Dr. Marilena Geugjes
Nein, Herr Schütte, bitte hören Sie erst einmal zu. – Natürlich wollen wir alle, (Zuruf von der CDU – Unruhe bei der CDU) dass es unserer Wirtschaft und unserem Land gut geht. Sowohl wir hier drinnen als auch die Menschen dort draußen wollen Wohlstand für dieses Land. Worüber aber viel zu wenig gesprochen wird, sind die Menschen, die diese Wirtschaft tragen und die unseren Wohlstand erwirtschaften, die sogenannten ganz normalen Menschen, (Abg. Anton Baron AfD: Die kennen Sie von den Grünen doch gar nicht!) für die Sie, liebe CDU, laut Ihren Wahlplakaten angeblich Politik machen wollen. Aber für diese Menschen, für die, die es tagtäglich zwischen Erwerbs- und Care-Arbeit zerreißt, waren die Vorschläge in den letzten Tagen und Wochen ein Schlag ins Gesicht. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Abg. Andre- as Deuschle CDU: Lassen Sie das doch die Menschen entscheiden!) Liebe CDU, Sie wollen, dass Menschen mehr arbeiten. Dann fragen Sie sie doch, was sie dafür brauchen. (Abg. Thomas Dörflinger CDU: Frau Kollegin, das sagt auch Ihr Ministerpräsident!) Fragen Sie sie doch, welche Rahmenbedingungen fehlen, damit sie mehr Wochenarbeitsstunden leisten können. Natürlich kann sich ein Markus Söder hinstellen und sagen, dass wir alle eine Stunde mehr arbeiten sollen. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Nee, das sagt der Mi- nisterpräsident!) Ich bin mir sicher, er rennt nie eine Minute vor der Schließzeit zur Kita (Abg. Andreas Deuschle CDU: Woher wissen Sie das?) und hat ein schlechtes Gewissen, weil sein Kind heute schon wieder das letzte ist, das abgeholt wird. Eine Gitta Connemann stellt sich hin und sagt, wir sollen weniger krank sein. Für Eltern ist es der blanke Hohn. Alle Eltern hier wissen das. Kleinkinder sind im Schnitt sechs- bis (Dr. Marilena Geugjes) zwölfmal im Jahr krank, und ein Infekt dauert eine Woche, wenn man Glück hat. Rechnen Sie doch einfach einmal selbst! (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD) Werte CDU, statt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu fragen, was sie brauchen, um mehr und besser arbeiten zu können, fragen Sie Ihren Wirtschaftsrat, dessen Mitglieder viel zu viel Zeit in Glashochhäusern und viel zu wenig Zeit mit echter Sorgearbeit verbracht haben. (Beifall bei den Grünen – Zurufe von der CDU: Oh, oh! – Oi, oi! – Abg. Andreas Deuschle CDU: Was für eine Überheblichkeit!) Diese Vorschläge, die Sarah Hagmann sehr treffend auseinandergenommen hat, (Zurufe von der CDU) kommen nicht aus dem Alltag der Menschen, sondern aus Sitzungsräumen. Das ist eine Politik, die nicht vom Leben her denkt. Aber wissen Sie was? Wenn Sie noch nie Ihren Arbeitstag abbrechen und alles absagen mussten, weil Sie Ihr Kind mit Magen-Darm-Beschwerden aus der Kita abholen mussten, (Abg. Andreas Deuschle CDU: Ich bin auch Vater! Ich fühle mich persönlich angegriffen! – Anhaltende Zurufe von der CDU) und wenn Sie noch nie zwischen zwei Besprechungen auf der Bürotoilette Milch abgepumpt haben, dann muss ich mir von Ihnen nicht anhören, wie Vereinbarkeit zu funktionieren hat, und schon gar nicht, dass das ein Lifestyle ist. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD – Abg. Andreas Deuschle CDU: Ich bin auch Vater von Kindern! Ich breche auch ab! Woher wollen Sie das wissen? Unglaublich!)
