Nadyne Saint-Cast
Vielen Dank. – Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Damen und Herren! Wollen wir, dass Baden-Württemberg ein Land ist, in dem Bildung vom Geldbeutel abhängt, ein Land, das internationale Studierende abschreckt, statt sie willkommen zu heißen? Diese Frage reiht sich gut in die vorherige Debatte ein. (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) Genau das wäre nämlich die Konsequenz des AfD-Gesetzentwurfs, der kostendeckende Studiengebühren für Menschen aus dem Ausland einführen will. (Abg. Anton Baron AfD: Bildung kostet eben Geld! – Abg. Gabriele Rolland SPD: Das ist peinlich!) Wir sagen ganz klar: Nein! Wir Grünen wollen das Gegenteil: (Beifall bei den Grünen) (Nadyne Saint-Cast) Offenheit statt Abschottung, Brücken statt Mauern. (Abg. Anton Baron AfD: Sie haben doch Studienge- bühren erhoben!) Denn unser Land lebt von den klugen Köpfen aus aller Welt. Das haben wir gerade sehr gut beim Thema Innovation gehört. Das hat uns, den Innovations- und Industriestandort Baden-Württemberg, stark gemacht. Lassen Sie mich eines ganz deutlich sagen: Der Vorschlag der AfD ist nichts anderes als der Versuch, Bildung zu einem Privileg der Wohlhabenden zu machen und internationale Studierende aus unserem Land zu drängen. Das ist nicht nur ungerecht, es ist auch kurzsichtig und schadet Baden-Württemberg. (Beifall bei den Grünen und der Abg. Dr. Dorothea Kliche-Behnke SPD – Zuruf von der AfD: Was für ein Unfug!) Wer glaubt, dass internationale Studierende eine Belastung sind, der irrt. Sie sind vielmehr eine Bereicherung für die Hochschulen und die Wirtschaft in unserem Land sowie auch für unsere Gesellschaft insgesamt. Denn sie bringen neue Perspektiven, treiben Innovation voran und sind Brückenbauer in die Welt. Das ist für die exportorientierte Wirtschaft unseres Landes extrem wichtig. (Abg. Anton Baron AfD: Sie dürfen doch gern kom- men! Sie sollen nur Studiengebühren bezahlen!) Die Zahlen sprechen eine ganz klare Sprache. Viele internationale Studierende bleiben nach ihrem Abschluss als hoch qualifizierte Fachkräfte in Deutschland und leisten einen Beitrag zu unserem Wohlstand hier vor Ort. Angesichts des Fachkräftemangels – wir kennen ihn alle – können wir auf diese Köpfe nicht verzichten. Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft sagen ganz klar: Bis 2028 werden uns rund 800 000 Fachkräfte fehlen, und zwar vor allem aus den relevanten MINT-Fächern. Während die Zahl der inländischen Studierenden in diesen Fächern, insbesondere in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, zurückgeht, steigt die Zahl der internationalen Studierenden genau in diesen Fächern. Fast die Hälfte der internationalen Studierenden wählt ein MINT-Fach. (Abg. Anton Baron AfD: Studenten! Das heißt Stu- denten!) Wie gesagt: Fast ebenso viele bleiben dann tatsächlich auch nach ihrem MINT-Studium hier und arbeiten in den Unternehmen in unserem Land. Das zeigt: Wir bilden die zukünftigen Fachkräfte hier mit aus. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Land ist durch Offenheit und internationale Zusammenarbeit stark geworden. Es wäre ein fataler Irrweg, die Schotten dicht zu machen. (Abg. Anton Baron AfD: Das macht doch niemand! So ein Unsinn!) de – 133. Sitzung – Mittwoch, 5. November 2025 Wer mit Unternehmen spricht, hört überall das Gleiche: Wir brauchen internationale Fachkräfte dringend, und wir brauchen hier weniger und nicht mehr Hürden. (Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Motto ist ganz klar: Leistung, nicht Herkunft zählt. Für uns ist wichtig, wo ein Mensch hinwill, nicht, wo er herkommt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Da Baden-Württemberg ein ressourcenarmes Land ist, ist für uns auch ganz klar: Wir brauchen alle klugen Köpfe in den Unternehmen im Land, in unseren Hochschulen, im Gesundheitssystem, und zwar egal, woher die Personen kommen. Aber statt Lösungen sucht die AfD Schlagzeilen und Social-Media-Reichweite. Wir hingegen wollen Zukunft gestalten und nicht Ressentiments bedienen. (Beifall bei den Grünen) Wir Grünen stehen für Hochschulen, die offen sind für alle talentierten jungen Menschen, unabhängig von Herkunft und Geldbeutel. Deswegen bin ich auch wirklich froh, dass unsere Wissenschaftsministerin Petra Olschowski das noch einmal deutlich macht, wie wir es auch vorher in diversen Debatten deutlich gemacht haben. Wir Grünen haben ganz klar zum Ziel, die Studiengebühren für internationale Studierende abzuschaffen, (Abg. Gabriele Rolland SPD: Dann tun Sie es doch mal! Tun Sie es doch! – Weitere Zurufe) weil Baden-Württemberg das einzige Bundesland ist – Sie haben es zu Recht gesagt, Kollege Birnstock –, (Abg. Gabriele Rolland SPD: Warum machen Sie es denn nicht?) das diese Gebühren noch hat. (Unruhe)
