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Dr. Markus Rösler

GRÜNE 12.11.2025 Sitzungen 17/134

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Sechs Jahreszahlen führen uns heute beim Thema Nationalpark vom Globalen zum Lokalen: 1872 entstand der erste Nationalpark weltweit: der Yellowstone National Park. Einzigartige Natur sowohl für den Menschen als auch vor dem Menschen zu schützen, das war das Ziel schon vor über 150 Jahren. 1909 entstand der erste Nationalpark in Europa, der Ängsö Nationalpark in Schweden. Ein Zitat aus dieser Zeit: Ein Nationalpark ist Zufluchtsort für die Natur und für die Menschen, die die Natur so akzeptieren, wie sie ist. Bei Sturmwurf, Lawinen, Borkenkäferbefall oder Hochwasser geht es um natürliche Dynamik, um den Schutz von Prozessen. Für Menschen können dies Katastrophen sein; in Schweden wie im Nationalpark Schwarzwald aber gilt: Zuschauen. Beobachten. Erforschen. Nicht bewerten. „Die Natur so akzeptieren, wie sie ist.“ 1970, der erste Nationalpark in Deutschland – im Bayerischen Wald. Er ist untrennbar mit Hans Bibelriether verbunden. Denn er prägte das Motto: „Natur Natur sein lassen.“ Er setzte erstmals für Europa durch, dass 3 600 ha vom Borkenkäfer kahlgefressener Fichtenwald so stehen bleiben. Zehn Jahre später sprach ganz Europa voller Staunen vom größten Waldkindergarten Europas, einer fantastischen Naturverjüngung. Finnen und Spanier kamen in den Bayerischen Wald, um zu sehen, was passiert, wenn wirklich gilt: Natur Natur sein lassen. 1997, eine neue Definition für Europas Nationalparke: Entwicklungsnationalparke. Ohne diesen Beschluss von Expertinnen und Experten der EUROPARC Federation und der IUCN – ich durfte damals dabei sein – gäbe es unseren Nationalpark wohl gar nicht. Denn wir entwickelten damals das auch für den Nationalpark Schwarzwald geltende Kriterium: In maximal 30 Jahren müssen mindestens 75 % der Fläche ohne Nutzung sein. 2014, unser erster Nationalpark in Baden-Württemberg. Es war V. S., der 1991 die Idee des Nationalparks Schwarzwald entwickelte. Grundlage für ihn war das von Klaus Töpfer als Tafelsilber der deutschen Einheit bezeichnete DDR-Nationalde – 134. Sitzung – Mittwoch, 12. November 2025 parkprogramm, das wir wiederum Michael Succow mit seinem Team in der stürmischen Wendezeit 1990 verdanken. Ich nenne diese Namen, da wir manchmal leider dazu neigen, zu vergessen, wem wir was verdanken. (Vereinzelt Beifall bei den Grünen und der CDU) 2014 richteten Grüne und SPD nach einer beispiellos umfangreichen Bürgerbeteiligung den Nationalpark Schwarzwald ein. Die Idee eines beschließenden Nationalparkrats mit einem Landrat aus der Region an der Spitze war bundesweit einmalig. Die heutige hohe Akzeptanz auch in der Region zeigt uns: Der Nationalpark Schwarzwald, für den wir hier und heute die kommunalen Rechte nochmals – sogar international einmalig – stärken, ist wahrhaft ein Bürgernationalpark. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) 2025, heute, dieses Jahr: aus zwei mach eins. Es geht um einen wahrhaft historischen Beschluss. Nach 456 Jahren ist die Murgschifferschaft bereit zum Flächentausch, damit wir aus zwei getrennten Teilen einen zusammenhängenden Nationalpark machen können. Es wächst zusammen, was zusammengehört. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen Kraftakt. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Bei vielen Entscheidungen, die wir im Landtag treffen, spielt Geld eine entscheidende Rolle. Bei Nationalparks aber gilt etwas anderes. Wir alle kennen den Sinnspruch: „Sie kennen den Preis von allem und den Wert von nichts.“ Mehr noch als der Preis ist bei Nationalparks der Wert von Bedeutung. Und dieser Wert bemisst sich nicht nur in Geld. Um auf einen viel diskutierten finanziellen Aspekt beim Waldtausch einzugehen: Der Verkauf der Genossenschaftsanteile ist auch vom Preis her methodisch sauber. Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren 10 % der auf dem Markt erhältlichen Anteile verkauft. Das ist unser Richtwert. Wir alle hier im Landtag wissen: Die Bodenrichtwerte im Land beruhen häufig auf viel geringeren Referenzzahlen. Niemand aber zweifelt die Höhe der Bodenrichtwerte pauschal an. Wir Grünen stehen zu dieser historischen Entscheidung. Die Vorstellungen der Beteiligten waren – ich formuliere es mal höchst diplomatisch – nicht immer identisch. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist aber das ureigene Wesen der Demokratie. Minister Hauk, der beim Jagen sonst schnell unterwegs ist, mussten wir ein bisschen zum Jagen tragen. Es war ein schwieriger, ein für uns Grüne teils auch schmerzhafter Kompromiss, wenn ich an die erhebliche Ausgliederung von Flächen aus dem bestehenden Nationalpark und an die umfangreichen Zahlungen an ForstBW denke. Zum Schluss: Nationalparks sind wahrhaft dauerhafte Projekte für Mensch und Natur. Heute fassen wir daher einen historischen Beschluss für Jahrhunderte. Ich werbe bei Ihnen, den Mitgliedern des Landtags, hierfür um Zustimmung. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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