Muhterem Aras
Meine Damen und Herren, in der Allgemeinen Aussprache liegen jetzt keine weiteren Wortmeldungen vor. Wir kommen daher in der Zweiten Beratung zur A b s t i m - m u n g über den Gesetzentwurf Drucksache 17/10181. Abstimmungsgrundlage ist die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Verkehr, Drucksache 17/10259. Der Ausschuss empfiehlt Ihnen, dem Gesetzentwurf zuzustimmen. Ich rufe auf Artikel 1 mit den Nummern 1 bis 3 und stelle Artikel 1 insgesamt zur Abstimmung. Wer stimmt Artikel 1 zu? Ich bitte um das Handzeichen. – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Artikel 1 ist damit mehrheitlich zugestimmt. Ich rufe auf Artikel 2 Inkrafttreten Wer stimmt Artikel 2 zu? Ich bitte um das Handzeichen. – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Artikel 2 ist ebenfalls mehrheitlich zugestimmt. Die Einleitung lautet: „Der Landtag hat am 5. Februar 2026 das folgende Gesetz beschlossen:“. Die Überschrift lautet: „Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Planung, Organisation und Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs“. – Sie stimmen der Überschrift zu. Wir kommen zur S c h l u s s a b s t i m m u n g Wer dem Gesetz im Ganzen zustimmt, den bitte ich, sich zu erheben. – Vielen Dank. Gegenprobe! – Enthaltungen? – Damit ist dem Gesetz mehrheitlich zugestimmt und Punkt 9 unserer Tagesordnung erledigt. Vielen Dank. iode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 Ich rufe die Tagesordnungspunkte 10 bis 29 gemeinsam auf: Punkt 10: Beschlussempfehlung und Bericht des Ständigen Ausschusses zu dem Antrag der Landesregierung vom 20. Januar 2026 – Zugehörigkeit von Mitgliedern der Landesregierung zu Organen wirtschaftlicher Unternehmen – Drucksachen 17/10177, 17/10229 Berichterstattung: Abg. Hans Dieter Scheerer Punkt 11: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 26. November 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2021 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 6: Fördermittel-Bearbeitungs- und Informationssystem (FöBIS) schneller einführen – Drucksachen 17/9962, 17/10192 Berichterstattung: Abg. Dr. Uwe Hellstern Punkt 12: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 4. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2021 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 8: Management der IT-Lizenzen in der Landesverwaltung Baden-Württemberg – Drucksachen 17/10007, 17/10191 Berichterstattung: Abg. Dr. Uwe Hellstern Punkt 13: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 18. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2021 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 12: Ausgaben des Landes für die Förderprogramme „Start-up BW Pre-Seed“ und „Start-up BW Pro-Tect“ – Drucksachen 17/10083, 17/10189 Berichterstattung: Abg. Silvia Hapke-Lenz Punkt 14: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 2. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2022 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 14: Kosten- und Proj ektmanagement beim Neubau der John-Cranko-Schule in Stuttgart – Drucksachen 17/10002, 17/10184 Berichterstattung: Abg. Peter Seimer Punkt 15: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 19. No- (Präsidentin Muhterem Aras) vember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2023 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 7: IT der Regierungspräsidien – Drucksachen 17/9911, 17/10186 Berichterstattung: Abg. Frank Bonath Punkt 16: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 9. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2023 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 13: Zuschüsse für mittelstands- und handwerkspolitisch wichtige Maßnahmen – Drucksachen 17/10018, 17/10188 Berichterstattung: Abg. Silvia Hapke-Lenz Punkt 17: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 22. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2023 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 14: Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen – Drucksachen 17/10094, 17/10185 Berichterstattung: Abg. Rudi Fischer Punkt 18: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 10. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2024 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 6: Informationstechnik bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Drucksachen 17/10032, 17/10190 Berichterstattung: Abg. Ansgar Mayr Punkt 19: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 16. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Denkschrift 2024 des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg – Beitrag Nr. 16: Leitungen Dritter im Straßenkörper von Landesstraßen – Drucksachen 17/10078, 17/10187 Berichterstattung: Abg. Winfried Mack Punkt 20: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 18. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Geplanter Neubau der Justizvollzugsanstalt Rottweil – Drucksachen 17/10081, 17/10183 Berichterstattung: Abg. Daniela Evers ode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 Punkt 21: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung des Ministeriums für Finanzen vom 18. Dezember 2025 – Mittelfristige Finanzplanung des Landes Baden-Württemberg für die Jahre 2025 bis 2029 – Drucksachen 17/10082, 17/10193 Berichterstattung: Abg. Norbert Knopf Punkt 22: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Finanzen zu der Mitteilung der Landesregierung vom 23. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Stand der IT-Neuordnung – Drucksachen 17/10118, 17/10197 Berichterstattung: Abg. Frank Bonath Punkt 23: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zu der Mitteilung der Landesregierung vom 16. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung nach § 14 Absatz 3 und § 16 Absatz 2 Nummer 1 Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg – Drucksachen 17/10074, 17/10231 Berichterstattung: Abg. Jan-Peter Röderer Punkt 24: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu der Mitteilung der Landesregierung vom 20. Januar 2026 – Information über Staatsvertragsentwürfe; hier: Staatsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg, dem Freistaat Bayern, dem Land Rheinland-Pfalz und dem Saarland über die Zusammenarbeit im Bereich der Beseitigung tierischer Nebenprodukte – Drucksachen 17/10201, 17/10244 Berichterstattung: Abg. Klaus Hoher Punkt 25: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Integration zu der Mitteilung der Landesregierung vom 15. Dezember 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Überprüfung der Auswirkungen des Gesetzes zur Änderung des Gesundheitsdienstgesetzes – Eingliederung des Landesgesundheitsamtes in das Sozialministerium – Drucksachen 17/10076, 17/10227 Berichterstattung: Abg. Nikolai Reith Punkt 26: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Integration zu der Mitteilung der Landesregierung vom 23. Januar 2026 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Schlussbericht zur Umsetzung der Empfehlungen der Kommission Kinderschutz – Drucksachen 17/10215, 17/10226 Berichterstattung: Abg. Dr. Dorothea Kliche-Behnke (Präsidentin Muhterem Aras) Punkt 27: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zu der Mitteilung der Landesregierung vom 27. November 2025 – Bericht der Landesregierung zu einem Beschluss des Landtags; hier: Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes und des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes – Ergebnisse der Pflanzenschutzmittelreduktion – Drucksachen 17/9980, 17/10157 Berichterstattung: Abg. Jonas Weber Punkt 28: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Europa und Internationales zu der Mitteilung der Landesregierung vom 23. Dezember 2025 – Unterrichtung des Landtags in EU-Angelegenheiten; hier: Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission für 2026 – Drucksachen 17/10104, 17/10209 Berichterstattung: Abg. Alena Fink-Trauschel Punkt 29: Beschlussempfehlungen und Berichte der Fachausschüsse zu Anträgen von Fraktionen und von Abgeordneten – Drucksachen 17/10110, 17/10241 Gemäß § 96 Absatz 5 der Geschäftsordnung stelle ich die Zustimmung entsprechend dem Abstimmungsverhalten in den verschiedenen Ausschüssen fest. – Es ist so beschlossen. Der unter Punkt 30 aufgeführte Tagesordnungspunkt Kleine Anfragen hat sich erledigt, da alle für die heutige Plenarsitzung relevanten Kleinen Anfragen beantwortet wurden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit rufe ich unseren letzten Tagesordnungspunkt für heute auf, und zwar Tagesordnungspunkt 31: Schlussansprache der Präsidentin Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Arbeit des 17. Landtags von Baden-Württemberg ist so gut wie geschafft. In dieser Schlussansprache soll es vorrangig um die Verabschiedung von Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag gehen. Dennoch möchte ich vorab einige Sätze an das gesamte Parlament richten. Unsere Legislatur hat mitten in der Pandemie begonnen, in der heftigsten Herausforderung für Politik und Gesellschaft seit Bestehen der Bundesrepublik. Nie zuvor mussten wir die Grundrechte auf Freiheit und Sicherheit so austarieren wie zu jener Zeit. Diese Krise, aber auch jede andere Debatte in diesem Saal zeigt: Politik ist das Entscheiden im Dilemma. Die einfache Lösung, mit der alle zufrieden sind, gibt es nahezu nie, auch wenn ein Parlament dazu dient, um die beste Lösung zu ringen. Dass wir die Anliegen aller Menschen abwägen, macht die Demokratie langsam, zäh und alles andere iode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 als perfekt. Das sorgt bei vielen Menschen für Frust, gerade jetzt, in komplexen und unsicheren Zeiten. Diskurs und Dissens gehören aber zur Demokratie. Allerdings: Die Debatten sind aggressiver und unerbittlicher als noch vor wenigen Jahren. Aus politischem Wettstreit wird zunehmend Feindseligkeit. Wir spüren: Da braut sich etwas zusammen. Die politischen Unwetter nehmen zu. Dem Parlamentarismus stehen stürmische Zeiten bevor. Wir haben deshalb in dieser Legislatur unsere Landesverfassung und unsere Geschäftsordnung wetterfester gemacht. Viele Einfallstore für Demokratiefeinde haben wir geschlossen. Zugleich haben uns einige Jubiläen vor Augen geführt, dass dieses Land und diese Demokratie nicht vom Himmel gefallen sind, sondern aus Trümmern mühsam aufgebaut wurden: 80 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus und vom Krieg, 75 Jahre Grundgesetz, 70 Jahre Landesverfassung, 70 Jahre Baden-Württemberg. Jene Jahrestage haben uns Anlass geboten, mit Demut und Dankbarkeit auf unseren Rechtsstaat zu blicken, darauf zu blicken, was für eine gigantische Gemeinschaftsleistung unsere Demokratie doch ist. Auf diese Leistung können wir unglaublich stolz sein. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP sowie auf der Regierungsbank) Auch um diesen Blick zu schärfen, um an den Wert der Demokratie zu erinnern, haben wir, der 17. Landtag, die Gedenkarbeit im Land enorm gestärkt. Die fraktionsübergreifende Zusammenarbeit bei diesem Thema hebe ich bei jeder Gelegenheit hervor, damit die Bürgerinnen und Bürger wissen: Es gibt trotz aller politischen Differenzen auch einen gemeinsamen Einsatz für unsere Demokratie. Und dafür danke ich Ihnen von Herzen sehr. Wir, der 17. Landtag, haben zudem das jüdische Leben in Baden-Württemberg sichtbarer gemacht, vor allem, um dem grassierenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen, nämlich die Tatsache, dass unser Land vielfältig an Kultur, an Religion, an Herkunft ist und das auch für immer bleiben soll. Doch nichts davon ist sicher, meine Damen und Herren, wenn wir es nicht sicherstellen. Wir beobachten in den USA zurzeit, wie eine 250-jährige Demokratie von innen ausgehöhlt wird. Während dort unverhohlen Gier und Grausamkeit regieren und die gesamte Welt ins Wanken bringen, versagen sämtliche Kontrollmechanismen. Viele US-Bürgerinnen und -Bürger fürchten um ihr Land, um ihr Leben. Sie verzweifeln vor allem an den Parlamentariern. Denn die kommen ihrer Kontrollfunktion nicht nach. Statt gemeinsam Verfassung und Volk zu schützen, bricht die Mehrheit ihren Eid für den kurzfristigen parteipolitischen Vorteil. Wir wissen aus unserer eigenen Geschichte, wie Demokratien sterben und dass es wieder geschehen kann. Lassen wir es nicht dazu kommen. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP, des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) (Präsidentin Muhterem Aras) Auch bei uns in der Bundesrepublik nimmt die Zustimmung zur Demokratie leider ab. Bei nicht wenigen wächst der Wunsch nach der harten Hand des Autoritären, die einfach so durchgreifen kann – und sei es mit Gewalt. Viele Menschen fühlen sich ohnmächtig und von den Krisen in der Welt überwältigt. Wir erleben zudem, wie der Kampf um Klicks und Likes die Wut und die Angst befeuert. Diese Stimmungen gilt es ernst zu nehmen. Das heißt aber nicht, die Wut, die Angst und die Sorgen nur wiederzugeben, sondern es heißt, alles dafür zu tun, sie den Menschen zu nehmen. Es bedeutet nicht, Frustration zu schüren oder Sündenböcke auszumachen, sondern es bedeutet, zu befrieden, mit aller Kraft dafür zu arbeiten und zu werben, dass auch die zähe, langsame, vielstimmige Demokratie so einiges zustande bringt, und zwar zum Besseren für alle. Wer den Boden unserer Verfassung verlässt, den wollen wir versuchen zurückzuholen, aber nicht, indem wir nachlaufen und selbst das Terrain des Grundgesetzes verlassen, sondern indem wir klare rote Linien ziehen und deutlich machen: Nur im Rahmen des Grundgesetzes spielt sich unser politisches System ab. Alles andere tolerieren wir nicht. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP, des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) Wer die Menschenwürde verletzt oder auch nur infrage stellt, der bewegt sich jenseits der Meinungsfreiheit, der verlässt jedes demokratische Spektrum, der disqualifiziert sich für den Diskurs und vor allem für politische Ämter. Demokratiefeinde lassen sich an der Macht nicht entzaubern. Sie lassen sich auch nicht schwächen, indem man sie kopiert. Nein, meine Damen und Herren, Demokratiefeinden müssen wir Einhalt gebieten, bevor es zu spät ist. Die Zivilgesellschaft zählt auf uns. Die Mehrheit der Menschen sieht die Gefahr für unsere Demokratie. Lassen wir auch diese besorgten Menschen nicht im Stich. Die Leitsätze unserer Demokratie müssen uns immer bewusst und wichtiger sein als Parteipolitik. Wenn die Zustimmung dazu oder das Verständnis dafür abnimmt, müssen wir es sein, die wieder davon überzeugen. Denn Demokratie ist mehr als Demoskopie. Wenn wir nur nach Umfragen entscheiden würden, bräuchte es uns als Volksvertretung nicht. Die Mehrheit der Bevölkerung schätzt durchaus, dass es Vertreterinnen und Vertreter gibt, die nach sorgfältiger Abwägung Entscheidungen treffen. Es kommt für die Bürgerinnen und Bürger darauf an, in die Entscheidungen eingebunden zu werden, und auf die Transparenz der Entscheidung selbst. Das ist einer der Gründe, warum wir den Landtag in den letzten Jahren zunehmend auch zu einem offenen Haus gemacht haben, um die politischen Prozesse näherzubringen. Mehr als 136 000 Menschen haben dieses Angebot in den letzten fünf Jahren angenommen. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD, der FDP/ DVP und Abgeordneten der AfD, des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) ode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist in Baden-Württemberg seit Jahren deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Das dürfen auch wir, der Landtag, durchaus als Erfolg verbuchen. Es lohnt sich also, wenn wir den Bürgerinnen und Bürgern auf Augenhöhe begegnen. Das erfordert manchmal auch Mut zum Unmut, selbst in der eigenen Wählerschaft. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern mehr zumuten können, als wir ihnen oft zutrauen, und zwar dann, wenn wir ihnen nicht das Blaue vom Himmel versprechen, sondern unser Dilemma erläutern, wenn wir Fehler zugeben, wenn wir erklären, warum wir uns wie entscheiden, was das Ziel für die Zukunft ist, und wenn wir zeigen, dass Demokratinnen und Demokraten, wenn es darauf ankommt, zusammenhalten. Daher möchte ich all denen von Ihnen danken, die leidenschaftlich, aber respektvoll streiten und die Würde dieses Hauses wahren. Und ich möchte an dieser Stelle auch den Menschen danken, die gemeinsam mit uns dieses Herz der Demokratie zum Schlagen bringen. Ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktionen und der Landtagsverwaltung wären keine Anträge, keine Anfragen, keine Abstimmungen möglich. Dafür gilt ihnen unser aller Dank. (Beifall bei allen Fraktionen und des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) Meine Damen und Herren, am 8. März wird der neue Landtag gewählt. Ich wünsche mir, dass wir alle einen fairen, gewaltfreien und respektvollen Wahlkampf führen, im Streit um die besten Ideen. Ich hoffe sehr, dass viele Bürgerinnen und Bürger von ihrem hohen Wahlrecht Gebrauch machen. Milliarden von Menschen in der Welt beneiden uns darum. Machen wir uns bei allen Differenzen, bei allen Schwächen, bei allen Krisen immer wieder bewusst: Wir leben in einem der demokratischsten, freiesten, sichersten und wohlhabendsten Länder der Welt. Reden wir dieses wunderbare Land nicht schlecht und nicht klein. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP, des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) Ja, die Demokratie ist nicht perfekt, aber sie ist die beste Staatsform, die es gibt. Und das können wir alle stolz und noch viel stärker nach außen tragen. Meine Vorrede möchte ich in diesem Sinn mit den Worten der großartigen Professorin Rita Süssmuth schließen: Wir sind nicht ohnmächtig, Veränderung zum Besseren ist möglich. Diese Welt ist zu schön, um sie den Wahnsinnigen zu überlassen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP/DVP, des Abg. Daniel Born [fraktionslos] sowie auf der Regierungsbank) Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Namen von über elf Millionen Menschen Entscheidungen zu treffen, ist eine große Ehre und ein großes Privileg. Nun möchten wir diejenigen (Präsidentin Muhterem Aras) Menschen würdigen, die diese wichtige Aufgabe wahrgenommen haben und die wir heute aus dem Landtag verabschieden. 46 Abgeordnete – fast ein Drittel dieses Hauses und so viele wie noch nie seit 1972 – kandidieren bei der kommenden Wahl am 8. März nicht mehr. Der letzte Tagesordnungspunkt gilt daher ihnen. Ich will ihnen allen meinen Dank und meine Wertschätzung auch in Ihrem Namen ausdrücken. So, wie es gute Tradition ist, möchte ich ihren persönlichen Beitrag und ihr Engagement in ausgewählten Schlaglichtern würdigen. Die Reihenfolge richtet sich nach der Mandatsdauer. Zuallererst darf ich das Wort an einen Mandatsträger richten, der diesem Parlament sage und schreibe 37 Jahre angehört. Sehr geehrter, lieber Herr Ministerpräsident Kretschmann, Ihre erste Rede im Landtag begannen Sie mit einem Appell an die Menschlichkeit, und eine der wichtigsten politischen Fähigkeiten – das Zuhören – ist bis heute Ihr Markenzeichen. Sie haben als Parlamentarier, Parteimitgründer, Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Landtagspräsidiums, Ministerpräsident und Demokrat Politik und Image unseres Bundeslands maßgeblich geprägt. Ihr Wirken im Parlament – ob in der Opposition oder an der Spitze der Landesregierung – war stets getragen von Überzeugung, Verantwortung und Bodenständigkeit. Sie wollten keine – wie Sie in der letzten Woche in einem Interview sagten – „Überschriftenpolitik“ machen. Sie haben auch in Zeiten polarisierender Debatten immer daran erinnert, dass Nachdenken und Handeln keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben politischen Tugend. Und Sie haben nie vergessen, dass Demokratie vom Gespräch lebt. Sie waren klar in den Zielen und offen in den Wegen, haben mit Bürgerforen und Bürgerbeteiligung die Wege erkundet, statt sie zu diktieren – ein Ansatz, der auch in anderen Bundesländern, im Bund und sogar auf der europäischen Ebene als Blaupause diente. Lieber Herr Ministerpräsident Kretschmann, Sie haben dem Land eine unverwechselbare starke Stimme gegeben – besonnen, menschlich, klar und immer mit einem Anflug von Hannah Arendt. (Vereinzelt Heiterkeit) Sie haben politische Theorie in die Praxis übersetzt, überzeugt von der Handlungsfähigkeit jedes Menschen – oder in den Worten Hannah Arendts: dass jeder Mensch ein Neuanfang ist. Ihr Platz in der Geschichte Baden-Württembergs ist sicher: als bislang am längsten amtierender Ministerpräsident mit – Stand heute – 5 384 Tagen oder – für die Biologieaffinen unter uns – als Namenspate für eine Bärtierchenart und eine Wespenart. Aber vor allem haben Sie sich einen Platz in den Herzen derer erarbeitet, die glauben, dass Politik mehr sein kann als Macht. Sie haben gezeigt, dass Politik Haltung sein kann, und Sie haben gezeigt, wie erfolgreich eine Politik sein kann, die das Wohl des Landes über die Interessen der eigenen Partei stellt. Lieber Herr Ministerpräsident Kretschmann, ich wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles erdenklich Guiode – 141. Sitzung – Donnerstag, 5. Februar 2026 te, Gesundheit und Zeit mit Ihrer Familie, insbesondere mit Ihren Enkeln, sowie für ausgedehnte Wanderungen auf der Schwäbischen Alb. Herzlichen Dank. (Die Abgeordneten und die Regierungsvertreter spen- den stehend anhaltenden Beifall.) Meine Damen und Herren, Herr Ministerpräsident Kretschmann hat um das Wort gebeten, damit er sich persönlich von uns allen verabschieden kann. – Lieber Herr Ministerpräsident Kretschmann, Sie haben das Wort.
