Udo Stein
Sehr geehrter Herr Präsident, meine werten Damen und Herren! Es geht um die Unterrichtung des Landtags in EU-Angelegenheiten, speziell um den Schutzstatus des Wolfes, um die Umstufung von „streng geschützt“ mit Tötungsverbot in „schutzbedürftig“, was bedeutet, dass einzelne Tiere im Ausnahmefall bejagt werden dürfen. Die Mühlen der Europäischen Union mahlen sehr langsam. Ich habe hier vor Längerem in einer Rede die Anzahl der Wölfe in Europa aufgezählt und aufgezeigt, dass der Wolf keine gefährdete Tierart ist. Deshalb freut es mich, dass man das in Brüssel jetzt auch erkannt hat. Wir haben europaweit 20 300 Wölfe. Die Zahl der Wölfe in Deutschland, je nachdem, welche man nimmt, liegt zwischen 1 600 und 2 000, dem Wert des Deutschen Jagdverbands. Davon sind drei bis vier Wölfe in Baden-Württemberg. Wenn wir einmal logisch denkend an das Thema Wölfe herangehen, dann muss man einfach regelmäßig die Frage stellen: Wie viel Lebensraum haben wir für ein Wolfsrudel? Dass einzelne Wölfe bei uns durchziehen, werden wir nie vermeiden können, aber ich bin der Meinung, dass es Wölfe schon verdient haben, artgerecht zu leben. Wir haben damals auf der Reise nach Finnland, auf die ich Herrn Hauk begleiten durfte, erfahren, dass ein Wolfsrudel (Udo Stein) 250 km2 Raum braucht. Jetzt kann man darüber diskutieren. Der Nationalpark Schwarzwald würde damit so in etwa hinkommen. Aber was Baden-Württemberg insgesamt angeht, muss man eines ganz klar sagen: Wir sind viel zu dicht besiedelt, um hier den Wölfen ohne Probleme und ohne in Konflikte mit Menschen zu kommen den Raum zu geben, hier leben zu können. Wir haben eine Kulturlandschaft, und unsere Weidetierhalter haben immer wieder die Probleme, dass es zu Schafs-, Rinder- oder Ziegenrissen kommt. Die Wölfe sind nun einmal keine Vegetarier, sondern Fleischfresser, und ein Wolf lernt auch ziemlich schnell, dass er dann, wenn er über einen Zaun springt, nicht kilometerweit einem Reh hinterherrennen muss. Wenn ein Wolf das einmal gelernt hat, wird er sich öfter so verhalten und Nutztiere reißen. Sie reden immer von der Entschädigung. Ja, Sie werfen hier mit Steuergeld um sich. Ich wiederhole die Zahl: 21 Millionen € gibt das Land für die paar Wölfe aus, die wir hier haben. Meiner Meinung nach ist das eine enorme Verschwendung von Steuergeld. Dafür gibt es bessere Lösungen. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: So ist es!) Herr Rösler, Sie sagen, die Weidetierhalter werden entschädigt. Finanziell, ja. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Unterstützt!) – Ja, aber den emotionalen Schaden, der entsteht, wenn man auf seine Weide kommt und Tiere, die eventuell auch einen Namen haben, angefressen und leidend am Boden sieht, den können Sie mit noch so viel Geld nicht bezahlen. (Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE: Das wissen wir!) – Schön, dass Sie das wissen. (Beifall bei der AfD) Deshalb möchte ich, dass Sie auch dementsprechend handeln. Was mich jetzt richtig freut, ist: Wir fordern ja schon länger, dass der Wolf ins Jagd- und Wildtiermanagement aufgenommen wird. Hierfür haben wir jetzt eine Mehrheit. Bis auf die Grünen hat sich jetzt jeder dafür ausgesprochen. Ich bin einmal gespannt, ob das endlich zeitnah umgesetzt wird. Ich würde mir das wünschen. (Beifall bei der AfD) Die Mehrheit dafür gibt es schon länger, die CDU hat sich nur nicht getraut. Man bemerkt ja den Konflikt, wenn man die CDU und die Grünen reden hört. Die CDU würde gern etwas ändern – das sage ich auch mit Lob an die SPD auf Bundesebene –, aber ich wage jetzt einmal vorauszusagen, dass Sie von der CDU mit den Grünen in Baden-Württemberg in dieser Legislaturperiode nichts mehr verändern werden. Ich würde mir für unser Land wünschen, dass Sie es schafften, aber ich habe daran sehr, sehr starke Zweifel. Wir stehen auf jeden Fall bereit, dem zuzustimmen. Das gilt auch für die FDP/DVP und die SPD. Seien Sie einmal mutig! eriode – 124. Sitzung – Donnerstag, 22. Mai 2025 (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Bravo! –
