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Hans-Peter Hörner

AfD 25.06.2025 Sitzungen 17/125

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Befunde zur Bildungs- und Leistungssituation von Schulen in Baden-Württemberg geben uns allen Anlass zu größter Sorge. Baden-Württemberg war einst Bildungsprimus. In den vergleichenden Studien sind wir deutlich abgerutscht. Im Ländervergleich rangieren wir nur noch im Mittelfeld. Woran liegen nun diese eklatanten Leistungsprobleme? Sind die Bildungsreformen der letzten Dekade, allen voran der kompetenzorientierte Bildungsplan 2016, Teil des Problems? Welche Folgen hat die Erosion des Leistungsprinzips in unseren Schulen für die Ausbildungsreife, die Studierfähigkeit und die Bildungsgerechtigkeit in unserer Gesellschaft? Ein zentraler Ansatz der baden-württembergischen Bildungsreform von 2016 war die Fokussierung auf Kompetenzen. Der Bildungsplan 2016 wurde also kompetenzorientiert ausgerichtet mit dem Anspruch, Schüler auf Fähigkeiten und Haltungen für das 21. Jahrhundert vorzubereiten. Stand heute mehren sich jedoch die Hinweise, dass diese Schwerpunktverschiebung mit erheblichen Schwächen einhergeht. Es wird immer offensichtlicher, dass der Bildungsplan 2016 an der Lebenswirklichkeit mehr als vorbeigeht. Schüler erhalten zwar viele Projekte und Diskussionen über Werte, aber häufig fehlen ihnen greifbare Kenntnisse in Rechtschreibung, Grammatik oder Grundrechenarten. Lesen, Rechnen und Schreiben – früher selbstverständlich – sind heute leider bestenfalls ein Nebeneffekt. Ein Blick auf die Leistungsdaten stützt meine Kritik. Jährliche Vergleichstests – VERA und wie sie alle heißen – bestätigen, dass viele Schüler trotz kompetenzorientierten Unterrichts die Bildungsstandards verfehlen. Parallel zu den curricularen Veränderungen ist ein schleichender Verlust – „schleichend“ kann man vielleicht auch weglassen – des Leistungsprinzips in unseren Schulen zu beobachten. Leistung und Anstrengung werden immer weniger klar eingefordert und honoriert. Der Leistungsbegriff wurde an den Rand gedrängt. Ja, in einigen sogenannten modernen pädagogischen Konzepten gilt es sogar als verpönt, Leistungen, Schülerleistungen offen zu differenzieren – für mich als Lehrer vollkommen unvorstellbar. Stattdessen dominieren Begrifflichkeiten wie „Kompetenzraster“, „Lerntagebücher“ oder „individuelle Lernfortschritte“, die zwar gut gemeint, aber auf keinen Fall zielführend sind. Ein Indikator dafür ist die oft beklagte Noteninflation: Schulabschlüsse und Notendurchschnitte verbessern sich statistisch, ohne dass die zugrunde liegenden Kompetenzen tatsächlich gestiegen wären. Im Gegenteil: Standardisierte Tests zeigen sinkende Fertigkeiten. Und die negativen Folgen zeigen sich für die jungen Menschen spätestens nach der Schule, wenn der Schein des guten Abschlusses trügt. Enttäuschungen in Ausbildung und Studium sind vorprogrammiert. Meine Damen und Herren, die Aussagekraft von Abschlussnoten wird zunehmend hinterfragt, gerade auch vonseiten der Wirtschaft. So warnt der Verband Unternehmer Baden-Württemberg, dass die Schulnoten immer weniger aussagekräftig sind – ein Eindruck, der auch von den Industrie- und Handelsriode – 125. Sitzung – Mittwoch, 25. Juni 2025 kammern und vom Handwerk vollauf bestätigt wird. Ein „sehr gut“ auf dem Zeugnis garantiert leider längst nicht mehr, dass der Absolvent tatsächlich exzellente Kenntnisse oder Arbeitshaltungen mitbringt. Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber berichten von zunehmenden Problemen bei Schulabgängern. Eine Auswertung des DIHK-Arbeitsmarktreports zeigt: Sechs von zehn Unternehmen sehen unzureichende schulische Qualifikationen der Bewerber als Hauptursache dafür an, warum offene Ausbildungsund Arbeitsstellen nicht mehr besetzt werden können. Viele Betriebe, insbesondere in industriellen und technikorientierten Branchen, klagen deutlich darüber, dass Schulabgänger nicht die nötigen Grundkenntnisse mitbringen. Diese beschriebenen Entwicklungen haben natürlich erhebliche gesellschaftliche Folgen. Zunächst gerät die Ausbildungsreife vieler Schulabgänger in Zweifel. Dabei ist doch Ausbildungsreife ganz einfach zu definieren: Eine Ausbildungsreife liegt vor, wenn die Jugendlichen den Anforderungen einer beruflichen Ausbildung erfolgreich gerecht werden. Wenn aber, wie ausgeführt, ein großer Teil der Absolventen wesentliche Grundkenntnisse in Deutsch und Mathematik eben nicht beherrscht, sind diese jungen Menschen kaum ausbildungsfähig. Bereits die hohe Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen in einigen Regionen zeigt, dass Angebot und Nachfrage immer schwerer zueinanderfinden. Die Konsequenz ist nicht nur wirtschaftlich spürbar – Stichwort Fachkräftemangel –, sondern auch sozial. Jugendliche ohne ausreichende Schulbildung laufen Gefahr, perspektivlos zu bleiben. Schließlich wirft die Leistungsmisere auch ein Schlaglicht auf die sogenannte Bildungsgerechtigkeit. Ein Bildungssystem ist ungerecht, wenn Kinder die Schule ohne Aussicht auf einen Beruf verlassen. Genau das droht jedoch, wenn grundlegende Bildungsstandards nicht mehr von allen erreicht werden. Bildungsgerechtigkeit verlangt beides: eine Mindestsicherung – kein Schüler darf grundsätzlich abgehängt werden – und Leistungsgerechtigkeit – eine Differenzierung nach oben, damit Exzellenz belohnt wird. Die aktuelle Entwicklung gefährdet leider beide Aspekte. Meine Damen und Herren, die beschriebene Situation legt nahe, dass erhebliche Kurskorrekturen nötig sind. Der kompetenzorientierte Bildungsplan 2016 mag zwar in guter Absicht eingeführt worden sein, aber seine Schwächen sind unübersehbar. Ein Zuviel an theoretischer Kompetenzrhetorik und ein Zuwenig an konkretem Wissensaufbau haben zu spürbaren Bildungsdefiziten geführt. Gleichzeitig hat das nachlassende Leistungsprinzip dazu beigetragen, dass Leistungen nicht mehr konsequent eingefordert werden und Abschlüsse an Aussagekraft verlieren. Die Folgen – sie betreffen uns alle –: Betriebe, die händeringend nach ausbildungsreifen Bewerbern suchen, und Hochschulen, die eine grundlegende Studierfähigkeit bei ihren Studienanfängern voraussetzen und leider vermissen. Was ist zu tun? Die empirischen Befunde von VERA – als Beispiel – bis hin zu den Aussagen der Wirtschaft dürfen nicht weiter schöngeredet oder relativiert werden, sondern sie müssen unbedingt als Weckruf verstanden werden. Konkret sollte der Bildungsplan 2016 auf den Prüfstand gestellt werden. Wissen und Kompetenzen dürfen kein Gegensatzpaar sein. (Hans-Peter Hörner) Eine Rückbesinnung auf Inhalte, Grundfertigkeiten und Leistungsorientierung tut not. Eine Kultur, die Anstrengung belohnt und Exzellenz fördert, kommt letztendlich uns allen zugute. Sie motiviert Schüler, gibt uns Lehrern Orientierung und liefert Betrieben sowie Hochschulen verlässlichste Maßstäbe. Abschließend erlaube ich mir, eines festzuhalten: Die Bildungspolitik in Baden-Württemberg steht an einem Scheideweg. Entweder wir korrigieren den Kurs, oder wir riskieren eine Erosion unserer Bildungsgrundlagen, deren langfristige gesellschaftliche Folgen sehr verheerend wären. Im Interesse der nächsten Generationen müssen wir die Ausbildungsreife, die Studierfähigkeit und die Bildungsgerechtigkeit wieder zur obersten Leitlinie machen. Bildung ohne Leistung ist keine Bildung. Nur wenn wir Kinder sowohl fördern als auch fordern, bereiten wir sie auf eine gute Zukunft vor. In diesem Sinn ist der Weckruf klar: Kehren wir zurück zur Kultur der Leistung – gerecht, fundiert und zukunftsfähig! Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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