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Katrin Steinhülb-Joos

SPD 24.07.2025 Sitzungen 17/129

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Bevor ich starte, sei mir eine Bemerkung erlaubt: Stimmen Sie bitte unseren Anträgen zu und machen Sie nicht wieder den gleichen Fehler wie bei den Schulen, dass Sie nicht auf die Praxis hören. (Beifall bei der SPD) Kurz vor den Sommerferien sind die Kitaleitungen mit einer Fülle von Aufgaben beschäftigt. Sie organisieren die Verabschiedung von Kindern, die in die Schule kommen. Sie organisieren auch die Verabschiedung der pädagogischen Fachkräfte, die die Einrichtung verlassen. Sie planen die Eingewöhnung für das kommende Kitajahr. Sie kümmern sich um die Erstellung der Dienstpläne für die Sommerferien. Sie organisieren die große Einrichtungsputzaktion. Sie verfassen Elternbriefe und stellen Dokumentationen fertig. Sie koordinieren die Fortbildungsplanung für das kommende Kindergartenjahr. Ganz wichtig sind die Quartalsgespräche, und die Anstrengungen, den Betreuungsschlüssel aufrechtzuerhalten, begleiten latent. Die Aufgabenfülle ist derart groß, dass die Leitungszeit voll und ganz ausgeschöpft wird. Für uns, die SPD-Landtagsfraktion, ergeben sich drei Lösungsoptionen für die Entlastung der Kitaleitungen. Erstens müssen dringend Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte eingestellt werden. Für die Kitaleitung kommen administrative Aufgaben wie Abrechnungen oder unterstützende Tätigkeiten für Familien hinzu. Dazu gehören das Kontaktieiode – 129. Sitzung – Donnerstag, 24. Juli 2025 ren der Frühförderstellen oder der Ausländerbehörde, Kooperationen mit den Schulen, zunehmende Integrations- und Inklusionsaufgaben. Den Personalmangel zu jonglieren, ist und bleibt eine riesengroße Herausforderung. Allein in Stuttgart fehlen 300 Kitakräfte. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte können hier unmittelbar entlasten. Diese Aufgaben werden immer unterschätzt. Deshalb fordern wir: Das Land muss die Kommunen bei der Einstellung von Hauswirtschafts- und Verwaltungskräften dringend unterstützen und mit einer entsprechenden Förderung zum Aufbau langfristiger Strukturen motivieren. (Beifall bei der SPD) Pädagogische Leitungszeit braucht es unbedingt für die Weiterentwicklung von pädagogischen Konzepten. Ansonsten wird nämlich die Chancengerechtigkeit regelrecht konterkariert. Das belastet massiv die Kitaleitungen und damit auch die Kinder. Unsere zweite Lösungsoption ist die Einführung einer sozialindexbasierten Ressourcenzuweisung, genauso wie bei den Schulen. Kindertageseinrichtungen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Die pädagogischen Anforderungen haben insbesondere in größeren Einrichtungen drastisch zugenommen. Deshalb ist es unser Ziel, für die Berechnung der Leitungszeit neben der Gruppengröße auch die sozialindexbasierte Ressourcensteuerung einzuführen. (Zuruf der Abg. Christiane Staab CDU) Kitaleitungen von Einrichtungen in herausfordernden Sozialräumen benötigen unbedingt mehr Ressourcen für die Leitungszeit. Die aufsuchende Hilfe in Kooperation mit Einrichtungen des Sozialraums ist doch notwendig, aufwendig und zeitintensiv. (Beifall bei der SPD) Liebe Frau Schopper, in der Ausschussberatung haben Sie bedauert, dass die Datengrundlage für eine sozialindexbasierte Ressourcensteuerung in Kitas schlecht sei. Das ist nicht zutreffend. Denn der Paritätische Gesamtverband hat im vergangenen Herbst genau ausgearbeitet, welche Daten zur Einrichtung einer sozialindexbasierten Ressourcenzuweisung nötig wären, mit konkreten Beispielen etwa aus Bremen, aus Hamburg und aus Sachsen, wie das dort umgesetzt wird. Also: Die Aufgabe ist lösbar. Wenn Sie Interesse haben, lassen wir Ihnen die Ausarbeitung gern zukommen. Unsere dritte Lösung heißt, eine ständige Kitaleitung einzurichten. Die Leitung einer Kita wird, auch bedingt durch die vielen Vorgaben vonseiten des Landes, immer komplexer. Deshalb halten wir es für notwendig, in jeder Tageseinrichtung verpflichtend eine Einrichtungsleitung einzustellen, die vor Ort zur Verfügung steht. Jede Kita verdient hier eine eigene Leitung. Darüber hinaus wollen wir auch eine ständige stellvertretende Leitung einrichten, die im Verhinderungsfall der Leitung voll handlungsfähig ist. (Beifall bei der SPD – Zuruf der Abg. Christiane Staab CDU) (Katrin Steinhülb-Joos) Kontinuität und Kommunikation sind somit gewährleistet, Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt. (Abg. Christiane Staab CDU: Ja, aber immer nur Vor- gaben!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, erlauben Sie mir abschließend noch den Hinweis, dass der Alltag in einer Kita nicht in Zwei-Jahres-Rhythmen angelegt ist. Deshalb wäre eine längere Verstetigung der Leitungszeit über diesen Rhythmus hinaus für die Einrichtungen von großer Wichtigkeit. Trotz aller Bauchschmerzen werden wir dem Gesetzentwurf zustimmen. Das sind wir den Kitaleitungen und den Kindern in unserem Land schuldig. Jetzt noch ein letzter Satz: Heute Morgen auf dem Weg hierher stand eine ganze Kitagruppe am Bahnsteig und winkte mir freudig zu. Genau für diese Kinder und viele andere Kinder im Land bitte ich Sie, unseren Anträgen heute zuzustimmen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD)

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