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Ralf Nentwich

GRÜNE 10.12.2025 Sitzungen 17/137

Kommen wir also zur nächsten Bildungsdebatte. – Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Adventszeit lesen wir viele Texte, die sich über die Jahrhunderte nicht verändert haben und die wir in unserer Tradition so konserviert haben – kein Update, kein Patch. Und dennoch liest jede Generation diese Texte wieder neu, stellt neue Fragen, findet neue Antworten. In der Bildungspolitik ist es genau umgekehrt: Unsere Aufgabe ist es nicht, ein Dokument zu konservieren, sondern ein Schulgesetz zu schaffen, das Schule und Gesellschaft in einer Welt abbildet, die sich schneller wandelt als je zuvor. Diese Welt ist digital, sie ist vernetzt, sie ist komplex. Schülerinnen und Schüler bewegen sich längst in dieser Welt, aber sie tun das nicht automatisch auch mündig. Wir haben es vorhin schon gehört: Digitale Mündigkeit ist darum die neue Schlüsselkompetenz. Wer Kinder und Jugendliche stärken will, muss ihnen beibringen, kritisch zu denken, verantwortungsvoll zu handeln und digitale Werkzeuge nicht nur zu bedienen, sondern diese auch zu verstehen. Kinder wachsen heute in einer Kultur der Digitalität auf. Das heißt, digitale Geräte und Medien sind kein Zusatz, sondern Ausgangspunkt ihrer Lebenswirklichkeit. Es geht um etwas viel Größeres. Es geht um die Future Skills, die die Kinder morgen brauchen: kritisches Denken, Teamarbeit, digitale Souveränität und der kluge Umgang mit Informationen, Kreativität und Problemlösungen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) All das entscheidet darüber, ob junge Menschen in einer zunehmend komplexen Welt bestehen können. Mit der Änderung des Schulgesetzes schaffen wir einen klaren Rahmen für die Handynutzung an unseren Schulen – nicht als pauschales Verbot, was nicht sinnvoll wäre und von oben kommen würde, sondern als Auftrag an jede Schule, eigene, altersgerechte Regeln zu entwickeln. Denn wir wissen: Entscheidend ist nicht das Gerät, sondern der Umgang damit. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Wie das gelingen kann – ich habe die letzte Debatte jetzt ganz aufmerksam mitverfolgt, weil ich selbst Realschullehrer bin und sehr glücklich bei den Grünen –, zeigt das Beispiel meiner eigenen Schule, der Max-Eyth-Realschule in Backnang. Die hat schon vor Jahrzehnten eine Charta auf den Weg gebracht, in der sie ihre eigenen Haltungen, ihre Werte auch immer wieder in die Schülerschaft trägt. Das sind sozusagen die Zehn Gebote der Max-Eyth-Realschule. (Vereinzelt Heiterkeit) (Ralf Nentwich) Diese hat sie in die Digitalität übertragen, und zwar mit einem digitalen Kompass. Ich durfte erst vor Kurzem mit der Kollegin Kirschbaum dort vor Ort sein. Wir beide waren sehr begeistert davon, wie dort Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt dabei sind, sich sicher, souverän und verantwortungsbewusst im Zeitalter der Digitalität zu bewegen. Gleichzeitig hat die Max-Eyth-Realschule mit dem neuen Kompass ihre Charta ins Heute übersetzt. Die Max-Eyth-Realschule zeigt exemplarisch für viele Schulen in Baden-Württemberg nicht nur die gesellschaftliche Entwicklung, sondern auch, wie man diese gesellschaftliche Entwicklung aktiv aufnimmt. Und sie zeigt auch: Digitale Mündigkeit bei Schülerinnen und Schülern wächst, wenn eine Schule eine klare Vision, eine klare Führung hat und diese Vision auch weiterträgt. (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“!) Damit bin ich bei einem entscheidenden Punkt. Alle unsere Vorreiterschulen in Baden-Württemberg haben eines gemeinsam: Schulleiterinnen und Schulleiter, die Digital Leadership leben. Diese Schulleitungen sind es, die Visionen entwickeln, die auch grundsätzlich sehr wichtig und notwendig sind, Veränderungsprozesse steuern, Teams mitnehmen und Bildung der Zukunft schaffen. In diesen Schulen ist die Messlatte klar definiert. Niemand aus dem Kollegium geht darunter hindurch – nicht weil man Druck aufbaut, sondern weil man sich im Kollegium sehr wohlfühlt, die Richtung stimmt und das Kollegium sie gemeinsam trägt. Um dieses Digital Leadership zu stärken, müssen wir unseren Schulleiterinnen und Schulleitern mehr Freiräume geben, die sie eigenverantwortlich nutzen können. Genau diesen Rahmen schaffen wir heute. Wir geben Schulen die Ermöglichungsräume und schulgesetzlichen Änderungen, die sie brauchen, um zeitgemäß zu arbeiten. Und wir geben Schulleitungen die Handlungsspielräume, die sie brauchen, um Veränderungen zu gestalten. Unser Schulgesetz, heute in der Veränderung, darf sich auch ändern, und es muss sich sogar immer wieder ändern. Heute gehen wir in vielen Bereichen damit einen großen Schritt nach vorn. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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