Saskia Frank
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über die Qualität der frühkindlichen Bildung sprechen, dann sprechen wir immer auch über die Menschen, die sie jeden Tag ermöglichen: die Kitaleitungen. Sie tragen die Verantwortung für Teams, für Kinder, für die Familien und auch für die Qualität der Einrichtungen in unserem Land. Kitaleitungen sind dabei weit mehr als nur reine Verwaltungsstellen. Sie sind Herz, Kopf und Rückgrat der Einrichtungen. Sie organisieren, führen, entwickeln konzeptionell, personell und pädagogisch. Wer von der Qualität der frühkindlichen Bildung spricht, muss deshalb also auch immer von der Leitungszeit sprechen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Beifall bei der SPD) Deshalb hat das Land 2021 entschieden, die pädagogische Leitungszeit systematisch zu fördern. Wir haben es eben gehört: sechs Stunden pro Woche für eine Gruppe plus zwei Stunden für jede weitere Gruppe, und das ausschließlich für pädagogische Leitungsaufgaben; das bedeutet: nicht für Bürokratie, nicht für Aktenordner, sondern für pädagogische Entwicklung, für Teambegleitung, für den Kontakt mit Familien und dem Sozialraum. Die Zeit ist gut investiert, und sie ist auch dringend notwendig. Denn der Alltag in den Kitas hat sich massiv verändert. Fachkräftemangel, steigende Anforderungen, wachsender Druck – gerade jetzt brauchen Leitungskräfte Freiräume, um den Überblick zu behalten, um das pädagogische Profil ihrer Einrichtungen weiterentwickeln zu können. Mit dem KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz des Bundes stehen uns erneut Mittel zur Verfügung, um diese Förderung bis Ende 2026 weiterzuführen. Dafür investieren wir im Jahr 2025 über 180 Millionen € und im Jahr 2026 über 190 Millionen €. Das ist ein klares Bekenntnis zur Qualität, zur Verantwortung und zu den Menschen in den Kitas in unserem Land. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Diese Mittel fließen mit einer ganz klaren Erwartung über den kommunalen Finanzausgleich an die Träger: Die Leitungszeit muss verbindlich bei den Leitungskräften ankommen. Denn laut ganz aktueller DKLK-Studie haben noch immer 6 % der Kitaleitungen keine vertraglich zugesicherte Leitungszeit. Jede zweite Leitung verbringt mehr als 60 % ihrer Arbeitszeit mit Leitungsaufgaben, aber nur jede vierte hat das vertraglich auch hinterlegt. 65 % sagen, sie brauchen deutlich mehr Zeit für Leitung, als ihnen eigentlich offiziell zur Verfügung steht. Diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit müssen wir verbindlich und dauerhaft schließen. Ja, Kitaleitung ist kein Solojob, sie braucht Unterstützung durch Stellvertretung, sie braucht Unterstützung durch Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräfte, durch verlässliche Teams. Das liegt in der Verantwortung der Träger. Gleichzeitig sagen wir aber auch: Die Finanzierung der Leitungszeit darf keine befristete Maßnahme sein; sie muss daueriode – 126. Sitzung – Mittwoch, 2. Juli 2025 erhaft gesichert und strukturell verankert sein. Das Land muss einen verlässlichen langfristigen Finanzrahmen schaffen; denn wer dauerhaft Qualität will, muss auch dauerhaft investieren. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben in Baden-Württemberg die Chance und Verantwortung, frühkindliche Bildung nicht nur quantitativ auszubauen, sondern auch qualitativ weiter zu stärken. Leitungszeit ist kein Luxus, sie ist Voraussetzung für gute Kitas. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Thomas Dörf- linger CDU) Deshalb bitte ich Sie: Stimmen Sie der Fortsetzung der Finanzierung der pädagogischen Leitungszeit zu – für eine bessere Unterstützung der Leitungskräfte und für starke Kitas in ganz Baden-Württemberg. Denn jeder in Leitungszeit investierte Euro ist eine Investition in die Kinder in unserem Land und damit auch in unsere Zukunft. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Thomas Dörf- linger CDU)
