Muhterem Aras
Für die Landesregierung erteile ich das Wort Frau Ministerin Schopper. Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Meine sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich war letzten Donnerstag mit der Kollegin Sarah Hagmann in der Rheinschule Friedlingen in Weil am Rhein. Das ist eine gebundene Ganztagsschule, eine Startchancen-Schule aus der ersten Tranche. Ich habe die Direktorin vor vier Jahren kennengelernt und war schon damals von der Arbeit, die dort geleistet wird, massiv beeindruckt. Für mich ist diese Schule mit der Schulleiterin sowie ihren Kolleginnen und Kollegen – die haben wir dort kennengelernt – eine Art Role Model und ein Vorbild für die künftige Ausgestaltung von Startchancen-Schulen, um zu zeigen, was man alles dazu braucht. Es ist keine Frage, dass sie hoch belastet (Ministerin Theresa Schopper) sind; niemand von uns hat auch je irgendwo gesagt, das alles wäre eine easy Nummer. Sie sind aufgrund der Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler und der heutigen Heterogenität an den Schulen, (Abg. Miguel Klauß AfD: Ja!) und zwar nicht nur im Bereich der Startchancen-Schulen, sondern insgesamt, einfach auch vor neue Herausforderungen gestellt. (Zuruf des Abg. Miguel Klauß AfD) Natürlich werden heutzutage oftmals gesellschaftliche Themen in die Schule verlagert, die früher durch die Erziehung der Eltern gelöst wurden. Was aber haben wir dort gesehen? In einer Brennpunktschule 330 Kinder unterschiedlichster Nationalitäten, die dort von den Lehrerinnen und Lehrern eine Struktur, Bildung und eine Zukunft bekommen. Dazu sage ich nur: Respekt. (Beifall bei den Grünen, Abgeordneten der CDU so- wie der Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei und Katrin Stein- hülb-Joos SPD, Dr. Timm Kern FDP/DVP und Daniel Born [fraktionslos]) Szenenwechsel: Am Abend war ich am Rotteck Gymnasium in Freiburg. (Heiterkeit der Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE und Gabriele Rolland SPD) Dort gibt es in der Oberstufe einen Seminarkurs – die Freiburgerinnen kennen es –, der Teil des Abiturs ist, (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Nachgefragt!) bei dem sich immer zwei junge Menschen wirklich intensiv vorbereiten; letztlich kommen aber alle aus dem Kurs mal dran. Dort hatten wir dann eine Grillstunde anderer Art. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Dieser liegt vielmehr darin, was die Lehrkräfte an diesem Gymnasium en passant leisten. (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Ja! – Abg. Gab- riele Rolland SPD: Genau!) Sie bereiten das ein, zwei oder drei Wochenenden vorher mit den Schülerinnen und Schülern vor, damit die Veranstaltung gut läuft und die Schülerinnen und Schüler für ihr Abitur eine gute Note bzw. viele Punkte bekommen. Zugleich – ich habe mich dann am nächsten Tag noch einmal mit dem Schulleiter getroffen und mir die Inklusionsklasse angeschaut – ist es eine der wenigen Schulen, die Inklusion auch am Gymnasium machen, (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Am Gymnasium!) und zwar auf beeindruckende Art und Weise. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Was will ich exemplarisch damit sagen? Lehrkräfte und Schulleitungen im Land leisten – das ist Gott sei Dank auch von alde – 137. Sitzung – Mittwoch, 10. Dezember 2025 len hier gesagt worden – eine hervorragende Arbeit, die für die Gesellschaft extrem wichtig, notwendig und wertvoll ist. Sie verdienen deswegen Respekt und Anerkennung. Dies erhalten die Lehrkräfte in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals nicht in dem entsprechenden Maß. In Bezug darauf, was die Lehrkräfte leisten, hängt das Bild zum Teil schief. Daher arbeite ich seit viereinhalb Jahren von Herzen und wirklich aus voller Überzeugung daran, zu zeigen, dass die Lehrkräfte an den Schulen mit dem, was sie dort an Arbeit leisten, unsere Zukunftsmacher sind. Denn sie kümmern sich um die nachfolgenden Generationen. Das bezieht sich sowohl auf die Erzieherinnen, die sich um die frühkindliche Bildung in den Kitas kümmern, als auch auf die Lehrkräfte an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen. Sie begleiten die Kinder und Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter. Das ist eine Aufgabe, die es in dieser Streckung kaum in einem anderen Beruf so gibt. Daher ist es umso wichtiger, dass wir die Lehr- und Arbeitskräfte an unseren Schulen, auch die multiprofessionellen Teams, entsprechend würdigen, weil sie die jetzige Generation, die das Steuerrad mal übernimmt, auf das Leben vorbereiten und weil sie für viele Menschen, z. B. an der Rheinschule Friedlingen, die Tür zur Bildung überhaupt erst aufstoßen. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Daniel Born [fraktionslos] – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Ich weiß, dass wir viel verlangen. Die Liste, die Sie, Herr Fulst-Blei, vorgelesen haben, kenne ich ebenfalls. Ich weiß auch, dass es ein sehr kräftezehrender Beruf ist. Denn es ist etwas anderes, ob ich für fünf Minuten „durchtunneln“ und mir in der Küche einen Kaffee holen kann oder ob ich eine Unterrichtsstunde halten muss und eine Stunde lang am Performen bin, und zwar nicht dem Sinn, dass ich derjenige bin, der vorn steht. In der Heterogenität und in der Tiefe der Arbeit ist der Lehrerberuf vielmehr etwas ganz anderes, als wenn ich einem Bürojob nachgehe, ohne jetzt diejenigen zu diskreditieren. (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Genau!) Die Spielräume, die wir bei der Unterrichtsversorgung geschaffen haben, beispielsweise das Konzept zur Stärkung von Schulleitungen, das bereits unter Frau Dr. Eisenmann eingeführt wurde, haben wir als Conclusio aus der IQB-Studie aus dem Jahr 2016 sukzessive weitergeführt. Wir haben den Schulen die Möglichkeit eingeräumt, multiprofessionelle Teams zu implementieren. Wir haben die Schulen auch mit pädagogischen Assistentinnen bzw. Assistenten gestützt; das ist ein Vorstoß, den die Kollegin Steinhülb-Joos auch immer wieder vorbringt. Wir haben die Stellenzahl mehr als verdoppelt und beschäftigen heute mehr als 2 300 pädagogische Assistentinnen und Assistenten an den 4 500 Schulen im Land. Wir haben also entsprechende Möglichkeiten geschaffen. Man kann auch von Handschlagregelungen Gebrauch machen, um kurzfristige Krankheitsausfälle zu kompensieren. Daher ist das Bild, das hier gezeichnet wird, dass viele Aufgaben dazugekommen sind, aber man an dieser Stelle nichts gemacht hätte, einfach nicht richtig. (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Es reicht nicht!) (Ministerin Theresa Schopper) Wir haben die größten Bildungsreformen der letzten Jahrzehnte angestoßen, und zwar vor allem am Beginn des Bildungswegs. Denn wir haben uns in der Koalition darauf geeinigt, dass es auf den Anfang ankommt. Zwar gilt der alte Spruch: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hier nicht vollständig – denn wir wissen, dass durch Weiterbildung und auch in der dritten Phase einer Bildungslaufbahn noch Fortschritte zu verzeichnen sind –, aber wir wissen, dass sich Kinder damit schwertun, wenn im Kindesalter, also im Kindergarten oder in der Grundschule, kein entsprechendes Fundament geschaffen wurde. Deswegen haben wir auch „SprachFit“ auf den Weg gebracht: (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Genau! Sehr rich- tig!) damit die Kinder – das ist immer mein Bild – nicht nur die Rücklichter von einem Zug sehen, sondern irgendwann mal im Zug drin sitzen. Das ist einer der wichtigsten Punkte. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Genau! Sehr rich- tig!) An dieser Stelle ist enorm viel passiert. Dafür ist auch wirklich viel Geld in die Hand genommen worden, und die Förderprogramme werden jetzt sukzessive aufgebaut – von den „SprachFit“-Kursen, der additiven, zusätzlichen Förderung, über die alltagsintegrierte Förderung, die wir in den Kitas gestärkt haben, bis hin zu den Juniorklassen, die im nächsten Schuljahr eingerichtet werden. Da haben wir wirklich etwas geschafft. Das wirkt zwar nicht direkt im ersten Moment, aber das werden wir noch sehen. In fünf und in zehn Jahren werden wir in Baden-Württemberg anders dastehen als heute. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU – Zuruf des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) Auch mit der Umstellung von G 8 auf G 9 haben wir eine unglaublich fordernde Bildungsreform auf den Weg gebracht. Wir strecken nämlich die Gymnasialzeit nicht einfach nur, ziehen dort Stunden heraus und takten den Stundenplan auf das elfte Schuljahr zentriert anders ein, sondern wir geben Innovationselemente und zusätzliche Stunden hinein. Wir alle haben einvernehmlich auch klargemacht: Diese Innovationselemente brauchen wir nicht nur an den Gymnasien, sondern auch in den anderen Schularten. Auch das ist fordernd. Beispielsweise wird der Bildungsplan für das neue Fach „Informatik und Medienbildung“ erst noch entwickelt. Aber das haben wir auf den Weg gebracht. Und ich bin mir sicher: Wir rüsten die jungen Leute an den Sekundarschulen, in den Gymnasien, in den Werkrealschulen, in den Realschulen, in den Gemeinschaftsschulen und auch in den beruflichen Schulen für die Zukunft. Das ist es, was wir brauchen, und das ist notwendig. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Wir wissen: Das ist für uns alle schon sehr, sehr weit weg. Aber wir wissen auch, dass Corona an den Schulen noch mal andere Bremsspuren hinterlassen hat als bei uns. ode – 137. Sitzung – Mittwoch, 10. Dezember 2025 Ich glaube, ohne dass ich das jetzt verallgemeinere: Viele von uns wissen nicht mehr, was in den entscheidenden zwei Jahren war. Ich sage immer: Was ich zwischen dem 57. und dem 59. Lebensjahr alles versäumt habe, ist mir nicht mehr so präsent. Hingegen ist für einen jugendlichen Mensch die Partie Kniffel, die vielleicht am Samstagabend immer gespielt wird, einmal nett, aber nicht für einen längeren Zeitraum, in dem man keine Freunde besuchen kann, nicht mit den Spezln feiern kann, nicht auf die Party gehen kann und nicht das erste Mal rumknutschen kann. Das sind doch Punkte, bei denen die Kinder und Jugendlichen ganz andere Einschränkungen hatten. Wir wissen, dass sich damals auch die Absperrung der Spielplätze – da hat man gedacht, man sei in einer Verfilmung vom „Tatort“ –, die Maßnahmen, die wir da ergriffen haben, bei Kindern und Jugendlichen anders ausgewirkt haben. Das spüren wir, und das merken wir heute noch an den Schulen. Was die 1 440 Stellen betrifft: Der Kollege Kern hat als einer der Ersten zugesagt, dass wir diesen Bericht, der morgen innerhalb – – Der Bericht ist fertiggestellt; er ist noch nicht veröffentlicht, aber wir informieren vorab die bildungspolitischen Sprecher über die Erkenntnisse aus diesem Bericht. Darauf immer herumzureiten: Ich weiß, das ist Ihre Rille, mit der Sie versuchen, den Rülke zu machen. Von mir aus. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Na, wenn Sie so was anrichten, müssen Sie sich das auch anhö- ren!) – Ja, wissen Sie, „anrichten“, Sie tun sich da schon – – (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Sie haben das fünf Jahre nicht gemerkt! Das ist so!) – Sie sind schon wirklich der König der Vereinfachung, das muss man einfach sagen. (Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und Abgeord- neten der AfD – Zuruf von der AfD: Bravo!) Wir werden das morgen mit Ihrem bewährten Kollegen und den anderen Kolleginnen und Kollegen durchaus noch mal machen. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Sind Sie denn schon so weit?) – Bei Ihnen wäre alles besser, das haben wir ja gesehen. In der Bundesregierung waren Sie ja wirklich ein Glanzlicht, da haben Sie sich ja wirklich zu allem – – (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der AfD – Heiterkeit bei der AfD – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rül- ke FDP/DVP: Da waren Sie auch dabei! Ich sage nur: Gebäudeenergiegesetz! Da waren Sie dabei!) – Ja, da waren wir auch dabei. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Gebäude- energiegesetz!)
