, sondern sie sind das Kernstück, damit wir zukunftsfähig bleiben und auch morgen noch unseren Wohlstand sichern. Unser Auftrag ist klar: Die Ideen von morgen sollen hier in Baden-Württemberg entstehen, aber sie sollen eben auch in erfolgreiche Unternehmen fließen, die weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinweg erfolgreich wirtschaften sollen. Das ist unser Ziel. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und der CDU)
