Alena Fink-Trauschel
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Musikschulen sind Orte der Bildung, der Begegnung und des richtigen Tons. Sie bilden aber nicht nur musikalisch aus, sondern sie stimmen Kinder und Jugendliche auch auf das Leben ein. Genau deshalb müssen wir heute über die Zukunft der Musikschulen in der Fläche, im Ganztag und in ihrer Vielfalt sprechen. Baden-Württemberg hat mit 236 anerkannten Musikschulen ein starkes Fundament. 140 Musikschulen sind in kommunaler und 96 Musikschulen in privater Trägerschaft. Diese Vielfalt ist ein unglaublicher Schatz, der aber auch verletzlich ist. riode – 120. Sitzung – Mittwoch, 9. April 2025 Besonders die privatwirtschaftlich organisierten Musikschulen werden in der politischen Debatte oft überhört. Es ist Zeit, ihnen mehr Gehör zu schenken. (Beifall bei der FDP/DVP und der AfD) Zudem braucht es für alle Musikschulen unabhängig von ihrer Trägerschaft gleiche Chancen. Denn was wir aktuell erleben, ist ein schiefer Klang im Fördersystem. Öffentliche Musikschulen sind gut eingebunden. Demgegenüber fallen private Modelle häufig durch das Raster. Sie kämpfen mit fehlenden Zuschüssen, unklaren steuerlichen Rahmenbedingungen und vielen bürokratischen Hürden; das kennen wir aber aus allen Bereichen. Dabei übernehmen aber gerade sie vor allem in den ländlichen Regionen oft die Rolle des einzigen musikalischen Bildungsangebots. Wer diese Schulen also im Unklaren lässt, riskiert, dass musikalische Bildung künftig in einigen Regionen verstummt. (Beifall bei der FDP/DVP) Dabei ist aber auch klar: Musikalische Bildung darf – erstens – kein Luxus sein, sondern sie ist ein Teil von Bildungsgerechtigkeit. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Richtig! Sehr rich- tig!) Zweitens: Ganztag klingt gut. Er muss aber auch gut gemacht sein. Ab 2026 greift der Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Klar ist: Dieser Anspruch kann nur erfüllt werden, wenn wir außerschulische Akteure einbinden, und zwar sinnvoll, strukturiert und verbindlich. Die Musikschulen mit ihren praxiserprobten Konzepten, mit Programmen wie „Singen – Bewegen – Sprechen“ sind dafür prädestiniert. Doch was plant das Land? Kein koordinierender Rahmen, keine Leitlinie, kein orchestriertes Zusammenspiel, sondern Einzelfalllösungen. Jede Schule muss allein entscheiden, wie sie den Ganztag gestalten will. Verzeihen Sie mir den Tonfall, aber das ist keine Strategie, das ist eine Improvisation ohne Partitur. (Beifall bei der FDP/DVP) Wir fordern daher die Einbindung der Musikschulen in die Ganztagsplanung von Anfang an und auf Augenhöhe. Dazu braucht es Landesmittel für Ausbildung und Personal, Räume für Musik, ein Mitspracherecht und nicht zuletzt eine verlässliche Mitfinanzierung der Angebote. Wer den Takt vorgibt, muss auch das Orchester bezahlen. Drittens: Wer musikalische Bildung will, muss sie finanziell wie strukturell ermöglichen. Die Musikschulen in Baden-Württemberg haben gerade während Corona sehr viel geleistet, aber auch verdammt viel verloren. Gerade freiberufliche Lehrkräfte und kleinere Einrichtungen hat die Krise hart getroffen. Noch heute spüren und tragen sie die Nachwirkungen. Und während die Landesregierung keine Probleme bei der Förderung öffentlicher Musikschulen sieht, werden die Sorgen der anderen schlicht ausgeblendet. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Hört, hört!) Dabei geht es hier nicht um Extras, sondern um Grundversorgung, um kulturelle Teilhabe und um Persönlichkeitsbildung. (Alena Fink-Trauschel) Musik macht Kinder stark, und sie schafft Gemeinschaft, gerade in einer Zeit, in der Polarisierung so zunimmt. Deshalb sagen wir: Die Förderung in Höhe von 15 % der anerkannten Personalkosten ist kein Wunschkonzert, sondern notwendig, damit am Ende nicht die Eltern die Zeche zahlen; denn was teurer wird, wird exklusiv, und exklusive Bildung war noch nie gerecht. (Beifall bei der FDP/DVP) Wir brauchen eine langfristige Finanzierungsperspektive, damit Musikschulen nicht am Existenzminimum klimpern. Meine Damen und Herren, Musikschulen sind keine Nebenschauplätze der Bildungspolitik, sie sind Bühnen für Talent, für Teilhabe, für Zukunft. Ob öffentlich oder privat – sie alle verdienen Planungssicherheit, Wertschätzung und faire Förderung; (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Richtig!) denn wer den richtigen Ton treffen will, muss zuerst hinhören. Lassen Sie uns also nicht länger wegsehen, sondern gemeinsam dafür sorgen, dass musikalische Bildung in Baden-Württemberg weiterhin im Takt bleibt und dass Baden-Württemberg weiterhin Musikland Nummer 1 bleibt. Herzlichen Dank. (Beifall bei der FDP/DVP und des Abg. Erwin Köh- ler GRÜNE – Vereinzelt Beifall bei der CDU und der AfD)
