Nadyne Saint-Cast
Vielen Dank. – Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Balzer, ich habe mich echt die ganze Zeit gefragt: (Unruhe – Glocke des Präsidenten) Kennen Sie eigentlich diesen Modellversuch? (Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Anton Baron AfD: Deswegen sind Sie bei den Grünen!) Haben Sie sich mal vor Ort die intensive pädagogische Arbeit dort angeschaut? (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) Offensichtlich überhaupt nicht; (Zuruf: Nö!) denn es geht – das sagt ja schon der Titel dieses Modellversuchs – (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: 25 Jahre war ich Leh- rer! – Gegenruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD) (Nadyne Saint-Cast) um lernförderliche Leistungsrückmeldungen für die Schülerinnen und Schüler in unserem Land. (Zuruf von der AfD) Es geht genau um das Gegenteil dessen, was Sie hier skizziert haben; es geht nämlich darum, dass die Kinder in ihrem Lernprozess möglichst gezielt gefördert und gefordert werden. Das ist eine unglaublich tolle Arbeit, die an diesen Schulen geleistet wird, weil vollkommen klar ist: (Zuruf des Abg. Joachim Steyer AfD) Kinder sind doch mehr als Zahlen, (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Dr. Alexander Becker CDU) und Bildung ist auch viel mehr als das Ausfüllen von Aufgabenblättern. Es geht um Verstehen, es geht um Neugier, und es geht darum, grundsätzliche Kompetenzen für das Leben zu erwerben, damit die Kinder gut auf das Leben vorbereitet sind. Ja, jedes Kind ist einzigartig und auch andersartig. Wir sind alle vielfältig. (Zuruf von der AfD) Wir brauchen auch in unserem Bildungssystem Vielfalt statt Einfalt. Und dass Ihnen von der AfD das nicht passt, ist mir vollkommen klar. Aber diese Vielfalt, die wir als Menschen abbilden, muss sich auch in unseren Schulen und auch in der Art und Weise des Unterrichts widerspiegeln, (Abg. Anton Baron AfD: Deswegen machen Sie Ge- meinschaftsschulen! Alles Gleichmacherei!) auch bei der Art und Weise der Leistungsrückmeldung. Genau darauf geht der Modellversuch der lernförderlichen Leistungsrückmeldungen ein. Es geht eben nicht darum, Leistung abzuschaffen – überhaupt nicht –, (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: Sondern?) sondern es geht im Gegenteil darum, Leistung zu fördern – mit klaren Rückmeldungen darüber, was die Kinder schon können und woran sie vielleicht noch arbeiten müssen. Das ist – wenn man sich die Arbeit vor Ort einmal angeschaut hat – eine extrem zielgerichtete Rückmeldung, woran die Kinder auch wachsen. Das ist kein Kuschelkurs. Im Gegenteil – wie gesagt, ich habe mir die Arbeit angeschaut –, da wird eine extrem intensive, leistungsorientierte pädagogische Arbeit durch Lernstandsgespräche geleistet. (Zuruf des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) Regelmäßig setzen sich die Lehrkräfte mit den Kindern hin und sagen: Da bist du schon gut, daran musst du aber noch arbeiten. Das ist eben nachhaltiges Lernen; die Kinder erlernen schon in der Grundschule nachhaltiges Lernen, indem sie Selbstverantwortung dafür übernehmen, wie ihr Lernfortschritt ist. Selbstverständlich lernen die Kinder auch, dass sie für ihre Leistungen arbeiten müssen; das ist überhaupt gar keine Frage. (Zuruf des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) riode – 125. Sitzung – Mittwoch, 25. Juni 2025 Aber sie lernen auch, dafür Selbstverantwortung zu übernehmen. Um festzustellen, dass das erfolgreich ist, brauchen wir doch nur in die Empirie zu schauen. In Finnland, Schweden oder Norwegen gibt es an vielen Schulen in den ersten Jahren überhaupt keine Ziffernnoten, teils noch bis Klasse 7, und das mit großem Erfolg. Wir wissen, dass diese Länder bei PISA, bei leistungsorientierten Bildungsstudien immer sehr gut abschneiden, (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Nicht alle!) und zwar nicht, weil sie auf Leistung verzichten würden – überhaupt nicht –, sondern weil sie Leistung eben umfassend fördern und fordern, kindgerechter und effektiver. Genau deswegen geben wir unseren Schulen, auch im Rahmen dieses Modells, die pädagogische Freiheit, diesen neuen Weg gehen und ausprobieren zu können. Dabei werden sie wissenschaftlich unterstützt durch den wissenschaftlichen Beirat und werden über das IBBW evaluiert. Wir werden uns diese Evaluation selbstverständlich sehr genau ansehen. (Abg. Anton Baron AfD: Ah!) Für uns Grüne ist aber auch klar, dass wir zukünftig ermöglichen wollen, dass die Schulen die pädagogische Freiheit haben, auch neue Wege im Sinne der Kinder und im Sinne einer zielgerechten Leistung, eines leistungsfähigen Bildungssystems gehen können. Basis ist selbstverständlich immer der Bildungsplan. Das Ziel ist klar; hier sind die Kompetenzziele ganz klar formuliert. Aber der Weg zum Ziel muss nicht immer einheitlich vorgegeben sein. Oft wissen die Lehrkräfte vor Ort am besten, wie sie Kinder zu ihrem Ziel führen – mit Herz, Verstand und eben auch pädagogischer Kompetenz. Für uns Grüne ist klar: Wir wollen den Schulen, die diesen Weg der lernförderlichen Leistungsrückmeldung gehen wollen – das ist kein Zwang, sondern sie haben sich selbst dazu entschieden und wollen diesen neuen Weg gehen –, diese Freiheit auch in Zukunft geben, und zwar mit Rückhalt und Vertrauen. Denn für uns ist klar: Wir wollen, dass alle Kinder optimal ihre Kompetenzen, ihre Fähigkeiten entwickeln können, damit sie stark und auf eigenen Beinen durchs Leben gehen können. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)
