Hans-Peter Hörner
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Es ist Zeit. Es ist auch an der Zeit, dass sich Baden-Württemberg auf der größten sportlichen Bühne der Welt präsentiert: den Olympischen Spielen. Die letzten Olympischen Spiele auf deutschem Boden fanden vor über 50 Jahren statt, nämlich 1972 in München. Welchen Einfluss das auf München gehabt hat, wissen wir alle. München ist auch dadurch oder überwiegend dadurch zu einer Weltstadt geworden, bei allen finanziellen Aufwendungen, die in Bayern damals getätigt wurden. Seitdem ist Deutschland aber als Gastgeber abwesend geblieben und wird es wohl auch bis mindestens 2040 bleiben. Daran wird sich nichts ändern. Zu unserem Berichtsantrag haben wir eine Stellungnahme vom Kultusministerium bzw. Sportministerium erhalten. Danach gibt es in Baden-Württemberg kein Olympiastadion und kein olympisches Dorf. Es gibt zwar Spezialsportstätten, aber diese sind nur teilweise olympiatauglich. Auch haben wir die Mitteilung erhalten, dass für neue olympische Sportarten entsprechende Sportstätten einzurichten wären. Die Austragung von Olympischen oder Paralympischen Spielen würde hier in verkehrspolitischer Hinsicht, insbesondere wegen der zu erwartenden Besucherströme, eine außergewöhnliche Spitzenode – 121. Sitzung – Donnerstag, 10. April 2025 belastung darstellen. Ich erinnere aber an die Leichtathletik-Europameisterschaft 1986 und die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart. Das waren hervorragende Veranstaltungen, die unserem Land weltweit Achtung eingebracht haben. Natürlich müssten – abhängig von den konkreten Wettkampfstätten – die jetzt zu erwartenden Besucherströme ermittelt werden. Darauf aufbauend müsste jetzt ein Gesamtkonzept erarbeitet werden. Das alles war vor vier Jahrzehnten aufgrund verantwortlicher Politik möglich. Geldmittel stehen aber jetzt aufgrund verfehlter Entscheidungen kaum mehr zur Verfügung. Die Mittel wurden für sogenannte Sozialleistungen aufgewendet, was auch hier jeglichen Handlungsspielraum stark beschränkt. Olympia muss ein Zukunftsprojekt sein. Die positiven Auswirkungen des Leistungssports auf den Breitensport sowie die Begeisterung der Bevölkerung und dadurch vermehrte körperliche Aktivität wären wichtige Folgen. Dabei wird auch die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Die gesamte Infrastruktur von den Sportstätten bis zur Mobilität ist konsequent auf Nachnutzung auszurichten, um für alle ein Gewinn zu sein. Dabei ein kleiner Nebenschwenk: Die Schaffung von Radwegen für Lastenfahrräder oder Rikscha-Kutschen darf die Mobilität dann natürlich nicht prägen. Auf unsere Frage, ob im Zusammenhang mit dem Vorschlag, Olympische Spiele in Baden-Württemberg auszutragen, von möglichen Austragungsorten explizit Ablehnung oder Zustimmung bekundet worden sei, kommt wieder einmal nur die Antwort: „Der Landesregierung liegen hierzu keinerlei Informationen vor.“ (Zuruf) Zwischen dem DOSB, verschiedenen Großstädten sowie den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bayern wurde eine gemeinsame Vereinbarung getroffen. Da frage ich: Wo bleibt denn Baden-Württemberg? Auch hier wurde wiederum eine Chance vertan. Aber will Baden-Württemberg wirklich dauerhaft nur Zuschauer und Teilnehmer sein? Das kann und darf nicht unser Anspruch sein. Hier in Baden-Württemberg können Olympische Spiele stattfinden. (Beifall bei der AfD) Der olympische Gedanke steht für Leistungsbereitschaft, für Fairness und auch für grenzenlose Begeisterung für den Sport. (Zuruf) Olympische Spiele wecken Emotionen – bei Athleten, bei den vielen Ehrenamtlichen, bei Millionen Menschen an den Bildschirmen und auch in den Stadien. Sie inspirieren vor allem auch die Jugend in unserem Land. Sie fördern Bewegung und auch Aufmerksamkeit für Sportarten, die sonst im Schatten stehen. (Hans-Peter Hörner) Eine Bewerbung des Landes Baden-Württemberg, auch der Stadt Stuttgart, wäre ein guter, starker Impuls für unsere Sportlandschaft, (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Wie wär’s, wenn Sie das der Stadt Stuttgart vorschlagen?) für den Tourismus, für die Innovationskraft und für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Wir können hier groß denken und dabei regional verankert bleiben. Kooperationen mit den anderen Bundesländern, den Nachbarstädten, mit Österreich, mit europäischen Partnerregionen – das alles ist bzw. wäre möglich. Der olympische Geist – da stimmen wir zu – kennt wirklich keine Grenzen. (Beifall bei der AfD) Das Potenzial ist da, aber wo ist der Wille? Ich frage mich, ob die Landesregierung überhaupt bereit ist, diesen Weg zu gehen. Immer wieder hören wir Bekenntnisse zum Sport, doch es sind nur Worte. Lassen wir diesen Worten endlich Taten folgen. Die Herausforderungen insbesondere im Bereich der Mobilität sind bekannt, aber sie werden seit Jahren lediglich beschrieben und leider nicht angegangen. Der Hinweis des Kultusministeriums, dass umfangreiche Investitionen notwendig wären, ist richtig. Aber „anspruchsvoll“ ist nicht gleich „unmöglich“, im Gegenteil: Es ist eine Chance für unser Land, für den Sport, für Baden-Württemberg, für die kommenden Generationen. Deshalb fordern wir, die alternativen Demokraten, die Landesregierung auf, gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie mit Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg auf Basis der Vorarbeiten früherer Bewerbungen auch aus München und Hamburg die Voraussetzungen für eine Bewerbung um die nächstmöglichen Olympischen Spiele zu schaffen – finanziell, organisatorisch, strategisch – und diese Bewerbung auch aktiv zu verfolgen. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns bitte gemeinsam den olympischen Funken nach Baden-Württemberg holen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
