Dr. Andre Baumann
Vielen Dank. – Herr Präsident, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Bestimmt haben viele von Ihnen unseren Nationalpark schon besucht. Bestimmt sind viele von Ihnen dann auch den schmalen Pfad vom Euting-Grab die steile Karwand hinunter zum Wilden See gestiegen, über umgestürzte Bäume, vorbei an der Großvatertanne, über Felsblöcke kletternd. de – 134. Sitzung – Mittwoch, 12. November 2025 Laut Wetter-App – ich habe eben noch einmal geschaut – hängen dort letzte Nebelfetzen in den Fichten und uralten Tannen, die so dick sind, dass man vier Männer braucht, um sie zu umfassen. Beim Abstieg zum Karsee konnte ich einmal einen Sperlingskauz hören, die kleinste Eulenart Europas, und einmal ein Auerhuhn beobachten. Der ehemalige Bannwald Wilder See gilt zu Recht als das heimliche Herz des Nationalparks Schwarzwald. 1911 wurden die Waldflächen in der Karwand und rund um den Wilden See aus der Nutzung genommen. Die Entscheidung, Waldflächen nicht zu nutzen, war herausragend, weil zu dieser Zeit noch Armut den Nordschwarzwald prägte, weil jeder – wirklich jeder – Quadratmeter der Wälder und kargen Heiden der Hochflächen des Schwarzwalds genutzt wurde. Die Wälder und Heiden galten als das Brot der Armen. Dieser Schritt, für den wir heute dankbar sind, war so umstritten wie er mutig war. Orte wie der Wilde See, der nun im Nationalpark Schwarzwald liegt, sind für mich Sinnbild dessen, worum es heute geht: um das Bewahren unserer Heimat und unseres wertvollsten Naturerbes, um das Entwickeln besonderer Orte, die uns staunen lassen, Orte, an denen wir ehrfürchtig die lebendige Schöpfung spüren. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Vor gut zwölf Jahren hat der Landtag den Nationalpark Schwarzwald gegründet, den ersten und einzigen Nationalpark unseres Landes. Auch das war ein mutiger Schritt. Auch damals gab es Zweifel, Bedenken und Widerstand. Aber heute wissen wir: Der Nationalpark ist eine Erfolgsgeschichte. Wir können dankbar sein, dass wir diesen Schritt gegangen sind. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Konrad Epple CDU – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Kein Bei- fall bei der SPD!) Die Natur im Nationalpark verändert sich: Fichtenwälder wandeln sich in artenreiche Mischwälder. Die Natur baut diese Fichtenwälder schneller um, als es viele Fachleute erwartet haben. Seltene Arten wie das Auerhuhn, der Dreizehenspecht oder der Sperlingskauz finden im Nationalpark die besten und wichtigsten Lebensräume unseres Landes. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Abg. Anton Baron AfD: Die Grünen auch!) Meine Damen und Herren, der Nationalpark Schwarzwald ist ein großartiger Erfolg für den Naturschutz. Er ist von nationaler Bedeutung. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und des Abg. Manuel Hagel CDU) – Danke. – Der Nationalpark ist eine Investition in die grüne Infrastruktur unseres Landes, und darauf können wir stolz sein. Der Nationalpark steht nicht gegen die anderen Schutzgebiete unseres Landes, er steht nicht gegen die über 1 000 Naturschutzgebiete unseres Landes, er steht nicht gegen die FFH- und Vogelschutzgebiete. Der Nationalpark Schwarzwald ist eine sinnvolle Ergänzung im Naturschutz. Bei den Naturschutzgebieten, den FFH-Gebieten und den Vogelschutzge- (Staatssekretär Dr. Andre Baumann) bieten geht es um den Schutz von Kulturlandschaften. Beim Nationalpark geht es um Prozessschutz, es geht um Loslassen, es geht darum, Natur Natur sein zu lassen, es geht um das Zuschauen und um den Urwald von morgen. Deswegen ist der Nationalpark eine gute und richtige Ergänzung des Naturschutzes. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Der Nationalpark ist ein Naturschutzprojekt. Der Nationalpark war und ist aber auch ein Projekt für uns Menschen, ein Ort, an dem wir Ruhe finden, wo wir uns erholen, wo wir lernen, wo wir staunen und Sport treiben. (Abg. Raimund Haser CDU: Wenn wir ihn betreten dürfen!) – Das dürfen wir. Der Nationalpark Schwarzwald ist ein Projekt für die Region, für die Regionalentwicklung und für einen nachhaltigen Tourismus. Alle Menschen sind eingeladen, den Nationalpark zu besuchen, und im Nationalpark herzlich willkommen. Der Tourist aus den USA, der am Stuttgarter Flughafen ankommt, (Abg. Andreas Deuschle CDU: Nein, der fliegt nicht von den USA hierher! Der hat den Yosemite und an- deres!) fragt, wie er am besten in den „Black Forest National Park“ kommt. Er ist ebenso willkommen wie die Familie aus Baiersbronn, die Skilanglauf betreiben möchte, wofür die Nationalparkverwaltung im Nationalpark im Winter die Loipen herrichtet. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU – Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Sehr gut!) Unzählige Schulklassen besuchen jedes Jahr den Nationalpark und das wirklich grandiose Nationalparkzentrum. (Zuruf des Abg. Bernd Mettenleiter GRÜNE) Schulklassen sind natürlich besonders willkommen; denn ich wünsche mir, dass jede Schülerin und jeder Schüler unseres Landes mindestens einmal in der Schullaufbahn den Nationalpark besucht hat. Weil Menschen willkommen sind, freuen wir uns, dass jedes Jahr rund 800 000 Besucherinnen und Besucher in den Nationalpark kommen, viele nur deshalb, weil es einen Nationalpark gibt. Darum freuen wir uns, dass der Tourismus in der Nationalparkregion neuen Schwung bekommen hat, dass sich viele Hotel- und Gastronomiebetriebe auf nachhaltige Angebote spezialisiert haben. Wir freuen uns, dass die Zahl der Gäste und die lokale Wertschöpfung mit der Gründung des Nationalparks zugenommen haben. Ich danke darum den Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie in der Nationalparkregion von ganzem Herzen für das Engagement, für Investitionen und das tagtägliche Anpacken; denn auch sie tragen zum Erfolg des Nationalparks bei. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) ode – 134. Sitzung – Mittwoch, 12. November 2025 Meine Damen und Herren, der Nationalpark war und ist ein Beteiligungsnationalpark. Er ist ein Mitmachnationalpark. Die Nationalparkregion ist besiedelt, sie ist Heimat und Lebensraum von Menschen. Darum war und ist es richtig und gut, dass mit der Entstehung des Nationalparks die Kommunen, die Bürgerinnen und Bürger, die Verbände und viele mehr gehört und beteiligt wurden und werden. Durch den Nationalparkrat und den Nationalparkbeirat ist diese Beteiligung institutionell verankert. Das ist einmalig. Auch in den letzten Monaten wurden die Kommunen und natürlich die Bürgerinnen und Bürger wieder breit und intensiv beteiligt. Es wurden sehr viele Gespräche geführt, es wurde zugehört, es wurden Anregungen aufgenommen, die jetzt in das Gesetz gegossen werden. Das ist gut so. Meine Damen und Herren, der Nationalpark vereint Tag für Tag Naturschutz und Regionalentwicklung. Er vereint Tag für Tag Ökologie und Ökonomie. Der Nationalpark steht für das, was Baden-Württemberg ausmacht: gemeinsam Verantwortung übernehmen, bewahren und gestalten. Aber, meine Damen und Herren, die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Denn der Nationalpark besteht bislang aus zwei Teilen. Diese beiden Nationalparkteile liegen zwar nur wenige Kilometer auseinander, aber für manche Tier- und Pflanzenarten können diese Kilometer zu weit sein. Für manche Tier- und Pflanzenarten ist diese Trennung eine nicht oder nur schwer überwindbare Barriere. Es fehlen zwischen diesen beiden Teilen Trittsteinlebensräume. Tierarten, die große Lebensräume brauchen, können sich nicht frei im Nationalpark bewegen. Darum gehen wir mit dem vorliegenden Gesetzentwurf den für den Nationalpark nächsten sehr wichtigen Schritt. Wir verbinden die beiden Parkteile zu einem durchgängigen Naturgebiet, und wir vergrößern den Nationalpark. Meine Damen und Herren, diese Verbindung ist ein naturschutzfachlicher Gewinn. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: So ist das näm- lich!) Sie stärkt die Artenvielfalt, verbessert Lebensräume und erhöht die Widerstandskraft der Wälder. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Gerade im Klimawandel sind größere, naturnähere Flächen entscheidend. Urwälder von morgen, wie sie im Nationalpark entstehen, speichern mehr Kohlenstoff als Wirtschaftswälder. Sie schützen Böden und sie schützen Wasser. Diese Waldflächen werden sich zu Kernflächen entwickeln, in denen Natur Natur sein darf. Ob sie in hundert Jahren so aussehen wie heute die urigen Wälder rund um den Wilden See, das entscheidet ganz allein die Natur. Ein Nationalpark ist nicht Stillstand, sondern Zukunftsvorsorge – für Klima und Artenvielfalt gleichermaßen –, und das über mehrere Generationen hinweg. Der Nationalpark hat gezeigt, dass Naturschutz und Regionalentwicklung Hand in Hand gehen. Diese Entwicklung, diese Erfolgsgeschichte wird sich mit der Erweiterung fortsetzen. Mehr zusammenhängende Natur bedeutet auch klarere Strukturen für Besucherinnen und Besucher, bessere Wegeführungen und stärkere Identifikation. Der vergrößerte Nationalpark (Staatssekretär Dr. Andre Baumann) bleibt ein Ort der Ruhe, aber auch ein Ort, der Menschen verbindet und Wertschöpfung schafft. Das Erweiterungsgesetz, welches hier heute zur Abstimmung steht, ist nicht auf Papier entstanden. Wir haben, wie gesagt, die Bürgerinnen und Bürger, die Kommunen, die Land- und Forstwirtschaft, die Naturschutzverbände von Anfang an eingebunden. Beteiligung gehört zur DNA des Nationalparks. Es gab viele Gespräche, kontroverse Gespräche. Aber am Ende stand immer das Ziel, eine Lösung zu finden, die naturschutzfachlich sinnvoll und zugleich fair war. Die Stellung der Kommunen im Nationalparkrat wird weiter gestärkt. Und ganz klar: Bestehende Nutzungen werden respektiert. (Glocke des Präsidenten)
