Dr. Uwe Hellstern
Herr Hermann, die Strategie „Local for local“ kann man verfolgen; das gestehe ich Ihnen zu. Sie als Verkehrsminister sind auch jemand, der den Ausbau des ÖPNV, des Nahverkehrs promotet. In Ihrer Partei höre ich öfter, am besten sei es, wenn es weniger private Pkws gebe, wenn die Leute gar kein Auto mehr hätten. Jetzt haben wir aber ein Problem. Wir haben mit Porsche, Mercedes und Audi mehrere große Automobilhersteller im Land. Wenn jetzt beides zusammenkommt, nämlich Ihre ÖPNV-Lösung, auf die die Städter umsteigen wollen, plus die „Local for local“-Produktion für die anderen Länder, dann kommen wir zu Stückzahlen, bei denen eine rationelle, moderne Autoindustrie nicht mehr betrieben werden kann. Das ist genau der Punkt, vor dem die Leute Angst haben – und zu Recht Angst haben. Wir leben nämlich in der Neuzeit, nicht in der Zeit einer 150 Jahre alten Brennstoffzelle. In der Neuzeit brauchen Sie bestimmte Losgrößen, um eine Industrie halten zu können, bestimmte Produktionsgrößen. Wie lösen Sie das auf? Minister für Verkehr Winfried Hermann: Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass Mercedes die Produktionskapazität des Werks in Ungarn sozusagen verdoppelt. Aber Ihre Frage verstehe ich nicht so ganz. Meinen Sie, ich solle die ÖPNV-Politik einstellen in Deutschland, damit vielleicht mehr Autos verkauft werden? Irgendwie glaube ich, dass Sie eine etwas eingeschränkte Sichtweise haben. (Lachen des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Die deutschen Automobilunternehmen, auch die baden-württembergischen, produzieren überwiegend für den Export. Mindestens drei Viertel aller Produktionen gehen in den Export. Ein Großteil dieser Produktion ist z. B. schon gar nicht mehr in Deutschland. Ich persönlich und eine Reihe von Ministern fahren Dienstwagen, die komplett in den USA produziert werden – Mercedes übrigens.
